Rheurdt: Im Michaelturm für's Leben lernen

Rheurdt: Im Michaelturm für's Leben lernen

Benson Zebedayo Mongi hilft als internationaler Freiwilliger ein Jahr lang in der Jugendbildungsstätte mit. Der 28-Jährige möchte die Situation in seinem Heimatland Tansania verbessern und dafür in Deutschland Anregungen sammeln.

Die ersten Worte, die Beson Zebedayo Mongi (28) an seinem neuen Arbeitsplatz gelernt hat, waren "Werkstatt", "Kaffeepause" und "Das ist kaputt". Die hat ihm die pädagogische Leiterin des Michaelturms, Maike Enxing, noch schnell beigebracht, bevor er mit Hausmeister Mario Guse losgezogen ist. Benson lächelt, wenn er daran zurückdenkt: "Ich verständige mich mit Händen und Füßen mit Mario, aber es klappt gut", sagt er auf Englisch. Sie streichen, reparieren und sägen zusammen, danach hilft Benson beim Kochen und Spülen.

Einen Monat lang hat Benson, der während seines Freiwilligendienstes bei Pfarrer Norbert Derrix in Rheurdt wohnt, einen Deutschkurs bei der Volkshochschule besucht. Wirklich geholfen hat ihm das nicht: "Dort waren viele Menschen, die viele verschiedene Sprachen gesprochen haben. Das war unübersichtlich, und es fiel mir schwer, mitzukommen." Daraufhin finanzierte der Service Civil Internation (SCI) ihm einen zwölfwöchigen privaten Sprachkurs. "Die Lehrerin kommt einmal die Woche für zwei Stunden her und kann speziell auf Bensons Fragen eingehen", erklärt Enxing. "Leider hat der SCI begrenzte finanzielle Mittel. Wenn der Kurs vorbei ist, müssen wir schauen, wie es weiter geht." Die Mitarbeiter der Jugendbildungsstätte versuchen, so viel Deutsch wie möglich mit dem 28-Jährigen zu sprechen, weichen bei komplexeren Themen aufs Englische aus. "Ich möchte die Sprache unbedingt lernen", sagt Benson. "Damit erweitere ich meinen Horizont und zeige meinen Respekt vor der deutschen Kultur."

Diese Einstellung spiegelt sich auch in seinem Arbeitseinsatz wider: "Benson ist sehr fleißig. Er sieht, wo Arbeit anfällt, und er erledigt sie", betont Enxing. "Doch nicht nur das: Er hinterfragt auch viel, macht sich Gedanken darum, wie er die Situation in Tansania verbessern kann." Das ist tatsächlich Bensons Herzensangelegenheit. Inseinem Heimatland hat er eine Organisation namens "Alternative Initiatives" gegründet, mit er die Probleme wie Armut und die mangelnde Bildung bekämpfen möchte. "Es ist eine Organisation aus Freiwilligen, ich kann niemandem Geld zahlen und somit auch nicht an Alternative Initiatives binden", erklärt Benson, der im Dorf Himo in der Nähe des Kilimandscharo aufgewachsen ist und als Lehrer gearbeitet hat. Er glaubt daran, etwas bewirken zu können. "Alles, was ich hier über das deutsche System lerne, über Organisationsstrukturen, werde ich auf meine Heimat übertragen und mir überlegen, wie es dort angewendet werden kann", sagt er. Benson möchte aufklären - über Geschlechtergleichheit, Bildung und den Klimawandel. Über diese Themen diskutiert er mit anderen internationalen Freiwilligen während seiner Seminare in Fulda.

Wichtig ist ihm, seinen Zuhörern die Realität vor Augen zu führen - zum Beispiel, dass Frauen in Tansania kaum Bildung erfahren. In Bensons Umfeld nehmen Frauen schon in jungen Jahren die Rolle der Hausfrau und später auch der Mutter ein. Oft dürfen sie keine Schule besuchen, weil niemand daran glaubt, dass es sich auszahlen würde. "Das ist ein Fehler", findet Benson. "Frauen sind sehr verbunden mit ihren Familien, viel mehr als die Männer. Wenn sie Bildung erhielten, würden sie später zu ihren Eltern und Geschwistern zurückkehren und sie mit ihrem Wissen viel besser unterstützen können." Bildung zahle sich auf lange Sicht aus. "Das möchte ich meinen Landsleuten vermitteln", betont Benson.

(jma)