Kies: Landwirte beklagen Vernichtung von Nutzflächen

Umwelt am Niederrhein : Kies: Landwirte beklagen Vernichtung von Nutzflächen

(pogo) Gegen einen „zügellosen Flächenverbrauch“ hat sich die Kreisbauernschaft Wesel ausgesprochen. Anlass ist die geplante Verabschiedung des Landesentwicklungsplans am 10. Juli im Landtag sowie der darauf beruhende Regionalplan.

Die Landesregierung rücke von dem Ziel der Vorgängerregierung ab, nicht mehr als fünf Hektar Freifläche pro Tag zu verbrauchen. „Damit wird willfährig der Entzug von wertvollen landwirtschaftlichen Nutzflächen für Industrie und Gewerbe sowie Infrastruktur, also Straßenbau und Wohnprojekte, Vorschub geleistet“, heißt es in einer Erklärung der Kreisbauernschaft.

„Die Politik redet vom Wert der Heimat, steht aber nicht dazu“, beklagte Johannes Leuchtenberg, Vorsitzender der Kreisbauernschaft, gegenüber unserer Zeitung. Landwirten werde die Existenzgrundlage entzogen. „Wir sind um jeden Hektar Nutzfläche verlegen.“ Durch durch den Bau von Straßen, Gewerbegebieten oder Wohnhäusern gehe viel Fläche verloren. „Wir werden zweimal bestraft, weil auch Ausgleichsmaßnahmen auf Kosten unserer Nutzflächen gehen.“ Allein in Kamp-Lintfort sehe der Regionalplan 56 Hektar zusätzliche Gewerbefläche vor, in Moers 60, in Neukirchen-Vluyn 30 Hektar. Dazu kommen geplante Auskiesungsflächen: allein 91,7 Hektar im Wickrather Feld in Kamp-Lintfort. „Auf den Kreis Wesel bezogen, hat der Regionalplaner insgesamt 974 Hektar für die Dauer von 20 Jahren zu Auskiesungszwecken vorgesehen.“

„Ausgekieste Flächen sind für die Landwirte verloren“, gab Leuchtenberg zu bedenken. „Auf Wasser wächst kein Getreide und kein Brot.“ Er kritisierte: „25 Prozent der Kiesproduktion geht ins Ausland. Die Produktion ist also nicht bedarfsorientiert.“ 70 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen seien gepachtet – die Landwirte könnten sich deshalb kaum gegen Auskiesungen wehren. „Man lässt einfach den Pachtvertrag auslaufen.“ Leuchtenberg befürchtet auch, dass Landwirte sich vom „schnellen Geld“ blenden lassen und eigenes Land für Auskiesungen verkaufen. „Wir haben das Thema auf dem Schirm.“

Mehr von RP ONLINE