Das Bergwerk-West schließt: Hinter den Zahlen stehen immer Gesichter

Das Bergwerk-West schließt: Hinter den Zahlen stehen immer Gesichter

Peter Ermlich ist Betriebsdirektor für Personal und Sozialfragen auf dem Bergwerk West in Kamp-Lintfort. Er gehört zur Führungscrew der Zeche, die bis Ende 2013 bleiben wird. Für den Recklinghäuser ist der Bergbau fast wie eine zweite Heimat.

Nein, Routine stellt sich nicht ein: Das Bergwerk West in Kamp-Lintfort ist nicht die erste Zeche, die Peter Ermlich bis zur Schließung begleitet. Bevor er 2008 als Betriebsdirektor für Personal und Sozialfragen nach Kamp-Lintfort zurückkehrte, begleitete er in derselben Funktion die Zeche Lohberg/Osterfeld in Dinslaken bis zu ihrer Stilllegung. "Ich bin froh, im Moment keine Zeit zu haben, darüber nachzudenken, dass hier gerade eine 100 Jahre andauernde Tradition zu Ende geht", sagt Peter Ermlich.

Ein Bergwerk zu schließen, sei ein hoch komplexer Prozess. "Es geht um technische Belange, und wir reden vor allem über Menschen. Denn hinter jeder Zahl steht auch ein Gesicht, das man persönlich kennt." Die Situation sei besonders für die Mitarbeiter hart, die zum ersten Mal "ihren Püngel packen" müssten, also auf eine andere Zeche im Ruhrgebiet verlegt würden. "400 bis 450 Männer sind davon betroffen. West war ja bislang aufnehmendes Bergwerk.

Ich wünsche unseren Leuten, dass sie auf ihrer neuen Zeche genauso gut aufgenommen werden, wie die anderen bei uns begrüßt wurden", sagt der Betriebsdirektor und weiß, dass jedes "Bergwerk seinen eigenen Spirit" hat. Inzwischen haben die Bergleute in Kamp-Lintfort Klarheit darüber, wo in Zukunft ihr neuer Hafen ist. Auf dem Bergwerk West sei Ruhe eingekehrt, sagt Ermlich. Ende des Jahres arbeiten noch gut 1564 Männer auf der Zeche. "1999, als ich auf dem Bergwerk anfing, waren es 3700 Leute.

" Die Bergleute werden nicht auf einem Schlag verlegt: 1200 Männer wechseln im Zeitraum von 2012 bis Ende 2013 auf andere Zechen. Rund 800 Kumpel arbeiten künftig auf Prosper Haniel in Bottrop, 350 gehen zur Zeche Auguste Viktoria in Marl. 50 Leute finden im Servicebereich eine Weiterbeschäftigung. Rund 890 Männer gehen in die Transferkurzarbeit und nutzen anschließend die Möglichkeiten der Anpassungsregelung. Peter Ermlich, der in Recklinghausen lebt, kommt selbst aus einer Bergbau-Familie.

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Großvater und Vater waren "auf dem Pütt". Ermlich, Jahrgang 1960, trat zuerst nicht in ihre Fußstapfen. "Mein Vater wollte nicht, dass ich im Bergwerk arbeite. Ich sollte eine Ausbildung im Handwerk machen." Ermlich lernte Schlosser. Der berufliche Weg führte ihn dann doch zum Bergbau. Er fing bei einem Tochter-Unternehmen der Ruhrkohle an, engagierte sich gewerkschaftlich, kandidierte für den Betriebsrat, erlebte als stellvertretender Konzern-Betriebsratsvorsitzender Ende der 1980er Jahre eine der ersten Elefantenhochzeiten von Preussag AG, Salzgitter AG und C.

Deilmann AG. 1999 kam er nach unterschiedlichen verantwortungsvollen Tätigkeiten bei Bergbau-Dienstleistern zum Bergwerk Friedrich Heinrich, das dann im Verbund mit dem Bergwerk Niederberg zum Bergwerk West wurde. Ab 2002 begleitete er das Bergwerk Lohberg bis zu dessen Stilllegung, wechselte danach in die Hauptverwaltung in Herne, um dort den Bereich Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz aufzubauen. Als 2008 Professor Matthias Bauer, der damalige Personaldirektor, in Ruhestand ging, trat Ermlich seine Nachfolge an.

Das Bergwerk West liegt ihm am Herzen. "Wir waren wer in Kamp-Lintfort", sagt der Betriebsdirektor nicht ohne Stolz. Das Bergwerk habe "tolle Erfolge" eingefahren, der Verbund mit Niederberg habe funktioniert. Dass zum Ende der Ära West das Buch "Tief im Westen" veröffentlicht wurde, freut Ermlich. "Wichtig war es aber, dass wir im Juni den großen Familientag zum Jubiläum durchgeführt haben. "Das war für alle ein guter Tag."

(RP/jco)
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