Weihnachten 2016 Die Guten Hirten: Ihr Kinderlein, kommet

Weihnachten 2016 Die Guten Hirten: Ihr Kinderlein, kommet

Manuela Kempkes hat ihre "Schäfchen" immer um sich. Seit 25 Jahren leitet sie die Kindertagesstätte St. Marien in Kamp-Lintfort.

So richtig ruhig im Haus wird es nie: Von irgendwo her erklingt Kinderlachen, das Telefon klingelt, an der Tür klopft eine Kollegin an. Manuela Kempkes wird es nie zu viel. Ihre Türe steht immer offen für die Kollegen, für Eltern und natürlich für die Kinder. Seit 1991 leitet sie die katholische Kita St. Marien in der Kamp-Lintforter Altsiedlung. "Ich bin gar nicht der Typ, der in Ruhe seinen Stapel Akten abarbeiten will. Ich brauche das Umtriebige", sagt die 54-jährige Erzieherin, die seit 25 Jahren die Geschicke der Kindertagesstätte auch in so manch herausfordernder Zeit lenkt.

Dabei sei sie zum Beruf der Erzieherin eher durch einen Zufall gekommen, sagt Manuela Kempkes. Nach der Fachoberschulreife habe sie auf einem Internat in Geldern die Berufsfachschule besucht. "Im pädagogischen Bereich der Schule arbeitete eine Nonne, die mich sehr beeindruckt hatte. Sie war ebenfalls Erzieherin und konnte wunderbar mit Kindern umgehen", erinnert sich die heute 54-Jährige. Der Unterricht bei der Nonne sei ganz und gar nicht langweilig gewesen.

"Sie hat uns stets neue Wege aufgezeigt und war allem Neuen gegenüber aufgeschlossen", sagt Manuela Kempkes. Sie erinnert sich noch daran, im Nähkursus nie gut gewesen zu sein. "Ich habe keine gerade Naht hinbekommen. Meine Lehrerin sagte aber: ,Du musst nicht alles können. Du hast eben andere Talente'." Dieser Satz wurde für Manuela Kempkes zum Leitgedanken, den sie heute als Leiterin der Kindertagesstätte mit Leben füllt. "Wir fördern die unterschiedlichen Stärken unserer Kinder und ermutigen sie in ihrem Tun. Es gibt eben unterschiedliche Talente: Wenn es nur Akademiker oder Müllmänner gäbe, würde unsere Welt nicht funktionieren", sagt die Leiterin der Marien-Kita. Die Begegnung mit der Nonne sei es auch gewesen, sich für den Beruf der Erzieherin zu interessieren. "Ich konnte mir den Beruf plötzlich gut vorstellen." Es folgten ein Anerkennungsjahr in Orsoy, wo sie aufgewachsen war, die erste Festanstellung und später die erste Kita-Leitung in Sonsbeck. "Ja, und dann las ich die Ausschreibung von St. Marien und bewarb mich." Wenngleich ihr die Einrichtung, heute die Dependance an der Kattenstraße, gar nicht gefiel. "Es war ein dunkles Haus mit einem schmiedeeisernen Tor." Doch im Vorstellungsgespräch traf sie auf einen Pfarrer, der offen, lebendig und weltlich auf ihre Kritik reagierte: Klaus Kniffki. Für Manuela Kempkes stand fest: "Mit ihm kann man was bewegen." Ihre Vorgängerin war übrigens auch eine Nonne. "Wenn das nichts heißt", betont sie schmunzelnd.

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In den ersten Jahren wurden Steine bewegt: Die Kita wurde bis 1993 umgebaut. "Bauen ist immer schon mein Thema gewesen." Das bisher größte Projekt: der gelungene Umbau der katholischen Kirche St. Marien in eine Kindertagesstätte. Die Eröffnung wurde 2015 groß gefeiert. Manuela Kempkes hat ein kleines Büro mit einem spitzwinkligen Fenster. Verwaltung und Organisation machen heute den größten Part ihrer Arbeit aus. "Ich habe aber täglich Kontakt mit den Kindern. Sie nehmen mich ganz anders wahr als ihre Erzieherinnen in den Gruppen. Ein Kind stellte mal fest: ,Du bist hier der Boss'." Manuela Kempkes ist für sie die Respektsperson. Wenn sie etwas sagt, hat es für die Kinder Gewicht. Etwa 100 Jungen und Mädchen besuchen die Kita St. Marien, 23 sind in der U3-Betreuung, fünf sind Inklusionskinder.

Kita-Arbeit verändert sich heute rasant, sagt sie - insbesondere im Vergleich zu den 1980er Jahren. Das St.-Marien-Konzept sieht vor, dass jedes Kind einer festen Gruppe angehört, in der es seinen Erzieher als Ansprechpartner hat. Sobald es alt genug ist und sich neugierig aus der geschützten Umgebung traut, darf es selbst entscheiden, wie es seinen Tag verbringen will - ob in der Gruppe oder in einem von drei Funktionsräumen, die als Forscher-, Atelier- oder Burgraum eingerichtet sind. Außerdem wird der intergenerative Ansatz in der Marien-Kita groß geschrieben. Vorteil: die Nachbarschaft zum Don-Bosco-Haus.

Manuela Kempkes sitzt als Leiterin an der Schnittstelle zwischen Kindern, Eltern und Kollegen. "Wir sind als Familienzentrum im Verbund gleichsam für die Bedarfe und Bedürfnisse der Familien offen." Der 54-Jährigen liegen auch die Kollegen am Herzen. Sie versucht, immer ein wachsames Auge darauf zu haben, wo Unterstützung, Zuspruch oder eine Weiterbildung nötig ist. Und damit sich alle wohlfühlen, dürfen auch die Mitarbeiter ihren Talenten folgen. Der eine kann eben besser Geschichten erzählen, der andere Lieder singen. So werden die Aufgaben unter den 18 Kollegen gut verteilt. Kempkes: "Mir ist der harmonische Umgang wichtig. Wir verbringen ja mehr Zeit miteinander als mit der Familie."

(RP)