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Kein Prinzenpaar in der Grafschaft: Die etwas andere Karnevalssession

Kein Prinzenpaar und keine Züge? : Die etwas andere Karnevalssession

Die Feste und Veranstaltungen der Karnevalsvereine fallen zurzeit aus. Der Kulturausschuss Grafschafter Karneval stellt keine närrischen Regenten für die nächste Session. Noch offen ist, ob am 13. Februar ein Nelkensamstagszug durch Homberg und Moers rollt.

Das Osterfeuer der Narrenzunft Homberg fiel aus. Das Fest des Musikzugs Blau-Weiß Asberg, der das Prinzenpaars begleitet, findet am 1. Mai nicht statt. Dieses ist das erste große Sommerfest der Karnevalsvereine zwischen Homberg, Neukirchen-Vluyn und Kamp-Lintfort. Doch in diesem Jahr feiern die Narren nicht außerhalb der Session. Außerdem hat der Kulturausschuss Grafschafter Karneval entschieden, in der Session 2021/2022 weder ein Prinzenpaar, noch ein Kinderprinzenpaar zu proklamieren.

„Der Vorstand des KGK hat schon vor vier Wochen einmütig beschlossen, dass wir in der kommenden Session keine Prinzenpaare stellen werden“, heißt es in einem Schreiben, das in der vergangenen Woche allen Karnevalsvereinen des Kulturausschusses zuging. „Wir halten das finanzielle Risiko für untragbar, dass hier Orden und Kostüme bestellt und Vorbereitungsarbeit geleistet wird, um unter Umständen bei keiner Veranstaltung auftreten zu können. Und genau danach sieht es derzeit aus.“

Als zum 23. März das Kontaktverbot in Kraft trat, hat sich bereits KGK-Präsident Hansi Kitzhofer mit seinen Vorstandsmitgliedern zu einer Videokonferenz getroffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. „Es ist für uns heute nicht vorstellbar, dass wir im November dieses Jahres in Gaststätten oder anderen Veranstaltungsräumen zusammensitzen und den Hoppeditz erwachen lassen, und wenn doch, dann nur mit vielleicht 30 oder maximal 50 Personen“, sagt der Präsident. Er fragt: „Möchtet Ihr dann mit Mundschutz zu viert an einem Zehnertisch sitzen und Helau ausrufen? Schunkeln dürfte so wohl gänzlich unmöglich sein. Und dass aus dem Bützen nichts wird, versteht sich von selbst.“

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Ob es am 14. November ein Hoppeditzerwachen in der Rheinkamper Kulturhalle geben wird, das in Jahren ohne Prinzenpaar die Proklamation ersetzt, lässt der Kulturausschuss noch offen. „Wir wollen abwarten, vielleicht bis nach den Sommerferien“, sagt Kitzhofer. Auch offen lässt der Kulturausschuss, ob am 13. Februar 2021 in Homberg der Nelkensamstagszug startet. „Wir sind der Meinung, dass sich eine einschneidende Wendung im kommenden Jahr in den ersten beiden Monaten nicht ergeben wird“, heißt es in dem Schreiben an die Mitgliedsvereine. Trotzdem hat der Kulturausschuss die Planungen für den Nelkensamstagszug begonnen. „Absagen ist leichter als ohne Vorplanung zu zusagen“, sagt der Präsident.

Hans-Peter Peißer, Präsident des Karnevalskomitees Kolping und Geschäftsführer des Festausschusses Kamp-Lintforter Karneval: „Eine Entscheidung hat bis Ende Juni zu fallen. Spätestens dann werden die Orden für die Session bestellt. Wir haben uns im KK Kolping noch nicht besprochen, wie wir es im Karnevalskomitee handhaben wollen. Mit großen Abständen zueinander lässt sich nicht wirklich Karneval feiern.“ Vielleicht sei es am besten, die Session 2020/2021 ausfallen zu lassen. „Dann merken alle, wie schön Karneval ist und alle freuen sich umso mehr auf die Session 2021/22. Dann läuft auch wieder der Rosenmontagszug durch Kamp-Lintfort, wie alle zwei Jahre.“

Astrid Fibich hat bei ihrer Stellungsnahme die Garden im Blick. Die Geschäftsführerin der Karnevalsgesellschaft Blau-Weisse Funken Neukirchen-Vluyn sagt: „Die Vorbereitung für die neue Session beginnt, wenn die alte vorbei ist, zum Beispiel beim Tanzen. Zurzeit dürfen unsere Garden nicht trainieren. Sie könnten in der kommenden Session nur ihre alten Tänze zeigen, zum Beispiel bei der Ordensmatinee. Mit der starten wir traditionell in die Session.“ Wie das gehen soll, weiß noch niemand. „Bei den heutigen Abstandregeln könnten wir nur unsere Mitglieder zur Ordensmatinee in die Kulturhalle einladen. Wir hoffen, dass bis zum Start der Session die Regeln gelockert werden.“

Und es gibt einen weiteren Aspekt, der nicht so wie geplant durchführbar ist. Nach der Karnevalssession 2020/21 sollte der Vorstand des Kulturausschusses Grafschafter Karneval in diesem Frühjahr neu gewählt werden. Da eine Neuwahl in der Coronazeit nicht möglich ist, amtiert er ein weiteres Jahr. Das ist durch eine Gesetzesänderung des Bundes möglich. Präsident bleibt Hansi Kitzhofer, Vizepräsident Rainer Fischer, Vizepräsident Joachim Fenger, Geschäftsführer Enno Kramer und Schatzmeisterin Erika Buchholtz. „Wir vom KGK bleiben also weiterhin für Euch im Amt und werden versuchen, die Dinge bestmöglich für uns alle zu regeln“, schreibt der Vorstand an seine 25 Mitgliedsvereine.

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