Jesus, ein Mensch zwischen Himmel und Erde: Vortrag in der Barbara-Buchhandlung Moers

Vortrag in Moers : Vom irdischen zum himmlischen Jesus

Auf Einladung des Neuen evangelischen Forums referierte der psychologische Psychotherapeut Dieter Funke in der Barbara-Buchhandlung. Es war eine ungewöhnliche Annäherung an den Glauben und das Christentum.

Jesus, wer war er, was hat er damals bewirkt, und was kann er uns heutigen, modernen Menschen noch sagen? „Jesus, ein Mensch zwischen Himmel und Erde“ so hieß am Donnerstag ein Vortrag des Düsseldorfer psychologischen Psychotherapeuten Dieter Funke in der Moerser Barbara Buchhandlung. Es war die vierte von insgesamt elf Veranstaltungen des Neuen evangelischen Forums im Kirchenkreis Moers, die sich zwischen dem 15. Februar und 4. November dieses Jahres in Lesungen, Gesprächskreisen, Erzählabenden und anderen Aktionen mit der Frage beschäftigen, was Gott heute noch mit unserer Welt zu tun hat.

„Viel“, war Funke in seinem Vortrag sicher. Ähnlich wie der einst aus der griechischen Mythologie bekannte Ödipus, der einst als Kind ausgesetzt wurde, und sich später – ohne es zu ahnen – in seine Mutter verliebte und dadurch zum Vatermörder wurde, sei auch Jesus einer ähnlich traumatischen Geschichte von Angst, Flucht, Vertreibung und Armut ausgesetzt gewesen. Im Gegensatz zu Ödipus habe er aber die Erkenntnis seines Traumas nicht gegen sich selbst gewendet, sondern in eine für seine damalige jüdische Tradition undenkbare, enge Vereinigung von Gott und Mensch übersetzt.

„Gott und die Welt sind eins“, zitierte Funke die im neuen Testament festgehaltene Aussage von Jesus und erklärte dazu: „Diese Aussage ist kein narzistischer Größenwahn. Sie hat Jesus letztendlich in den Tod geführt, uns gleichzeitig aber auch vor Augen geführt, dass etwas sterben muss, damit etwas Neues entstehen kann.“

Die von vielen Christen heute noch geglaubte Ansicht, dass Jesus sterben musste, um „den Ärger Gottes über die Sünden der Menschen zu besänftigen“, hielt er dagegen für völlig falsch: „Nur dadurch, dass der irdische Jesus stirbt, kann der überirdische Jesus entstehen“, erklärte er und nahm diese These anschließend auf, um seine darauf folgende Ansicht von der gleichzeitigen Einheit des menschlichen „Ich“ und „Selbst“ zu erklären. Das menschliche „Ich“, so erfuhren die Besucher, trage „eine einst schon im Mutterleib erfahrene, lebenslange Sehnsucht nach Geborgenheit in sich“. Es mache uns lebendig, gleichzeitig aber auch verletztlich. Das „Selbst“ verbinde uns dagegen mit Gott und dem Kosmos. Dazu müssten wir jedoch zunächst unsere Ängste und Schmerzen als Folge unserer ganz persönlichen inneren Erfahrungen und Lebenskonzepte erkennen lernen und bereit sein, das „Ich“ für ein übergeordnetes „Selbst“ sterben zu lassen.

„Was wir als Leiden empfinden, ist das Getrenntsein von diesen beiden Zuständen“, erklärte Funke einem Lesungsbesucher, der in der abschließenden Fragerunde wissen wollte, wie er diese Diskrepanz für sich überwinden könne. „Ego ist nicht bah, sondern sehr kostbar, darf aber nicht überhand nehmen“, lautete seine Antwort: „Das Christentum hat meiner Ansicht nach nur eine Chance, wenn die Christen in Zukunft alles in einem denken. So wie die Verbindung von Glocke und Ohr erst die Überhöhung des Klangs hervorbringt, ohne dass einer der beiden Teile dabei verloren geht.“

Die nächste Veranstaltung der vom evangelischen Forum des Kirchenkreises Moers durchgeführten Reihe zum Thema „Was hat Gott noch mit unserer Welt zu tun?“ findet am 11. April um 19.30 Uhr im Café Lyceum des SCI-Hauses am Hanns-Albeck-Platz 2 statt. Dann liest dort Titus Müller unter dem Titel „Die Stimme des Schöpfers“ aus ausgewählten Erzählungen des Alten Testamentes. Der Eintritt beträgt acht Euro.

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