Rheurdt: Karnevalskrise: Rheurdt sagt Sitzung ab

Rheurdt : Karnevalskrise: Rheurdt sagt Sitzung ab

Die Nachfrage nach den Karten ist zu gering. Andere Gesellschaften machen ähnliche Erfahrungen.

Das ist eine böse Überraschung für Karnevalsfreunde in Rheurdt: Der "Kleenfastelovend" in der Gemeinde, der zwei Jahrzehnte lang immer ein volles Haus hatte, fällt in diesem Jahr aus. Der Grund: zu wenig Interesse aus der Bevölkerung. "Weil der Kartenabsatz im Vorverkauf zu niedrig war, ist zu erkennen, dass aufgrund der fehlenden Einnahmen die Kosten für diese Veranstaltungen nicht gedeckt werden können", teilt Klaus Kleinenkuhnen mit.

Der Bürgermeister gehört zum fünfköpfigen Organisationsteam, zusammen mit dem Festwirt Wilfried Gilbers, Elsbeth Müller, Peter Bolten und Ulrich Leurs. Sie mussten überrascht feststellen, dass der Kartenverkauf für die beiden Veranstaltungen am 17. und 18. Februar äußerst schleppend verlief. "Für die Sitzung am Freitag gibt es noch unverkaufte 100 Karten, für die am Samstag sind es immerhin noch 76", zählt Klaus Kleinenkuhnen auf. Doch um die Kosten wieder reinzubekommen, müssten schon alle 192 Plätze besetzt sein. Die Musik - inklusive der Gebühren für die Gema und die Security-Kräfte, das alles schlägt zu Buche. Zudem erhalte jeder Teilnehmer auf der Bühne zehn Euro.

Unterm Strich bedeutet das für jede Sitzung rund 3000 Euro Ausgaben. "Auch der Festwirt muss schauen, dass er seine Kosten wieder reinholt", erklärt der Bürgermeister. "Er muss sich um die Bestuhlung kümmern." Die Bühne selbst werde durch die Karnevalisten aufgebaut.

Doch wie kommt es, dass die bislang so beliebte Veranstaltung in diesem Jahr deutlich weniger Menschen anzieht? "Ein Grund ist die veränderte Feierkultur", meint Kleinenkuhnen. Schon bei den jüngsten Sitzungen habe man gemerkt, dass die Leute sich eher auf ihre eigene Partyfreude im Saal konzentrierten als auf das Programm auf der Bühne. Und außerdem fehle es dem Programm, das bei der diesjährigen Sitzung aus elf Nummern bestehen sollte, an Nachwuchskräften.

"Für die Aktiven, die sich seit Monaten auf diese Termine vorbereitet haben, ist das natürlich bitter", meint Kleinenkuhnen. Aber man habe rechtzeitig die Reißleine ziehen müssen, denn wäre eine Stornierung der beiden Sitzungen nicht mehr möglich gewesen. Leider muss so auch der karnevalistische Seniorennachmittag ausfallen, denn der fand auch in der umgerüsteten Turnhalle statt.

Sind die Rheurdter und Schaephuysener also für Karnevalssitzungen nicht mehr zu haben? Nicht unbedingt, meint Kleinenkuhnen. Denn für die Veranstaltung "The Best of . . ." in Schaephuysen seien, soweit er gehört habe, innerhalb von acht Minuten alle Karten verkauft gewesen.

Diesen Trend bestätigen Karl-Heinz Ranft und Manfred Dürig vom Kulturausschuss Grafschafter Karneval. "Die kleineren Veranstaltungen, besonders Karnevalsfeiern in den Pfarreien, sind noch gut besucht, aber es wird zunehmend schwer, große Säle zu füllen", erklärt Ranft. "Bei den Pfarrveranstaltungen stehen auch eher die Personen und Begebenheiten aus den Gemeinden im Mittelpunkt." Manfred Dürig ergänzt: "Klassische Programmpunkte wie Büttenreden kommen beim Publikum nicht mehr so gut an wie früher. Es geht vor allem den jüngeren Besuchern darum, Party zu machen."

Die bereits gezahlten Eintrittspreise für die Karten werden zurückerstattet, und zwar am kommenden Sonntag, 29. Januar, in der Zeit von 11 bis 12 Uhr in der Gaststätte "Zur Mühle", Moränenstraße.

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(s-g)
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