Kamp-Lintfort: Jungen und Mädchen lernen Berufe kennen

Kamp-Lintfort : Jungen und Mädchen lernen Berufe kennen

Erste Berufsorientierung bot gestern der bundesweite Girl's Day und Boy's Day. Angebote wurden landauf, landab gut genutzt, um Einblicke in frauen- und männertypische Berufe zu bekommen.

Der Berufsorientierungstag, so die deutsche Bezeichnung, hat mittlerweile Tradition und ermöglicht jungen Menschen der Klassen fünf bis zehn erste Kontakte zu frauen- und männertypischen Berufen. An der Hochschule Rhein-Waal in Kamp-Lintfort ist Tammy Schmack Organisatorin. Die Besonderheit am Hochschulstandort ist, "dass wir zum wiederholten Mal für Jungen und Mädchen der umliegenden Schulen diese Veranstaltung anbieten", sagt sie.

Im Klartext: Schüler bekamen Einblicke in die eher typisch weiblichen Fächer Design und Psychologie. Im Studium und Berufsalltag haben sie einen 80-prozentigen Frauenanteil. Die teilnehmenden Mädchen hingegen hatten Kontakte zur Naturwissenschaft, ein eher männliches Berufsfeld. Fünft- und Sechsklässlerinnen waren den Regenwürmern auf der Spur. Ältere Schülerinnen beschäftigten sich mit dem Thema Trinkwassergewinnung. Nach den Erfahrungen aus den vergangenen Jahren ist das anschließende Workshop-Angebot begrenzt, "weil wir die Teilnehmer überfordern", sagt Tammy Schmack.

Weitere Erfahrung: Für Mädchen wird mittlerweile viel getan, um ihnen berufliche Chancengleichheit zu bieten. "Wir müssen uns um die Jungen kümmern, die unsere Unterstützung brauchen", sagt Tammy Schmack und weist auf die Teilnehmerrunde von 70 Jungen und 23 Mädchen am Hochschulstandort hin.

In den anschließenden Workshops ging es dann um innovative Geschäftsideen und ihre Umsetzung, wie beispielsweise die Entwicklung von neuen Smart-Phon-Apps oder klassische Dienstleistungen. Schmack: "Da ist große Begeisterung spürbar, vor allem, wenn junge Menschen rechts und links von frauen- oder männertypischen Berufen schauen und dabei für sich eigene Perspektiven entdecken." Die Veranstaltung ist für sie sinnvoll, "weil wir bei jungen Menschen Hemmschwellen nehmen und uns als Hochschulstandort profilieren."

Nur einige Meter weiter schrauben im Kommunalen Rechenzentrum (KRZN) Schülerinnen Computer auseinander. "Cool" finden das Rebecca Kübel (13) und Katharina Nohner (14). "Schade, dass ich nicht an der Schule Informatik gewählt habe", bedauert die Schaephuysenerin. Einige Räume weiter gibt Klaus Singer, Anwendungsentwickler im KRZN, acht weiteren Teilnehmerinnen Einblicke in die Welt der Programmierung. Bisher hat das KRZN immer am Girl's Day teilgenommen. "Wir geben jungen Mädchen im KRZN Einblicke in verschiedene Berufsbilder der IT-Welt", sagt Gleichstellungsbeauftragte Frauke Kukosche.

Das KRZN in Kamp-Lintfort hat rund 27 Prozent weibliche Belegschaft. Den Blick in Handwerk ermöglichte in Moers der Internationale Bund, der berufsvorbereitend arbeitet. In Gewerke wie Tischlerei, Schlosserei, Malerei und Gärtnerei schnupperten 30 Mädchen zwischen zwölf und 16 Jahre. Als gelungen und einen Gewinn für beide Seiten bezeichnete Koordinatorin Jasmin Rhiemeier die Aktion. "Wir konnten uns und das Handwerk beim beruflichen Nachwuchs vorstellen." Auch Enni und andere Unternehmen nahmen teil.

(sabi)
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