Johannes Hartmann aus Moers führt die Knappenvereine im Land.

Tradition in Moers : Er führt die Knappenvereine im Land

Der Vorsitzende des Bergknappenvereins Geldern hat in diesem Jahr die Landeskirchschicht, das landesweite Treffen der Knappenvereine, in die Drachenstadt geholt.

Seit September 2018 ist Johannes Hartmann Vorsitzender der Berg- und Knappenvereine Nordrhein-Westfalen. Vorher war der Vorsitzende des Bergknappenvereins und Jugendspielmannszugs Glückauf Geldern acht Jahre lang stellvertretender Landesvorsitzender. Der einstige Elektrosteiger und Betriebsrat des Kamp-Lintforter Bergwerks „Friedrich Heinrich“ will die Geschichte des Bergbaus weitergeben, auch wenn der Steinkohlenbergbau in Deutschland seit Ende 2018 ausgelaufen ist.

„Uns gehören 85 Vereine und Institutionen an“, erzählt der Moerser, der im August seinen 65. Geburtstag feiert. „Das Gebiet reicht vom Aachener Revier bis Ibbenbüren, vom Sauerland über das Ruhrgebiet bis zum Niederrhein. Wir vertreten 12.000 Mitglieder. Die Zahl ist rückläufig. Vor allem Knappenchöre haben es schwer, jüngere Sänger zu finden, wie alle Männergesangsvereine. Dabei haben sich die meisten für Nicht-Bergleute geöffnet. Auch in vielen Orchestern und Knappenvereinen fehlt der Nachwuchs.“

Johannes Hartmann spricht von einer Herausforderung, diesen „Nachwuchs in die Vereine zu integrieren“. Er nennt zwei Beispiele, wo das gelungen sei, als eines Annaberg-Buchholz im sächsischen Erzgebirge. „Dort wird schon seit mehr als 25 Jahren kein Erz mehr abgebaut“, erzählt der Landesvorsitzende. „Die Bergmannsvereine sind aktiv und haben auch jüngere Mitglieder. Im Winter kommen zur großen Bergparade bis zu 45.000 Zuschauer.“ Dort würde das Land Sachsen die Vereine unterstützen, nicht nur weil sie eine Tradition weitergeben würden, sondern weil sie auch ein Wirtschaftsfaktor seien, der Touristen anziehen würde. Das werde in Nordrhein-Westfalen noch nicht so gesehen.

Das andere Beispiel ist für ihn der Bergknappenverein und Jugendspielmannszug Glückauf Geldern. „Durch den Jugendspielmannszug haben wir viele jüngere Mitglieder“, unterstreicht der Vorsitzende. Dieser Verein richtet in diesem Jahr die Landeskirchschicht aus, die auch eine Werbung für die Vereine der Bergbaugeschichte ist. Das ist ein Treffen aller Berg- und Knappenvereine Nordrhein-Westfalens. Zu den letzten Landeskirchschichten reisten rund 600 Bergleute mit Bergkittel und Schachthut an, zum Beispiel 2018 zur 46. Ausgabe ins westfälische Ibbenbüren.

In der Drachenstadt ist die Landeskirchschicht auf den 15. September terminiert. Treffen ist an diesem Sonntag um 11 Uhr an der Gaststätte Groterhorst/ Lindenstube. Nach einer Parade durch die Stadt gehen die Bergleute zur Kirche Maria Magdalena, wo um 14 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst beginnt. „Die Organisation ist eine große Herausforderung“, sagt der Vorsitzende. „Viele sind eingebunden. Ich denke, es werden 500 bis 600 Bergleute kommen, wie in Ibbenbüren.“ Er kennt sich mit großen Treffen aus, unter anderem weil er Ende Juni 2018 den 13. zweitägigen Deutschen Bergmannstag auf der Zeche Zollverein in Essen und am Deutschen Bergbau-Museum Bochum federführend organisierte. Damals kamen 2200 Bergleute aus ganz Deutschland.

Unter den Besuchern der 47. Landeskirchschicht in Geldern im kommenden September werden zahlreiche Knappen der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition sein, die ihren Sitz in Kamp-Lintfort hat, deren 630 Mitglieder aber auch aus Moers, Rheinberg und anderen Städten kommen, weil dort die übernächste Landeskirchschicht stattfindet.

Am 10. Mai kommen die Bergleute 2020 in die einstige Bergbau- und heutige Hochschulstadt zur 48. Landeskirchschicht, wenn die Landesgartenschau 2020 vier Wochen lang gestartet ist. „Ich habe schon mit Vorsitzendem Norbert Ballhaus und Beisitzer Manfred Reis gesprochen“, erzählt Johannes Hartmann. „Ich werde die Fördergemeinschaft natürlich beraten und unterstützen.“

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