Hitzesommer im Kreis Wesel: Bauern schlagen Alarm

Nach Hitzesommer : Bauern aus dem Kreis Wesel schlagen Alarm

Erneut haben die Landwirte der Region mit massiven Einbußen bei der Ernte zu kämpfen. Johannes Leuchtenberg, Vorsitzender der Kreisbauernschaft, erzählt, welche Folgen die Dürre für die Bauern hat.

Der zweite Hitzesommer in Folge trifft die Landwirte aus dem Kreis Wesel hart. „Wir werden hier im Kreisgebiet ganz erhebliche Ertragseinbußen haben“, sagte Johannes Leuchtenberg, Vorsitzender der Kreisbauernschaft, auf Anfrage unserer Redaktion. Nachdem ein Teil der Ernte gelaufen ist, müsse mit einem Drittel weniger Ertrag gerechnet werden. „Das ist ein verlorenes Jahr. Das zweite in Folge“, sagte Leuchtenberg.

Vor allem der Mais sei „sehr schwach und viel zu klein“, beim Gras würde der komplette dritte Schnitt fehlen. Grund dafür ist laut Leuchtenberg die Kombination von großer Hitze und vor allem ausbleibendem Regen. „Wir hätten ein paar mal richtigen Regen gebraucht.“ Da hätten auch die Schauer Mitte August nicht gereicht: „Das war doch viel zu wenig, das hat überhaupt nichts gebracht.“

Leuchtenberg, der Milchbauer ist, denkt vor allem an seine Tiere: „Ich muss gucken, wie ich die ernährt bekomme. Einerseits steigen die Preise für das Futter, andererseits ist einfach auch nicht genug da.“ Weil die Qualität des Futters schlechter wäre, würden die Kuhe mehr fressen, gleichzeitig aber weniger Milch geben – ein Teufelskreis.

Den Niederrhein habe es in den vergangenen Monaten besonders schlimm erwischt: „Im Süden sieht das ganz anders aus, die haben rechtzeitig mal einen Schauer bekommen. Auch beispielsweise Frankreich und Russland haben gute Ernten. Nur wir haben Pech gehabt.“ Richtig teuer werde es für die Kartoffelbauern. Da deren Pflanzen konstant Wasser brauchen, müssen die Landwirte für viel Geld auf künstliche Beregnungsanlagen setzen.

Dass es künftig so weitergeht wie in den vergangenen beiden Jahren, glaubt Leuchtenberg aber nicht: „Das kann passieren, keine Frage. Aber als Bauer muss man Berufsoptimist sein, von daher denke ich, dass es nächstes Jahr wieder mehr regnet.“ Und von seinem Vater wüsste er, dass es Hitzeperioden auch schon früher gab: „Es war auch in den Vierzigern, Fünfzigern oder Siebzigern immer mal wieder sehr trocken.“

Das Statistische Landesamt hat derweil Zahlen veröffentlicht, denen zufolge im Juni und Juli in Nordrhein-Westfalen 8,7 Prozent mehr Getreide eingefahren wurde als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Demnach wurden 3,84 Millionen Tonnen Getreide (ohne Körnermais) geerntet. Der Hektarertrag blieb, laut Landesamt, für die Landwirtschaft damit auch im vierten Jahr in Folge aufgrund schwieriger Witterungsverhältnisse unter acht Tonnen je Hektar. Als Folge der extremen Witterungsbedingungen hätten die Landwirte im Vergleich zu 2018 deutlich weniger Sommergetreide angebaut, das im Unterschied zum Wintergetreide erst im Frühjahr des Erntejahres ausgesät wird.

Mehr von RP ONLINE