Moers: Jobscouts suchen Arbeit für Geflüchtete

Moers : Jobscouts suchen Arbeit für Geflüchtete

Vier Mitarbeiter der Caritas Moers-Xanten helfen Flüchtlingen am Niederrhein dabei, einen Weg in das Berufsleben zu finden. Erste Ausbildungsplätze und Praktikumsstellen haben sie schon in unterschiedlichen Branchen vermittelt.

Wesel (RP) Hoshyar Ali Hussein ist Geologe. Der junge Iraker hatte auch schon ein Praktikum bei den Bodendenkmalpflegern des Landschaftsverbandes Rheinland gemacht. Doch nun möchte er Krankenpfleger werden - wegen der Erfahrungen, die er auf dem Weg nach Deutschland gemacht hat. Es ist eine von vielen Geschichten, die Dörte Dreher-Peiß im ersten halben Jahr als Koordinatorin der "Jobscouts" erlebt hat. Das ist ein Projekt des Caritasverband Moers-Xanten, das für zwei Jahre vom Deutschen Hilfswerk unterstützt wird. Gefördert wird es auch von der deutschen Fernsehlotterie mit 200.000 Euro.

Zwei Jahre lang werden vier Caritas-Mitarbeiter versuchen, für Flüchtlinge am linken Niederrhein des Kreises Wesel, Wege in die Beschäftigung zu finden. Ihr Ziel ist es, 240 Geflüchtete zu vermitteln - davon sollen zehn Prozent am Ende eine dauerhafte Arbeitsstelle haben. Nach dem ersten halben Jahr ziehen die Jobscouts eine Zwischenbilanz: Gut 100 Geflüchtete stehen schon in der Liste, sagt Dreher-Peiß, erste Praktika und Ausbildungsstellen sind vermittelt.

Auch für Hoshyar Ali Hussein hat die Koordinatorin schon einen Anknüpfungspunkt gefunden. Im Marien-Hospital in Wesel hat sie mit der Pflegedienstleitung gesprochen. Da die Beherrschung der Alltagssprache Voraussetzung ist, wurde für den jungen Iraker eine Zwischenlösung gefunden. Er fährt erst einmal im Krankentransportdienst mit. Die Begleitung der Flüchtlinge beginnt damit, dass sich die Jobscouts ein Bild von ihnen machen: Welche Kenntnisse sind vorhanden, wo liegen die Stärken und wo sieht der Flüchtling selbst seine berufliche Zukunft? Dörte Dreher-Peiß hat festgestellt, dass die Geflüchteten vielfältige Erfahrungen mitbringen, duale Ausbildungsgänge seien ihnen aber häufig unbekannt. Entsprechend würden oft Zeugnisse und Zertifikate fehlen. Deswegen ist für Dreher-Peiß auch klar: "Wir brauchen andere Zugänge". Stärker gewichtet werden sollte aus ihrer Sicht die "informelle Bildung", auch wenn diese schwerer messbar sei.

Die Jobscouts suchen in verschiedenen Branchen. Ein Iraker hat zum Beispiel eine Ausbildung zum Stuckateur begonnen, ein anderer zum Koch, ein dritter hilft erst einmal in der Küche eines großen Garten- und Landschaftsbauers, um sich ins Team einzufinden und eine Ausbildung anzuschließen. Die Jobscouts bringen dazu eine Fülle an eigenen Erfahrungen aus den verschiedensten Bereichen mit. Dörte Dreher-Peiß ist eigentlich Lehrerin, hat aber auch schon in einem Projekt des NRW-Gesundheitsministeriums zum Thema "Bildungsprozesse für ältere Migranten" gearbeitet und zuletzt die Landesnotunterkunft in Moers geleitet. Mitarbeiterin Alice Püplichhuisen hat Sozial-, Politik- und Kommunikationswissenschaften studiert, aber als Werbekauffrau in einer Agentur gearbeitet. Die zwei weiteren Kollegen bringen dazu kaufmännische und handwerkliche Erfahrungen ein.

Von Erfolgsgeschichten kann Alice Püplichhuisen ebenfalls berichten. Dennoch sei die Arbeit nicht immer so einfach: "Viele schleppen Traumata mit sich herum", sagt sie. Immer wieder müssen die Jobscouts Verständnis dafür wecken, dass manches Zeit braucht und das Ziel nur in kleinen Schritt erreichbar ist. Auch müsse die richtige Balance gefunden werden zwischen unterstützen und loslassen. "Letztlich wollen wir nur Hilfe zur Selbsthilfe leisten", sagt Püplichhuisen.

(RP)
Mehr von RP ONLINE