Junge aus Moers lebensgefährlich verletzt: "Eine richtige Schweinerei ist sowas"

Messerangriff in Moers: "Eine richtige Schweinerei ist sowas"

Ein 13-Jähriger ist am Donnerstag in Moers-Meerbeck niedergestochen worden. Die grausame Tat ereignete sich offenbar auf dem Schulweg, die Täter sind noch auf der Flucht. Ein Stadtteil ist in Aufregung.

Ein bisschen gruselig ist er am Donnerstag schon, dieser Alltag, um halb zwölf, Ecke Jahnstraße/Zwickauer Straße, vier Stunden nach dem Angriff. Gleich wird hier die Dönerbude öffnen, der Spieß brutzelt schon an der Stange, nebenan beim Friseur trocknen drei Köpfe unter der Haube und im Gasthaus zapft man das erste Bier. Meerbeck lebt. Man grüßt sich, die Leute plaudern viel — nur kaum über das, was hier am frühen Morgen passiert ist.

Erst als die Spurensicherung mit einer Hundestaffel auftaucht, um nach den Blutflecken zu suchen, macht die schreckliche Nachricht langsam die Runde: Ein 13-jähriger Junge soll auf offener Straße mit einem Messer attackiert und dabei lebensgefährlich verletzt worden sein. Da waren die Geschäfte noch zu, das Viertel, dass die Polizei später als eine Lebensader von Moers beschreibt, weitgehend unbelebt.

Das sagen Anwohner

Die Polizei geht davon aus, dass der Junge, ein Iraker, der erst seit kurzem mit seiner Familie in Moers lebt, auf dem Schulweg angegriffen wurde. Um 7.30 Uhr sollen ein oder mehrere Unbekannte mit einem Messer auf den 13-Jährigen eingestochen haben. Daraufhin flüchteten die Täter. Der Junge erlitt schwere Verletzungen. Laut Polizei habe er noch nach Hause laufen und den Notruf wählen können. Wie Anwohner erzählen, sei die Tat wohl unmittelbar in der Nähe eines Mehrfamilienhauses geschehen, offenbar der Wohnung des Opfers. Ein Rettungswagen brachte den Jungen anschließend ins Krankenhaus. Er musste sofort operiert werden und schwebt noch in Lebensgefahr. Sein Zustand ist derzeit stabil. Die Hintergründe der Tat sind bisher noch völlig unklar.

Bis zum Mittag hat die Polizei Hausbefragungen durchgeführt, Mitarbeiter der Spurensicherung untersuchten die Straßen rund um den Tatort. "Ich wohne jetzt seit 35 Jahren hier und sowas ist noch nie passiert", erzählt ein Anwohner. Hin und wieder sei in der Straße eingebrochen worden, aber ein Messerangriff auf ein Kind, das sei neu. "Eine richtige Schweinerei ist sowas", sagt er. Ein anderer Mann, der ganz in der Nähe ein Geschäft führt, sagt: "Hier kennt jeder jeden, wie in einem kleinen Dorf. Solche Dinge passieren hier nicht."

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Meerbeck - Stadtteil mit Problemen

Meerbeck ist eine von vielen kleinen Zechenhäusern geprägte ehemalige Bergarbeiter-Siedlung. Rund 9000 Einwohner leben dort, davon sind mehr als 30 Prozent ausländischer Herkunft. Der Stadtteil ist zum Teil von Leerständen geprägt und kämpft seit Jahren mit Strukturproblemen. "Es gibt einige belebte Straßen auf denen viele Menschen unterwegs sind. Zahlenmäßig stellen wir dort aber nicht mehr Straftaten fest", sagt ein Sprecher der Polizei.

Während das Moerser Zentrum spielhallenfrei ist, finden sich entlang der Zwickauer Straße zum Beispiel fünf Spielhallen auf engstem Raum. Insgesamt sei die Gemengelage vor Ort nicht optimal, sagt Ratsfrau Anja Reutlinger (SPD), die in Meerbeck ihren Wahlkreis hat. Die Stadt Moers hat deshalb ein Handlungskonzept aufgelegt, das den Stadtteil für die Zukunft wieder nach vorne bringen soll und derzeit umgesetzt wird.

Seit einem Jahr ist auch Stadtteilmanager Jens Franken mit einem Büro vor Ort. Sowohl Franken, als auch Reutlinger und die Polizei betonen, Meerbeck sei keinesfalls eine No-Go-Area. "Im Gegenteil", sagt Franken. "Den nachbarschaftlichen Zusammenhalt empfinde ich in Meerbeck als auffallend gut. Das ist tatsächlich ein Stadtteil, in dem die Kinder noch draußen in den Gärten toben. Dort verkriecht sich niemand in den eigenen vier Wänden."

Die Kripo in Duisburg hat eine Mordkommission eingerichtet. Die Ermittler suchen Zeugen. Sie können sich unter der Telefonnummer 0203 2800 an die Polizei wenden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Spurensuche nach Messerangriff auf 13-Jährigen

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