Meinung : Keine gute Idee

Kaum eine andere Geschichte hat in letzter Zeit für so viel Echo gesorgt wie jene über ein Werbeplakat für ein Geschäft in Schaephuysen. Dabei geht es um Fleisch – und um guten beziehungsweise schlechten Geschmack.

Liebe Mitmoerser, es kommt einem absurd vor angesichts der vielen großen und kleinen Probleme, über die wir täglich berichten. Fakt ist aber: Kaum eine andere Geschichte hat in letzter Zeit für so viel Echo gesorgt wie jene über ein Werbeplakat für ein Geschäft in Schaephuysen. Dabei geht es um Fleisch – und um guten beziehungsweise schlechten Geschmack. „Schön wie eine Frau. Schmeckt nur anders“, lautet der Slogan, mit dem Michael Franz für sein Geschäft wirbt. Zur Verdeutlichung hält der Steaklieferant ein rohes Stück Fleisch in die Kamera hält. Im Netz haben sich viele Menschen darüber beschwert – nicht nur auf Twitter, Facebook und Instagram, auch auf der Webseite Werbemelder.in, die sich gegen sexistische Werbung einsetzt, und beim deutschen Werberat. Und ja: Wer mit Werbung kalkuliert provoziert, wer Menschen bewusst herabsetzt und eine Frau mit einem Stück Fleisch vergleicht, hat nicht nur in Zeiten der „Me too“-Debatte keinen Extra-Öffentlichkeit durch Berichterstattung verdient. Wir haben uns als Redaktion trotzdem dazu entschieden, das, was für alle offensichtlich ist, aufzuschreiben und objektiv einzuordnen. Laut eigener Aussage wollte Franz keine Frau diskriminieren. Er habe bei dem Slogan auch nicht an sexuelle Handlungen gedacht, sagt der 38-Jährige. Das kann man glauben, oder auch nicht. In den sozialen Medien wurde die Werbung jedenfalls gelöscht, die Plakate bleiben bis zum Ende der Kampagne hängen. „Der Steaklieferant“ sei jetzt in aller Munde, aber nicht im positiven Sinn, sagt der Unternehmer selbst. Dem ist nichts hinzuzufügen.

julia.hagenacker@rheinische-post.de

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