Interview mit Guido Lohmann: „Diskutieren hilft beim Lösungenfinden“

Interview Guido Lohmann : „Am Ende die richtigen Lösungen finden“

Der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Niederrhein im Gespräch – über ein neues Umweltbewusstsein, nachhaltige Geldanlagen und die „Fridays for Future“-Bewegung.

Herr Lohmann, Sie sind Vorstandsvorsitzender einer Bank. Bei Ihnen dreht sich – das könnte man jedenfalls meinen – alles ums Geld. Was verbindet die Volksbank Niederrhein mit den Themen Umwelt und Nachhaltigkeit?

Guido Lohmann Die Frage ist: Wofür steht die Volksbank Niederrhein? Für Bankprodukte – klar, das weiß jeder. Als Genossenschaftsbank haben wir aber auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Das hört sich vielleicht pathetisch an, ist aber so. Wir nehmen zum Beispiel unsere Auszubildenden von Beginn mit, wenn es darum geht, zu vermitteln, was genossenschaftliches Denken heißt.

Nämlich?

Lohmann „Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele“: Auf diesem einfachen Gedanken basiert das genossenschaftliche Geschäftsmodell. Diese Überzeugung unserer Gründungsväter Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen teilen wir Genossenschaftsbanken seit mehr als 160 Jahren. Übertragen auf die heutige Zeit beinhaltet das auf jeden Fall auch das Thema Nachhaltigkeit. Also: Was kann jeder einzelne tun, um hier vor Ort seinen Beitrag zu leisten? Was können wir gemeinsam anstoßen, um dieses Fleckchen Erde am Niederrhein positiv zu gestalten? Sich zusammenschließen, darüber sprechen, gemeinsam nach guten Lösungen suchen und dann aber auch entschlossen handeln – darum geht es.

Wie sieht ein umweltbewusstes, nachhaltiges Leben Ihrer Vorstellung nach aus?

Lohmann Wichtig ist, die Menschen nicht zu bevormunden – ihnen also nicht zu sagen, was Guido Lohmann persönlich unter Nachhaltigkeit versteht oder von anderen zu tun erwartet. Vielmehr geht es darum, die Diskussion anzuregen. Darum, dass man sich zu Hause fragt: Was könnte ich selber ändern, auch, wenn es nur Kleinigkeiten sind? Ich zum Beispiel komme mittlerweile jeden Morgen mit einer Jutetasche und wiederverwertbaren Boxen in die Bank. Da ist mein Mittagessen drin. Früher hätte ich ganz automatisch zur Plastiktüte gegriffen. Ich kaufe auch ganz bewusst regional ein. Obst und Gemüse kommt nur noch mit, wenn es einzeln da liegt und nicht verpackt ist.

Ein bewussterer Umgang mit der Umwelt scheint sich tatsächlich langsam im Alltag vieler Menschen durchzusetzen. Bekommen Sie das im Bankgeschäft auch mit?

Lohmann Durchaus. Kunden fragen zum Beispiel immer häufiger gezielt nach ökologisch nachhaltigen Möglichkeiten der Geldanlage. Da geht es dann im Zweifel auch nicht um die höchste Rendite-Erwartung. Wichtig ist dabei von unserer Seite allerdings, intensiv aufzuklären. Wer eine nachhaltige Geldanlage wünscht, muss die Definition von „nachhaltig“ hinterfragen. Es kann zum Beispiel sein, dass in einem Fonds Unternehmen stecken, denen man vom Bauchgefühl her nicht das Prädikat „nachhaltig“ zuordnen würde. Unter allen Anbietern dieses Bereichs ist dieses Unternehmen in den Abläufen aber vielleicht das ökologischste. Wem das nicht ausreicht, der findet aber auch lupenreine ökologisch ausgerichtete Anlagemöglichkeiten. Grundsätzlich ist diesbezüglich schon eine deutliche Bewusstseinsveränderung spürbar. Unabhängig davon glaube ich aber, dass man auch mit nachhaltigen Finanzprodukten überdurchschnittliche Renditen erzielen kann. Denn: Nur, wenn man Ökologie wirklich wirtschaftlich gestaltet, wird sie auf Dauer auch akzeptiert. Da gibt es Anbieter, die sehr erfolgreich sind.

Es sind ja vor allem junge Leute, die derzeit auf die Straße gehen, um auf den Handlungsbedarf in Bezug aufs Klima aufmerksam zu machen – und im Idealfall möglichst viele Menschen, inklusive Bankkunden, mitzunehmen. Was halten Sie persönlich von der „Fridays for Future“-Bewegung?

Lohmann Ich finde die Bewegung gut und teile viele Argumente und vor allem Sorgen der engagierten jungen Menschen. Es geht vor allem darum, Signale zu setzen und wachzurütteln. Die jungen Menschen haben die Klimaentwicklung als existenzielles Problem identifiziert und verlangen deshalb von Politik und Gesellschaft ein konsequentes Gegensteuern. Genauso eine klare Fokussierung erwartet man im Übrigen auch von jedem Unternehmenslenker, wenn er ein existenzgefährdendes Problem in seinem Unternehmen ausgemacht hat. Also ist die Schärfe in der Argumentation von „Friday for Future“ durchaus angemessen, zumindest aber nachvollziehbar. Wichtig ist es, jetzt schnell einen gesellschaftlichen Konsens herzustellen, um die richtigen Weichenstellungen in Deutschland und Europa vorzunehmen.

„Für die Zukunft“ lässt sich also sagen, dass wir …

Logo Serie "Für die Zukunft" mit Volksbank Niederrhein. Foto: Martin Ferl

Lohmann … uns alle und unser Handeln mehr selbst hinterfragen und eigenen Antworten finden sollten, ohne dabei in puren Aktionismus zu verfallen. Unsere gemeinsame Serie soll zum Dialog anregen. Nur die offene und meinetwegen auch konfrontative Diskussion kann helfen, am Ende die richtigen Lösungen zu finden.

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