Jugendtreff auf Rädern: die Streetbox

Jugendtreff auf Rädern: die Streetbox: „Übers W-Lan kriegst Du sie“

Seit vergangenem Jahr rollt die Streetbox durch Moers. Auf Bolz- und Spielplätzen halten die Caritas-Mitarbeiter an, packen Bälle, Cello-Graffiti, Longboards, Pogo-Sticks und ein Luftsofa aus. Der Jugendtreff auf Rädern kommt an.

Der erste Kontakt kommt übers Smartphone zustande. Bevor die Jugendlichen den Transporter wahrnehmen, haben sie in ihrem Smartphone sein offenes W-Lan-Netz entdeckt. „Sie fragen dann: Ey, seid Ihr das? Die Box? Und dann sehen Sie unseren Bus“, erzählt Mathias Klaft-Turnau. Der Sozialwissenschaftler arbeitet in der offenen Jugendarbeit beim Caritasverband Moers-Xanten. Mit seiner Kollegin Iulia Craciunescu fährt er seit diesem Sommer an mehreren Nachmittagen der Woche mit der Streetbox raus in die Stadt. Spiel- und Bolzplätze etwa an der Roderichstraße in Asberg, im Freizeitpark und am Dresdener Ring in der Mattheck fahren die beiden an. Inzwischen kennen viele Jugendliche das schwarz-weiß-rote Jugendmobil und kommen – auch ohne ins Smartphone zu gucken.

Kaum hat der Transporter am Bolzplatz in der Mattheck geparkt, schlendern mehrere Jungs zwischen 12 und 16 Jahren auf den Platz. Auch Bahti ist gekommen. Dabei wohnt der syrische Flüchtlingsjunge nicht einmal in der Mattheck, sondern in Meerbeck. „Bahti reist uns hinterher“, sagt Klaft-Turnau lachend. Die Caritas-Mitarbeiter packen aus: Longboards, Pennyboards, Bälle, Slalomhütchen, Pogosticks. Alles, was cool ist, kommt auf den Platz vor dem Spielhaus. Mehrere schnappen sich einen Sturzhelm und ein Longboard, andere greifen zum Basketball, manche lungern herum und lachen.

Fast alles darf man bei der Streetbox. Solange man auf den Boards zur Sicherheit einen Helm trägt. Bahti legt Knie- und Ellenbogenschoner an und lacht über sich selbst in Eishockey-Montur. Die einen können skaten, die anderen üben noch. Kleft-Turnau, selbst ein guter Skater, zeigt, wie es geht, wenn er gefragt wird. Im Sitzen, Stehen oder sogar im Slalom fahren die Jungs die Anhöhe hinunter. Sie johlen. „Es ist so leicht, ihnen ein paar Stunden Spaß zu bereiten“, sagt Klaft-Turnau.

Spaß-Haben ist keine Nebensache bei der Streetbox, sondern das Ziel: Freude machen; coole Sachen machen; Jugendlichen etwas gegen die Ödnis, den Frust und die Perspektivlosigkeit geben; zeigen, dass Bewegung gut tut, dass man Dinge üben kann; Anerkennung bekommen für das, was gelingt. Niederschwellige Angebote heißt das Fachwort. „Wir schaffen Kontaktflächen“, sagt Klaft-Turnau. Es ist der erste Schritt, um Jugendliche vor allem in sozialen Brennpunkt abzuholen. Die Termine der Streetbox werden über die sozialen Medien publik gemacht: What’s App, Facebook. Dort stellen Craciunescu und Klaft-Turnau auch Fotos und Videos von Workshops in Beatboxen, Capoeira und Parcours ein. Die Beratungsangebote der Caritas tragen sie nicht wie Händlerschürzen vor sich her: „Man muss da mit viel Fingerspitzengefühl rangehen. Die Jugendlichen machen sonst schnell dicht. Wenn einer auf uns zukommt, ist das gut. Dann vermitteln wir weiter zu unseren Experten“ , sagt Craciunescu.

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Auf dem Asphalt vor dem Spielhaus wird gelacht und geskatet. Friedlich. „Sie merken, wenn man sich um sie bemüht und nehmen das offen auf“, sagt Craciunescu. Oft sind es Kinder, deren Eltern Sozialleistungen beziehen, mit Flüchtlings- und Migrationshintergrund. „Nur manchmal merkt man, dass die Faust doch locker sitzt“, sagt Klaft-Turnau.

Die Jungs warten noch auf den Stargast des Nachmittags. Beatboxer Carlo gibt Bahti und drei weiteren Jungs eine Stunde in Beatboxen. Konzentriert sitzen sie vor Carlo auf einer Kiste. Sie wollen lernen, wie man mit Mund und Mikro so rhythmische Geräusche macht. Manche Lehrer würden seufzen, wenn sie sehen könnten, wie ernst die Jungen da bei der Sache sind.

Dabei ist die Idee der Streetbox aus der Not geboren: Seit mehr als einem Jahr verzögert sich der Umbau des Jugendzentrums Die Box, das der Caritasverband in Kooperation mit der Stadt in der Mattheck aufbauen möchte. Und dann war da dieser Bus im Besitz der Caritas. Mit Spenden und Geld vom Bistum wurde er umgebaut, bekam eine autarke Stromversorgung, einen WiFi-Hotspot, mobile Veranstaltungstechnik und Spielgeräte. „Die Streetbox ist längst keine Übergangslösung mehr“, sagt Klaft-Turnau.

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