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Moers: Kinder lernen: Füttern schadet den Enten

Moers : Kinder lernen: Füttern schadet den Enten

Mit einem kleinen Buch und Führungen möchte die Lineg Mädchen und Jungen zeigen, wie schädlich das Füttern von Tieren sein kann. Dabei geht es auch um Nutrias, deren Bejagung im vergangenen Jahr für Proteste sorgte.

Vorschulkinder der Kindertagesstätte Diergardtstraße haben sie gestern als erste kennengelernt: Emma, die kleine blaue Ente, die an einem See lebt. Sie trifft Nils, den Nutriajungen, Ron die Ratte und Fabian, den goldroten Fisch. Sie trifft auch Emil, den Erpel, der sich an dem Brot gütlich tut, das eine Familie ins Wasser wirft. Emma kostet, verzieht das Gesicht - und labt sich lieber an einem leckeren und gesunden Wurm.

Das kleine Bilderbuch "Emma hat Hunger" steht im Mittelpunkt einer Infoaktion der Lineg. Sie möchte Kindern die heimische Tier- und Pflanzenwelt nahebringen und ihnen zeigen, warum das Füttern von Enten oder Nutrias den Tieren und dem Wasser schadet. Neben der Geschichte rund um Emma enthält das Buch Fotos und Informationen über die Tiere. Kindergartengruppen und Schulklassen können zudem mit der Biologin Claudia Goormann Exkursionen zu Gewässern unternehmen, die von der Lineg gepflegt werden.

Viel zu viele Wasservögel und Nutrias leben zum Beispiel im und am Moersbach oder Stadtgraben. Weil viele Menschen Spaß daran haben, die Tiere zu füttern, vermehren sich diese in einem ungesunden Maße. Als die Lineg im Februar 2014 mit dem Jagen von Nutrias begann, erntete sie einen "Sturm der Entrüstung", wie Elke Wimmer, Pressesprecherin des Unternehmens, gestern sagte. "Das ging bis zur Morddrohung." Nun verzichtet die Lineg auf das Abschießen und setzt lieber auf Pädagogik.

Emma, die Ente, ist auch auf einem Schild im Schlosspark zu finden; dem ersten von mehreren geplanten. "Entenbrot ist Ententod" steht darauf, etwas drastisch, aber sehr eingängig. Für Enten, die Salz und Hefe nicht vertragen, ist Brot ungesund. Die Tiere verfetten, werden träge, leiden unter Vitaminmangel. Wegen des Überangebots an Futter nimmt die Population dennoch zu. Jede Menge Vogelkot verunreinigt das Wasser. Es bilden sich Bakterien, die zum Tod der Tiere führen können. Auch Brot, das im Wasser liegenbleibt, schimmelt und belastet dieses. "Algen vermehren sich, das Gewässer kippt um", schilderte gestern Elke Wimmer.

Zu viele Nutrias verursachen ebenfalls große Schäden. Die Tiere graben Erdhöhlen an den Ufern. Und sie ernähren sich von Pflanzen, darunter auch solche, die auf der Roten Liste für gefährdete Arten stehen. Tim Hartmann vom Naturschutzbund Deutschland erzählte gestern von den vergeblichen Bemühungen des Nabus, Krebsscheren am Schwafheimer Meer anzusiedeln. "Sie verschwinden, nicht weil die Qualität des Wassers schlecht ist, sondern weil die Nutrias sie wegputzen." Die Nutrias im Schlosspark seien mittlerweile so ans Füttern gewöhnt, dass sie den Menschen die dargebotenen Möhren aus der Hand fressen.

Den Nabu weiß die Lineg ebenso hinter sich wie die Stadt. Ganz ausrotten lasse sich die Unsitte des Fütterns wohl nicht, meinte gestern Bürgermeister Christoph Fleischhauer, weil das Füttern ein schönes "soziales Erlebnis" sei. Tim Hartmann findet es richtig, dass die Lineg sich an die Kinder wendet. "Die Omas und Opas sind unbelehrbar."

Vielleicht können die Mädchen und Jungen ihren Großeltern aber beibringen, dass sich altes Brot auch sinnvoll nutzen lässt: Zum Beispiel zum Backen von Armen Rittern. Ein Rezept steht auf der letzten Seite des Büchleins über Emma, die kleine blaue Ente.

(RP)