1. NRW
  2. Städte
  3. Moers

In Moers und Dinslaken: Kreis plant Corona-Diagnosezentren

In Moers und Dinslaken : Kreis plant Corona-Diagnosezentren

Um Patientenströme zu kanalisieren, fordern Mediziner aller örtlichen Krankenhäuser wie auch die Kassenärztliche Vereinigung die zügige Einrichtung zentraler Diagnosezentren, an die die Hausärzte mögliche Covid-19-Fälle überweisen können.

Die Zahl der bestätigten Coronavirus-Infektionen im Kreis Wesel ist von Montag auf Dienstag erneut gestiegen: von 89 auf nunmehr 126. Um Patientenströme zu kanalisieren und derzeit knappe Materialbestände zu verwalten, fordern Mediziner aller örtlichen Krankenhäuser wie auch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein jetzt die zügige Einrichtung zentraler Diagnosezentren, an die die Hausärzte mögliche Covid-19-Patienten überweisen können.

Der Kreis Wesel hat angekündigt, entsprechende, in den Sitzungen des Krisenstabs bereits thematisierte Pläne kurzfristig umzusetzen. Ab wann die Anlaufstellen ihre Arbeit aufnehmen und wie genau diese aussehen soll, werde voraussichtlich am Mittwoch bekanntgegeben, heißt es. Derzeit arbeite man unter Hochdruck an einem passgenauen Konzept für den urbanen und den ländlichen Bereich im Kreis.

Christoph Chylarecki, Chefarzt und stellvertretender Ärztlicher Dirketor am Moerser Bethanien-Krankenhaus, hält mindestens zwei auf das Kreisgebiet verteilte Diagnosestellen für sinnvoll. Denkbar seien solche zum Beispiel in Moers – im Kreisgesundheitsamt – und in Dinslaken, sagt er. „Entscheidend bei der Standortwahl sind vor allem eine gute Zugänglichkeit und ausreichend Platz, denn man muss mit einem hohen Patientenaufkommen rechnen. Eine Drive-in-Lösung, bei der die Menschen gar nicht erst aus dem Auto aussteigen müssen, wäre in der Tat am sinnvollsten.“

Unabhängig von den Plänen des Kreises hat auch das Bethanien-Krankenhaus, das zugleich zertifiziertes Lungenzentrum ist, ein Corona-Diagnosezentrum eingerichtet, das laut Chylarecki in jedem Fall als Unterstützung für die niedergelassenen Ärzte weiter betrieben werden soll. „Seit vergangenem Wochenende steht auf unserem Gelände ein Dekontaminationszelt, das die Feuerwehr am Samstag innerhalb von einer Stunde aufgebaut hat. Das Zelt ist in einen Wartebereich, eine Schleuse und einen Untersuchungsbereich unterteilt. Im Schnitt 100 Patienten können dort pro Tag getestet werden, damit würden die Kreis-Diagnosezentren dauerhaft entlastet, was bei weiter steigenden Infektionszahlen sehr wahrscheinlich nötig ist.“

 „Die Lage ist kritisch“, sagt auch Jörg Verfürth, Sprecher des St.-Bernhard-Hospitals in Kamp-Lintfort. Corona-Verdachtsfälle – vermeintliche und tatsächliche –, die Kliniken und Arztpraxen entgegen aller Vernunft und Hinweise spontan aufsuchten, um sich testen zu lassen, seien nach wie vor an der Tagesordnung. „Am St. Bernhard wird es deshalb ab Mittwoch eine Eingangsschleuse geben. Bei allen Personen, die dann rein wollen, wird die Temperatur gemessen. Tests können nur bei ernsthaften Verdachtsfällen gemacht werden, alles andere übersteigt unsere Kapazitätsgrenzen, deshalb wäre eine zentrale Anlaufstelle dringend nötig.“

Matthias Ruß, Sprecher des St.-Vinzenz-Hospitals in Dinslaken, hofft ebenfalls auf eine schnelle Entscheidung und Umsetzung des Kreises. Für Dinslaken sieht er die Trabrennbahn als möglichen Diagnosezentrum-Standort.

Unterstützung in der Sache erhalten die Ärzte und Krankenhaussprecher von Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein. Es sei richtig, Corona-Verdachtsfälle in Abstrich- beziehungsweise Diagnosezentren zu konzentrieren, sagt er. „Wir brauchen Versorgungsschwerpunkte, Diagnosezentren sind ein erster Schritt.“

Das derzeit größte Problem der niedergelassenen Kassenärzte, sagt die KV, sei die unzureichende Ausstattung beziehungsweise das Fehlen von Schutzausrüstung für den Umgang mit Corona-Verdachtsfällen. Die KV, heißt es in einer Pressemitteilung, habe zuletzt mit erheblichem Aufwand und aus eigenen Mitteln Bestände aufgebaut und damit zumindest die 77 ambulanten Notdienstpraxen im Rheinland sowie die Praxen in besonders betroffenen Regionen (Kreis Heinsberg, Städteregion Aachen) ausstatten können. Man warte nach wie vor auf die von der Politik angekündigte, dringend benötigte Schutzausrüstung und sei auf eine Verteilung gut vorbereitet.