Moers: Jugendliche werden zu Filmemachern

Moers : Jugendliche werden zu Filmemachern

Konzipieren, drehen, schauspielern – die Stadtteiltauchen-Jugendlichen haben ihren eigenen Film gemacht und damit ihren Blick auf Moers gezeigt. Filmmacher Bruce Giglio hatte ausschließlich Lob für die Jugendlichen übrig.

Konzipieren, drehen, schauspielern — die Stadtteiltauchen-Jugendlichen haben ihren eigenen Film gemacht und damit ihren Blick auf Moers gezeigt. Filmmacher Bruce Giglio hatte ausschließlich Lob für die Jugendlichen übrig.

An drei Wochenenden haben Jugendliche aus Moers einen Film über ihre Heimatstadt gedreht. Von der Idee bis zum Film haben die 15 Teilnehmer fast alles selber gemacht. Sie drehten, schauspielerten und suchten Interview-Partner. Das Ergebnis des Projekts "Stadtteiltauchen" wurde jetzt im Bollwerk vorgestellt.

Für die Aufnahmen war kein Weg zu weit

Ob vom Dach eines Parkhauses oder der Halde: Für die Aufnahmen war den Teilnehmern kein Weg zu weit und kein Aufstieg zu schwer. Auch Frieren auf dem Weihnachtsmarkt nahmen sie in Kauf. Der Film beginnt mit Landschaftsaufnahmen, und schon gleich werden Fragen eingeblendet, die besonders Jugendliche betreffen: "Wo kann man sich in Moers ohne Geld amüsieren?" oder "Wo solltest du auf keinen Fall hingehen, weil du sonst deine Eltern triffst?" Eine Handlung zu finden, war da schon etwas schwieriger, sagt Kyra Hölzer, die unter anderem die Aufgabe der Regisseurin übernahm. "Wir hatten keine Vorgabe, es sollte einfach über Moers sein", da fiel die Wahl schwer.

Schließlich drehten sie einen Film über eine Filmcrew, die einen Film über Moers drehen soll. Also praktisch über sich selber. Das Besondere für die 16-Jährige: "Dass wir alles selber gemacht haben und mit der Kamera probieren konnten." Auch vom professionellen Equipment waren sie angetan. "Es ist nicht alles wie geplant gelaufen", das haben alle schnell gemerkt. Aber: "Es war lustig". Ein Teil der Handlung spielt auf dem Weihnachtsmarkt. Dort und in der Innenstadt sucht die Crew einen Straßenkünstler. Es werden aber auch Passanten zu ihrem Wissen über die Stadt befragt.

"Die Stimmung war unglaublich gut"

Für den 25-minütigen Film "Amazing Moers. Eine Mockumentary" wurden zunächst alle in Teams aufgeteilt und die Arbeitsbereiche vergeben. Es mussten Rollen übernommen, Regisseure und Drehbuchautoren ausgewählt und Kamera- sowie Tonleute eingeteilt werden. Am ersten Wochenende war das Drehbuch fertig, sagt Projektleiter und Kulturreferent Christian Kaindl. Nicht nur die Jugendlichen, auch er ist begeistert: "Die Stimmung war unglaublich gut!" Er hofft auf einen weiteres Filmprojekt im kommenden Jahr. Zur Seite stand dem Team der französisch-amerikanische Dokumentarfilmer Bruce Giglio: "Sie haben einen Film in 30 Stunden gemacht, schneller als Profis", lobte er. Die Jugendlichen seien auch technisch sehr interessiert gewesen. Nur, dass nicht jede Idee umsetzbar ist, mussten sie noch lernen.

Das Projekt wurde vom Ministerium für Familie, Kinder; Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW gefördert. Nach der Vorführung gab es noch ein Highlight im Bollwerk. Die Kulturpädagogin Katrin Schwermer-Funke hatte im Vorfeld mit weiteren Jugendlichen zusammengetragen, was die Moerser an eingemachten Köstlichkeiten in ihren Kellern horten. Es gab Kostproben von Marmelade, Kompott und eingemachten Gurken und Kürbissen sowie Rezepte.

2014 soll das Projekt Keller.Esspeditionen ausgeweitet werden. Die Jugendlichen sollen sich dann auf einer kulinarischen Recherchetour damit auseinandersetzen, was vor zwei Generationen auf den Tisch kam.

(bil)
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