Moers: Kaufmann erinnert an die Vielfalt im Judentum

Moers : Kaufmann erinnert an die Vielfalt im Judentum

Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit lud zum einem Vortrag ein. Referent Uri-Robert Kaufmann behandelte das Thema "Vielfalt im Judentum" .

"Auch wenn die jüdische Gemeinde heutzutage klein ist, ist dennoch die Vielfalt der prägende Faktor ihres Lebens", sagte Uri-Robert Kaufmann bei seinem Vortrag. Der Schweizer hat von 1977 bis 1983 an der Hebräischen Universität Jerusalem seinen Abschluss erworben und in Zürich promoviert. Weitere Projekte mit dem Schwerpunkt "Jüdische Sozialgeschichte Mitteleuropas" folgten, bis er 2011 zum Leiter der Alten Synagoge Essen ernannt wurde. Er ist somit Nachfolger der mit Moers verbundenen Judaistin Edna Brocke.

Für den 60-Jährigen ist die Vielfalt eine Konstante in der Geschichte des Judentums, die schon im Mittelalter begann. Damals unterschieden sich die Aschkenasim von den Sfaradim, die aus dem arabischen Andalusien stammten. Im 18. Jahrhundert entstand eine mystische Strömung, die Chassidismus genannt wurde und den Misngadim als Gegenspieler hatte.

"Dagegen formulierte Moses Mendelssohn in Berlin zwischen 1743 und 1786 ein aufklärerisches Programm, das danach die in den 1840er Jahren entstehenden modernen religiösen jüdischen Strömungen für sich in Anspruch nahmen: Die moderne Orthodoxie, die positiv-historische Richtung und die religiös-liberale", erklärt Uri-Robert Kaufmann.

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Auch heute seien diese Strömungen noch im Gedankengut und Lebensstil der Juden zu finden. Insgesamt ist die Vielfalt der Lebensentwürfe groß: In Amerika zum Beispiel sind Frauen in den meisten jüdischen Gemeinden gleichberechtigt und können sogar Rabbinerinnen und Kantorinnen werden. Dies ist in Deutschland nicht möglich, auch wenn die Zahl an liberalen Juden weiter steigt.

Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit will ein neues Verständnis zwischen Juden und Christen entwickeln, das Fortbestand hat und wachsen kann. Sie möchte erreichen, dass Menschen mit den verschiedensten ethnischen Hintergründen miteinander reden und voneinander lernen. Aus diesem Grund veranstalten sie immer wieder Aktionen, die eine große Außenwirkung haben.

Eine davon ist die Verlegung der Stolpersteine in Moers. Zusammen mit dem Verein "Erinnern für die Zukunft" wurden in den vergangenen fünf Jahren rund 80 Gedenksteine verlegt, die zum einen an die Opfer des Nationalsozialismus in Moers erinnern sollen und zum anderen ein Mahnmal gegen Diskriminierung in der heutigen Zeit darstellen.

(lcon)
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