Moers: Im Aktivbad spielt die Musik auch unter Wasser

Moers: Im Aktivbad spielt die Musik auch unter Wasser

Mit der Unterwassermusik feierte ein neues Format Premiere. Josephine Bode, "Improviser in Residence", und befreundete Musiker beaufschlagten das Wasser im Enni-Aktivbad mit Schallwellen. Mehr als 40 Festivalbesucher probierten das neue Angebot in der Nacht vom Samstag auf Sonntag im Nichtschwimmerbecken im Enni-Aktivbad am Solimare aus. Sie hatten bunte Schwimmnudeln um Kopf, Brust oder Beine gelegt, um schwerelos im Wasser zu schweben.

Sie bewegten sich nicht und ließen sich reglos im Nass treiben, das mit 32 Grad wohltemperiert war. Nur manchmal nickten sie ihren Hinterkopf ein wenig unter die Wasseroberfläche, um ihre Ohren unterzutauchen. Dort, wohin bei großen Wasserflächen fast kein Außengeräusch wahrzunehmen ist, hörten sie die gleiche Musik wie über der Wasseroberfläche, nur etwas dumpfer, während sie gleichzeitig mit ihren Augen den Lichtspielen in der Nichtschwimmerhalle folgen konnten. "Man schwebt ohne Schwerkraft", beschrieb ein Schwimmer sein Gefühl. "Man ist total entspannt, hört die Musik ohne jeglichen Druck. Man ist in einem Urzustand, wie als ungeborenes Kind in der Fruchtblase im Bauch der Mutter. Nachher fühlt man sich wie neu geboren."

So setzen einige Kurstädte auf den "Liquid Sound", wie die Unterwassermusik nach deren Erfinder Micky Remann oft bezeichnet wird. Als neues Format feierte es beim Moers Festival Premiere. "Discussions! - Diese Stille ... hören Sie?" lautete der Titel. Josephine Bode spielte elektronische Instrumente zusammen mit Musikern, die sie vor allem aus ihrer Zeit im niederländischen Amsterdam kennt: Dodo Kis, Rutger Muller und Felix Stachelhaus. Sie erzeugten einen meditativen Klang, der europäische Musiktradition genauso aufnahm wie zum Beispiel türkische oder indische. Die Gruppe wurde von Vladimir Grafov komplettiert, der die Lichtshow erzeugte. Die Künstler waren für die Entspannungsschwimmer nicht zu sehen, weil sie im abgedunkelten Schwimmmeisterraum saßen, konnten aber ihrerseits die Schwimmer in der beleuchteten Halle beobachten, um so ihre Musik anpassen zu können. Genauso wenig waren für die Entspannungsschwimmer die Unterwasserlautsprecher zu erkennen, selbst wenn einige tauchten und sie suchten. In der n Sonntagnacht konnten Interessierte ein zweites Mal das neue Format genießen, als Achim Zepezauer, alias Captain Nemo, zu einem "Tischlein Elektrisch" einlud, auf dem er Samples alter Schallplatten mit eigenen Produktionen zum Klang verwob.

(got)
Mehr von RP ONLINE