Karl Jansen aus Moers Seit 65 Jahren Malermeister

Moers · Karl Jansen ist mit dem eisernen Meisterbrief ausgezeichnet worden. Für Moers spielte seine Arbeit eine besondere Rolle. Welche bekannten Gebäude er als Malermeister verschönert hat.

 Besondere Auszeichnung: Malermeister Karl Jansen (l.) nimmt den eisernen Meisterbrief von Kreishandwerksmeister Günter Bode entgegen.

Besondere Auszeichnung: Malermeister Karl Jansen (l.) nimmt den eisernen Meisterbrief von Kreishandwerksmeister Günter Bode entgegen.

Foto: Kreishandwerkerschaft Wesel

Karl Jansen hat noch den Original-Meisterbrief seines Vaters vom 3. Mai 1927 in seinem Büro hängen; ausgestellt von der Handwerkskammer Düsseldorf. Jetzt hält der 90-Jährige einen anderen Meisterbrief in seinen Händen: seinen eisernen – 65 Jahre nach seiner bestandenen Prüfung. Überreicht wurde die Auszeichnung jetzt von  Günter Bode. Für den Kreishandwerksmeister war es der bislang erste eiserne Meisterbrief überhaupt, den er übergeben durfte.

Der gebürtige Homberger Karl Jansen begann seine Malerlehre im Alter von 14 Jahren im Betrieb der Großeltern in Homberg an der Hafenstraße. Während seiner Gesellenzeit arbeitete er zunächst weiter im nun elterlichen Betrieb und später bei Malerbetrieben im heutigen Duisburg, um später den Betrieb von seinem Vater zu übernehmen. Der Malermeister weiß noch von seinen Anfängen als Geselle zu berichten.

In den 1950er Jahren gab es kaum Firmenfahrzeuge in den Handwerksbetrieben und im elterlichen Betrieb, da damals nur wenige einen Führerschein besaßen, geschweige denn sich ein Transportfahrzeug leisten konnten. Die Maler hatten damals große einachsige, flache Karren, circa 1,5 mal drei Meter groß, mit großen eisenbeschlagenen Holzrädern, auf die die Farbeimer, Leitern und Pinsel geladen wurden. Mit diesen, man würde heute ‚Firmenwagen‘ sagen, ging es dann von Hand geschoben von der Werkstatt in Homberg bis zu den Baustellen in die Umgebung, nach Hochheide und Ruhrort. Nachdem Jansen einen Führerschein hatte, war viel Überzeugungsarbeit nötig, den Vater und Firmeninhaber vom Kauf eines Transporters zu überzeugen. Das Neufahrzeug, ein Fiat 500 Kombi, wurde dann in Moers an der Wilhelm-Schröder-Straße für 3900 D-Mark gekauft. Der Dachgepäckträger für die Leitern kostete noch einmal 300 Mark. Später wurde dann ein größerer Opel-Kombi beschafft, weil die Kapazitäten schnell nicht mehr ausreichten. Heute gibt es einen ganzen Fuhrpark aus Transportern.

Nachdem Jansen seinen Meisterkursus in Rheinhausen und Moers absolviert hatte, bestand er im Alter von 25 Jahren am 3. Juli 1957 seine Meisterprüfung in Düsseldorf, fast genau 30 Jahre nach seinem Vater. Jansen zog 1965 mit seiner Frau und fünf Kindern nach Moers, wo er den Betrieb weiterführte. Zunächst mit einem kleinen Büro im Keller und später mit neu gebautem Büro und Werkstatt.

Während anfänglich überwiegend Privatleute zu seinen Kunden zählten, arbeitete Karl Jansen später jahrelang auch für die Stadt Moers, den Kreis Wesel und diverse Wohnungsbaugesellschaften in Moers und Umgebung und sogar bis nach Bonn. In einem Zeitungsartikel von 1978 ist Jansen bei der Arbeit in einem Klassenzimmer abgebildet. Schon damals ging der Malermeister in die Moerser Schulen, und zwar, um diese in den Ferien bis zum Schulbeginn zu renovieren.

Aber auch bekannte Moerser Gebäude wie das Textilgeschäft Carl Schultze am Altmarkt, in dem heute das ‚Café Extrablatt‘ zu Hause ist, wurden von Jansen und seinen Mitarbeitern verschönert. In Spitzenzeiten hatte der Malerbetrieb bis zu zehn Mitarbeiter. Weil dem Moerser Malermeister auch die Belange junger Menschen wichtig sind, konnten immer wieder auch Jugendliche aus dem Jugenddorf Niederrhein praktische Erfahrungen in seinem Betrieb sammeln.

Bis zu seinem 80. Geburtstag hatte der Handwerksmeister seinen Betrieb in Moers angemeldet und bis zum Schluss noch kleinere Aufträge bei Privatkunden erledigt –  weil ihm sein Handwerk einfach Spaß macht.

Heute kann der 90-Jährige stolz auf sein Lebenswerk zurückblicken. Das Malerhandwerk hat in der Familie Jansen eine lange Tradition. Der erste Betrieb wurde von seinem Ur-Großvater bereits vor 1898 gegründet. Auch sein Sohn Dieter Jansen konnte bei seinem Vater seine Lehre absolvieren und später seine Prüfung als vierter Maler- und Lackierermeister in Folge ablegen. Er ist außerdem geprüfter Restaurator im Maler- und Lackiererhandwerk und von der Handwerkskammer Düsseldorf öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger.

Dieter Jansen führt heute den Betrieb in Neukirchen-Vluyn und ist zurecht stolz auf seinen Vater und die Malertradition in der Familie.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort