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Unsere Woche: Kandidat - ganz nah

Unsere Woche : Kandidat - ganz nah

Mit einem deutlichen Signal hat der CDU-Kandidat für den Wahlkreis Moers und Neukirchen, Ingo Brohl, den Landtagswahlkampf eröffnet. Pünktlich zum Jahresbeginn hat er eineHomepage vorgestellt, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat - und dies in zweierlei Hinsicht. Zum ersten ist die Seite hochprofessionell gemacht. Daneben verblasst der gewiss nicht schlechte Internet-Auftritt des SPD-Mitbewerbers Ibrahim Yetim wie eine Lösung aus der SPD-Konventions-Schublade.

Zum zweiten setzt kein Politiker aus der Regionim Wahljahr 2017 so konsequent auf seine Persönlichkeit und rückt sein familiäres Umfeld in den Mittelpunkt.

Das ist nicht ohne Gefahren. SPD-Bürgermeister Norbert-Ballhaus etwa spannte seinerzeit seine Kinder vor den Wahlkampfkarren. Der Schuss ging nach hinten los und Ballhaus erlitt eine krachende Niederlage.

Brohl weiß das: In seinem Internet-Familienalbum sucht man vergeblich nach Bildern seiner Kinder. Stattdessen gibt's Ingo in allen Varianten: als Familienvater, Basketballer, als Baby, Schuljunge, Jüngling und - irgendwo mittendrin - gemeinsam mit Angela Merkel als Staatsmann.

Das ist schon ziemlich genial: Denn Yetim kann nicht auf gleiche Weise kontern: Weder seine türkischstämmige Herkunft, noch sein Geburtsort Dinslaken oder sein Werdegang als Bergmann taugen dazu, Moerser oder Neukirchener außerhalb des SPD-Kernwählerstammes anzusprechen. Obwohl er im persönlichen Umgang mindestens so gewinnend sein kann, wie Brohl, kann er daraus medial weniger Profit schlagen.

Yetim muss daher auf eine Auseinandersetzung in Sachthemen setzen. Damit aber lassen sich, wie Wahlen zuletzt weltweit gezeigt haben, Wähler weniger überzeugen als mit einem starken Persönlichkeitswahlkampf. Zudem wird Brohl ganz gut damit leben können, dass Yetim auf seiner Homepage etwa ein Video mit einer Rede über die doppelte Staatsangehörigkeit stehen hat.

Trotzdem muss Brohl nun auch inhaltlich Akzente setzen. Ein Anfang ist gemacht: Seit kurzem findet sich auf der Homepage neben dem Familienalbum auch ein Button mit dem Hashtag "Ganz meine Meinung". Darunter sind, Stand gestern, aber nur drei Beiträge abgelegt. Das muss und wird mehr werden.

Will man ein erstes Fazit in der Basketballer-Sprache ziehen, lässt sich feststellen: Brohl hat noch nicht gepunktet, den Sprungball hat er aber schon mal klar gewonnen.

Ein schönes Wochenende! juergen.stock@rheinische-post.de

(RP)