Moers: Jürgen Schmude kritisiert Altersbeschränkung im Job

Moers: Jürgen Schmude kritisiert Altersbeschränkung im Job

Notare müssen mit 70 aufhören zu arbeiten, Berliner Schöffen dürfen nicht älter als 69 sein, für bayrische Bürgermeister ist mit 65 Schluss, und für ehrenamtliche Rentenberater bei der Gewerkschaft mit 75. Was aber ist, wenn diese Leute nicht abtreten wollen, weil sie sich körperlich und geistig noch nicht zum alten Eisen gehörig fühlen oder ihren Lebensabend nicht untätig vor dem Fernseher verbringen möchten? Darüber sprach der einstige SPD-Bundesminister und ehemalige evangelische Synodenpräsident Jürgen Schmude jetzt in der Awo-Begegnungsstätte in Asberg. Titel der Veranstaltung: "Auf's wohlverdiente Abstellgleis – Altersgrenzen jenseits des regulären Berufslebens".

Eingeladen hatte dazu die Moerser "Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen" (AsF), wobei die Einladung allerdings nicht nur an weibliche Interessenten gerichtet war.

Für beide Geschlechter, so wurde in Schmudes gut 45 Minuten dauernden Vortrag deutlich, ist Alter nicht gleich Alter, und damit eine gesetzlich oder durch andere Vereinbarungen getroffene altersmäßige Tätigkeitsbegrenzung eher willkürlich und dabei mitunter sogar lächerlich. So darf sich zum Beispiel ein 65-Jähriger in Bayern zwar nicht mehr zum Bürgermeister, sehr wohl aber zum Ministerpräsidenten wählen lassen. Auch bundesdeutsche Kanzler dürfen so lange regieren, wie sie es sich selber zutrauen und ihre Wähler es zulassen – keine Altersbeschränkung.

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Das Gleiche gilt auch für Aufsichtsräte und Vorstände großer internationaler Aktienkonzerne. Dass dennoch gerade sie trotz gegenteiliger Behauptungen bei geplanten Belegschaftsreduzierungen vor allem ältere Mitarbeiter entlassen oder frühzeitig in den Ruhestand schicken, gehört laut Schmude zu den eindeutigen Belegen, dass alte Menschen, egal wie fit, kompetent und erfahren sie auch sein mögen, noch immer für weniger leistungsfähig als junge gehalten werden. "Das und all die anderen willkürlichen Alterseinschränkungen sind eine unwürdige Zurückweisung alter Menschen. Sie werden dadurch abgewertet und ohne wirklich gewichtige Gründe von der Teilnahme an der Gesellschaft ausgeschlossen", zog Schmude, geboren im Jahr 1936, am Ende seines Vortrages Bilanz und traf damit bei seinen an diesem Abend wenigen Zuhörern auf weitgehende Zustimmung.

"Wenn die SPD jetzt in der Regierung sein wird", schloss Jürgen Schmude die abschließende Gesprächsrunde ab, "kann sie da vielleicht ja mal versuchen, ein paar gegenteilige Wunder zu bewirken."

(lang)
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