Kamera läuft: Filmdreh im Bollwerk 107 in Moers.

Kultur in Moers : Kamera läuft: Filmdreh im Bollwerk 107

Unter der Leitung von Hans Lietz drehen zwölf junge Frauen im Alter zwischen 15 und 21 Jahren einen Kurzfilm im Jugendkulturzentrum Bollwerk 107. Drehbuch, Kulissenbau, Beleuchtung, Ton und Schauspielerei inklusive.

Eine bunt geschmückte Palme und rosa Flamingos, eine mannshohe Pappmaché-Rakete und ein Industrieschornstein mit weißem Wattequalm, dazu von der Decke baumelnde Kugeln, die Planeten darstellen sollen. All das ist zurzeit auf der Bühne und im Saal des Moerser Jugendkulturzentrums „Bollwerk 107“ zu sehen. Der Grund dafür ist ein Filmprojekt namens „Bollwerkwood“, an dem seit Montag zwölf junge Frauen im Alter zwischen 15 und 21 Jahren arbeiten. Unter der Leitung von Lehramtsreferendar Hans Lietz soll dabei ein knapp fünfminütiger Film entstehen, der nächste Woche Freitag, 30. August, ab 18 Uhr im „Bollwerk“ interessierten Besuchern in einer öffentlichen Vorstellung gezeigt wird.

Fünf Tage für die Entstehung eines Kurzfilms ist nicht viel Zeit, zumal die jungen Filmemacherinnen dabei von der Handlungsidee über das Drehbuch, den Kulissenbau, die Schauspielerei, die Beleuchtung und den Ton bis hin zum abschließenden Schnitt alles selber bewältigen müssen. „Das ist ja der Sinn des Ganzen“, erklärt Hans Lietz. „Durch das Selbermachen sollen die Teilnehmer zum einen in ihrer Medienkompetenz gestärkt und zum anderen mit den in der Branche möglichen Berufen bekannt gemacht werden.“ Er selber hat seine Filmerfahrungen auf eine ähnliche Weise durch die langjährige Teilnahme an dem vom städtischen Jugendamt veranstalteten, alljährlichen „Spontanfilm-Festival“ gewonnen, bei dem sogar nur 24 Stunden für den Dreh eines Kurzfilms zur Verfügung stehen. In diesem Fall hatte sich die „Bollwerkwood“-Truppe am Montag um 10 Uhr morgens zum ersten Mal getroffen und zunächst gemeinsam die Grundidee für den Film entwickelt.

Dabei hatten sowohl die Räumlichkeiten als auch einige bereits vorhandene Kulissen, wie zum Beispiel die mannshohe Pappmaché-Rakete, die rosa Plastik-Flamingos, vor allem aber die im Saal befindliche Bar die wesentlichen Anregungen gegeben. „Unser Film beginnt damit, dass eine Frau an der Bar über ihre Ansichten von einer schönen und einer hässlichen Welt spricht, was dann in den jeweiligen Kulissen schauspielerisch dargestellt wird“, beschrieb die 20-jährige Noemi Baumann am Donnerstag die von der Gruppe entwickelte Filmgeschichte.

Sie hatte sich zu dem Filmprojekt angemeldet, weil sie in Kürze Kunst und Theaterwissenschaften studieren will und so schon mal ein paar „praktische Erfahrungen“ zu sammeln hoffte. Es war ihre erste Teilnahme an einem derartigen Filmprojekt. „Ich habe das unterschätzt, was da so alles bei der Produktion eines Filmes anfällt. Wie viele Einstellungen bisweilen für eine einzige Szene notwendig sind“, gestand sie. Auch Philo Kaesmacher war neu dabei. Die 16-jährige Schülerin hatte eine der Schauspielrollen übernommen. Weil sie das am „interessantesten“ fand, Die gleichaltrige Judith Oppenheim hatte dagegen schon beim letztjährigen „Bollwerkwood“-Projekt vor der Kamera gestanden und wollte diesmal lieber dahinter im Tonbereich mitarbeiten.

Wie immer hatte auch der Donnerstag mit einem gemeinsamen Gruppenfrühstück begonnen, um die für diesen Tag geplanten Aktivitäten miteinander abzusprechen. „Ich denke, wir drehen heute die Szenen an der Bar“, schlug Hans Lietz dabei vor. „Dazu müssen wir aber einmal ein paar Belichtungsproben machen. Ist das ok?“ Die Teilnehmerinnen nickten. „Na dann los!“ Wenig später hatte sich die Gruppe bis auf Leonie Keil vor der Bar versammelt. Die 20-jährige angehende Informatik- und Mathematik-Studentin ist während der Dreharbeiten für die korrekte Bedienung und Beschriftung der Szenenklappe zuständig und wird den Film zum Schluss schneiden helfen. „Ich finde das Ganze hier sehr kreativ“, erklärte sie. „Das macht mir Spaß, weil man sich dabei so richtig krass austoben kann.“

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