Moers: Humoricanischer Frühstart aus der Kiste

Moers : Humoricanischer Frühstart aus der Kiste

Die Moerser Karnevalsgesellschaft "Humorica" feiert in Asberg das Hoppeditz-Erwachen. Präsident Helmut Großi treibt Karnevals-Geist und Ehrensenator Reiner Schmitz die Müdigkeit mit Hilfe einer Weizen-Kaltschale aus.

Er war noch ziemlich müde, der Hoppeditz, als er am Dienstagabend im Asberger "Haus Engeln", dem Standquartier der Moerser Karnevalsgesellschaft Humorica aus seinem gut achtmonatigen Schlaf geholt wurde. Seine Müdigkeit war nicht verwunderlich, denn normalerweise hätte er erst am 11.11. aufstehen müssen. Doch weil an diesem Datum wahrscheinlich viele erwachende Hoppeditze aus anderen jecken Vereinen in und um Moers in die fünfte Jahreszeit starten, wollten die Humoricaner ihrem eigenen offenbar einen gewissen Vorsprung geben. Vermutlich war die mannshohe, gelbe Kiste in der der noch schlafende Humorica-Hoppeditz an diesem Abend vor knapp 150 Gästen von einem Postboten in den Saal gerollt wurde, jedoch nur zu früh angekommen, und wer weiß denn schon, ob der Hoppeditz nach einer Woche in der Kiste noch hätte geweckt werden können? Mit anderen Worten, der jecke Schnarcher musste raus aus seiner ungemütlichen Schlafkoje, egal wie gerne er selber vielleicht noch bis zum 11.11. geschlafen hätte. So war das fragende "Hallo", mit dem Präsident Helmut Großi ihn nach dem vorherigen Aufmarsch aller Vereinsaktiven zunächst vorsichtig und dann immer lauter zu wecken versuchte, also eher gutes Werk als ein frühzeitiger Schlafraub. "Hm, wer seid ihr denn?", ließ der in diesem Fall von Humorica-Ehrensenator Reiner Schmitz verkörperte Hoppeditz anfangs noch ein wenig verschlafen seinen Blick über die vor ihm versammelte Jeckenschaft schweifen. Ein von Präsident Helmut Großi gereichtes, kühles Bierchen machte die vermeintliche Schlafmütze dann aber alsbald hellwach. "Zieht euch warm an. Ihr habt mich wach gekriegt. Hier bin ich also wieder." Sprach's und trat ans Mikrofon, um sich anschließend in gereimter Form aufs bissigste über so große Weltereignisse wie den Papstwechsel, prunksüchtige Bischöfe, abgehörte deutsche Spitzenpolitiker oder "italienische Bumsgockel" auszulassen.

Seine bösesten Kommentare galten jedoch der Moerser Kommunalverwaltung, und hier ganz besonders den immer teurer werdenden Sicherheitsansprüchen für den alljährlichen Nelkensamstagszug und die fehlende Bereitschaft, den örtlichen Karnevalsvereinen bezahlbare Hallen für ihre Sitzungen zur Verfügung zu stellen. "Man ist nicht mehr sehr karnevalsfreundlich in dieser Stadt", beklagte er. So verlange die Verwaltung zum Beispiel von den Karnevalsvereinen beim Nelkensamstagszug an jeder Ecke ein Dixi-Klo, während für die Moerser Kirmes gerade mal drei Bedürfniseinrichtungen dieser Art ausreichend seien. Seine Rede kam an, selbst Ehrengast und Bürgermeister Norbert Ballhaus musste mehr als einmal schmunzeln. Darüber hinaus gab es an diesem Abend noch ein kleines karnevalistisches Programm aus Gardetänzen, Ordensverleihungen und Schunkelliedern sowie als besonderen Gaumengenuss ein deftiges Grünkohlessen. Helau! Die Session ist eröffnet.

(RP)
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