Moers: Junge Komponisten für Moers

Moers : Junge Komponisten für Moers

Eine Festivalband spielte die Stücke der "Composer Kids".

Auf Friedrich Tepperts Gesicht liest sich keine Spur von Lampenfieber. Gelassen tritt der Zehnjährige aus Willich vor die siebenköpfige Festivalband, zählt an: "Ein, zwei, drei, vier", bewegt lässig die Arme und die Musik setzt ein. Auf die hellen, schmeichelnden Töne des Klaviers und des Vibraphons, folgen kurze, prägnante Töne der Bassklarinette. "Prego", italienisch für "Bitte", heißt das Stück, das Friedrich selbst komponiert hat. Das Moers Festival hatte junge Komponisten aufgefordert, eigene Stücke einzureichen.

"Das Klavier und das Vibraphon stellen die Bitte dar, die immer wieder vom Nein der Bassklarinette abgeschmettert wird", wird Friedrich später erklären. In diesem Moment vor Publikum wartet er auf seinen besonderen Einsatz: In der Mitte des Stückes zeigt er der Band mit einer Armbewegung an, dass sie den Ton so lange wie möglich aushalten soll. "Fermate nennt man das. Darüber habe ich viel in meinen Lehrbüchern gelesen und wollte es unbedingt in mein Stück einbauen", sagt Friedrich später. Der Applaus der Zuschauer lässt nicht lange auf sich warten.

Dass Friedrich der jüngste Nachwuchskomponist ist und der einzige, der sein Stück selbst dirigiert, kommt gut an. Aber auch "Sibirischer Winter" von Jana Poos (17) macht Eindruck auf das Publikum. Eigentlich hat die junge Frau aus Süchteln das Stück für die Harfe geschrieben, die sie selbst seit vielen Jahren spielt. "Da gibt es so einen bestimmten Effekt, Flageolett heißt er, bei dem man den Ton einer Harfe mit dem Daumen dämpft. Diese Spieltechnik hat Emilio Gordoa am Vibraphon mit einem Geigenbogen auf die Schnelle gelernt, damit er ihn imitieren konnte. Total cool", sagt die 17-Jährige. Zum "Sibirschen Winter", der sehr sehnsuchtsvoll und nostalgisch klingt, inspirierte sie der Schneesturm vor den Osterferien. "Es war plötzlich wie im tiefsten Winter, melancholisch, und dann machte das gute Wetter, das folgte, wieder Hoffnung. Das zeigt die fröhliche Klaviermusik am Ende."

(jma)
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