Serie Jugendzentren: Im Ka-Liber geht´s vor allem um Kultur

Serie Jugendzentren : Im Ka-Liber geht´s vor allem um Kultur

Interkulturelle Abende, Rockmusik und Karaoke: Im Kamp-Lintforter Jugendzentrum machen die Besucher das Programm.

Ein Nachmittag in den Sommerferien. Ein paar Jugendliche sitzen in der Sonne auf der Treppe vor dem Alten Rathaus, rauchen, quatschen. Im Inneren des Jugendcafés liefern sich andere eine Kickerpartie, trinken Cola, hören Musik. Auf einmal tönt die Stimme von Gesangsopa Heino aus den Lautsprechern. Volksmusik? Im Ka-Liber? Empörung! Zettel raus, Unterschrift drauf, neues Lied.

So in etwa muss es ausgesehen haben, als Mike Silbert den Jugendlichen beigebracht hat, was eine Petition ist. Der erste Vorsitzende des Ka-Liber Kulturvereins muss herzhaft lachen, denkt er an besagten Nachmittag zurück. "Langeweile haben die Kids eigentlich nie. Aber wenn, dann bringen wir sie eben auf Trab." Die Sommerferien sind keine zwei Tage mehr alt, seit der letzten Woche hat das Ka-Liber Jugendcafé wie in den ersten beiden Ferienwochen seine Türen wieder geöffnet. Ein richtiges Ferienprogramm gab es in diesem Jahr nicht. "Wir wollten eine Kooperation mit dem Teencafé vom Jugendamt wagen", sagt Mike Silbert, "geklappt hat das aber nicht." Spontane Grillpartys inklusive Poolplanschen wurden stattdessen im neu gestalteten Innenhof gefeiert, schnell organisiert über das soziale Netzwerk Facebook. "Das ist unsere beste Werbung, so erreichen wir die Jugendlichen immer." Sie kommen in erster Linie aus Kamp-Lintfort, vereinzelt auch aus den umliegenden Städten, sogar aus Duisburg. Um die 30 Besucher am Tag, die meisten um die 17 Jahre. Könnte mehr sein, findet Silbert. "Das ist auch bei unseren Abendveranstaltungen ein generelles Problem: Irgendwo ist immer was los, das größer ist als das Ka-Liber."

Trotzdem sind der regelmäßig stattfindende Karaoke-Abend, die Teen-Partys und auch die Open-Stage Nacht, bei der jeder mal auf die Bühne darf, mittlerweile Kult in Kamp-Lintfort. "Wir sind eben kein pädagogischer Laden, sondern ein Kulturverein", betont der erste Vorsitzende.

Kultur meint nicht nur Musik und Tanz, auch Spray- und Schrauber-Workshops, Zusammenkunft verschiedener Nationalitäten. Ende September findet wieder "I.Rock", die interkulturelle Rocknacht, statt. Weitere bosnische und türkische Abende sind in Planung. "Auch wenn sich die meisten Besucher schon aus dem Café kennen— hier sollen sie sich kennenlernen, näher ins Gespräch kommen. Und Ängste vor Unbekanntem abbauen", wünscht sich Silbert. Er selbst ist seit drei Jahren Mitglied im Kulturverein, auch in seiner heutigen Position ab und an noch für die Sicherheit bei den Abendveranstaltungen zuständig. An der Tür, Kasse und Theke helfen außerdem die Jugendlichen — "ohne die läuft hier gar nichts."

Sie kommen in erster Linie, um einfach mal auszuspannen. Viel Gesprächsbedarf bringen sie mit, oft auch Probleme. "Wir verpetzen hier niemanden, versuchen den Jugendlichen gut zuzureden, sich selber Hilfe zu suchen", sagt Mike Silbert. Wenn es dann doch mal ernst wird, arbeitet das Ka-Liber eng mit dem Jugendamt zusammen.

(kno)
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