Moers: Keine Angst vor großen Spinnen

Moers : Keine Angst vor großen Spinnen

Bei der Riesenspinnen- und Insektenausstellung im Enni-Sportpark Rheinkamp stand am Wochenende alles im Zeichen der Gliederfüßler. Rund 80 Glasterrarien zeigten die Lebensräume und Bewohner hautnah.

Kaum eine Tierart bereitet den Menschen mehr Unbehagen als Spinnen. Vielleicht gerade deswegen ist die Faszination für Arachniden so groß und Ausstellungen wie die von Renaldo Neigert so beliebt. Mit seiner Riesenspinnen- und Insektenausstellung ist der Bielefelder jedes Wochenende unterwegs und begeistert Jung und Alt mit seinen Spinnen, Skorpionen, Schaben, Schnecken und Schrecken. In Glasterrarien sind sie für Jedermann gut sichtbar und präsentieren sich in einem Umfeld, der ihrem natürlichen Lebensraum nachempfunden wurde. Allem voran stünden der pädagogische Wert, der diese Reise durch die Welt der Gliederfüßler mit sich bringe, und die Aufklärung.

Renaldo Neigert hat vor neun Jahren sein Hobby zum Beruf gemacht und ist seitdem mit seinem speziell angefertigten Insektenmobil jedes Wochenende in einer anderen Stadt. Seit mehr als 20 Jahren setzt er sich schon mit dem Thema Gliederfüßler auseinander: "Als ich 16 Jahre alt war, zog ein Freund von mir um und durfte seine Spinne nicht mitnehmen. Ich bekam sie geschenkt, und so begann die Leidenschaft. Ich wollte immer mehr über diese Tiere wissen und meine Sammlung an Exemplaren wuchs stetig an. Irgendwann hatte ich zu Hause keinen Platz mehr, und die Idee für die Ausstellung entstand. Auch um der ganzen Sache einen größeren Sinn zu geben: Ich möchte den Menschen die Angst vor Spinnen nehmen, in dem ich sie über die Unbedenklichkeit aufkläre."

Doch bevor die Spinnen anderen Menschen vorgestellt werden konnten, musste der Spinnen- und Insektenenthusiast zwei Jahre zur Schule gehen und eine Abschlussprüfung im Tiergarten in Nürnberg unter der Aufsicht des Veterinärsamts machen. Damit hatte er die sogenannte "Paragraph-Elf-Erlaubnis", die es ihm ermöglicht minder gifte Spinnen und Insekten, das heißt solche, die für den Menschen nicht gefährlich sind, ausstellen zu dürfen. Im Vorfeld war auf Plakaten mit Riesenspinnen, allen voran der größten unter ihnen, der Terapohsa blondi, die bis zu 25 Zentimeter groß werden kann, geworben worden. Auf Hinweisschildern neben den Terrarien finden Besucher alles Wissenswerte über die Familie, Heimat, Nahrung und Haltung der achtbeinigen "Tierchen", die mit ihren zum Teil außergewöhnlichen Färbungen und interessanten Spinnennetzen auf große Augen stoßen.

Für den Veranstalter ist allerdings der Dämon Diadema besonders sehenswert: "Es ist eine Mischung aus Skorpion und Spinne. Er hat Scheren wie ein Skorpion, läuft aber seitwärts wie eine Krabbenspinne und hat auch die Beine seitlich angebracht. Trotzdem zählt man ihn zu den Spinnentieren. Das finde ich sehr faszinierend. Aber so richtig möchte ich mich gar nicht festlegen, welches Tier ich am besten finde - es gibt so viele davon! Und jede Art hat ihr eigenes Verhalten, was man ich mir gerne anschaue."

Hier sehen Sie die häufigsten Spinnenarten Deutschlands.

Die vorgestellten Tiere waren am Wochenende allerdings nur ein kleiner Teil des fahrenden Terrazoos von Renaldo Neigert. "Hier in Rheinkamp habe ich leider nur die Möglichkeit, 80 Terrarien auf rund 200 Quadratmetern aufzubauen. Sonst sind es meistens 1000. So habe ich gar nicht die Möglichkeit, meine Radnetzspinne und ihr außergewöhnliches Netz zu zeigen, die ein sehr großes Terrarium benötigt. Alleine die Familie der Vogelspinnen zählt 900 Arten und ständig werden neue entdeckt. Die Vielfalt ist derart groß, dass ich diese natürlich nicht auf so kleinem Raum widerspiegeln kann. Trotzdem versuche ich, Menschen, die noch nie eine so große Spinne gesehen haben, die Berührungsangst zu nehmen und Vorurteile zu beseitigen."

(lcon)
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