Hier lang: Der Weg nach „Silicon Moers“ 

High-Tech-Wirtschaftsunternehmen in der Grafschaft: Hier lang: Der Weg nach „Silicon Moers“ 

Wie weit ist die Stadt tatsächlich von der Vision eines IT- und High-Tech-Industriestandorts entfernt? Eine Bestandsaufnahme.

Moers – ein ernstzunehmender IT- und High-Tech-Industriestandort ähnlich dem Silicon Valley in den USA? Wie weit entfernt ist die Grafenstadt, Stand heute, eigentlich von dieser von Bürgermeister Christoph Fleischhauer kreierten und – seien wir ehrlich: von manchen belächelten – Vision für die Moerser Wirtschaft? Oder anders gefragt: Wie kommen wir da hin? Eine Bestandsaufnahme.

Fakt ist: Rund 2200 Unternehmen gibt es in den Moerser Gewerbe- und Industriegebieten. „Unter diesen 2200 sind jetzt schon viele, die im Zuge der Digitalisierung in diese Richtung gehen“, sagt Wirtschaftsförderer Jens Heidenreich. Zwölf kann er aktuell aufzählen, von denen der Verwaltungschef sagt: „Davon wollen wir definitiv mehr!“

Unternehmen Die Momac Gesellschaft für Maschinenbau mbH & Co. KG arbeitet im Geschäftsfeld der Robotik & Automation, Joint Analytical Systems GmbH im Bereich Instrumentelle Analytik, die CAD Schroer GmbH ist eine Spezialistin für Softwareentwicklung unter anderem für Anlagenbau und Fabrikplanung. Auch die HKS Informatik GmbH betreibt Softwareentwicklung, die Jalasca GmbH bietet berührungslose 3D-Vermessung unter anderem mit Flugrobotern an. Die Telepano Unternehmergesellschaft ist im Bereich Virtual Reality tätig, Delego macht orthopädische Sitz- und Liegesysteme inklusive Sonderanfertigungen mit 3-D-Technik. Die Biocientia GmbH ist auf Medizinische Diagnostik spezialisiert, die Elektro Kossmann GmbH & Co. KG auf Gebäudetechnik, Stichwort: Smart Home. Eurotec Looop betreibt im zentralen Zechengebäude auf dem Eurotec-Areal seit eineinhalb Jahren einen gefragten und ausgebuchten Co-Workingspace, die Schleupen AG ist ein Softwareentwickler mit Spezialisierung auf Energie- und Wasserwirtschaft.

Paradebeispiel „Ganz klein, aber ein Paradebeispiel dafür, was mit Silicon Moers gemeint sein kann, ist die Tectus Transponder Technology GmbH“, sagt Christoph Fleischhauer. „Tectus hat ihren Sitz auf dem Eurotec-Gelände, verkauft Produkte und Systeme zur Identifizierung mit Hilfe elektromagnetischer Wellen und will in Moers eine eigene Produktionslinie entwickeln. In der Autobranche zum Beispiel ist so eine Produktionslinie hunderte Meter lang, Tectus kommt mit zehn Metern aus. Also: kleiner Aufwand, große Wirkung – nachhaltig und in Erwartung hoher Umsätze.“

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Werbung Aber: Wie wirbt die Stadt für den Standort Moers? „Wir arbeiten mit verschiedenen Partnern zusammen, sind sehr eng vernetzt mit der IHK und den Startup-Centern, aber zum Beispiel auch mit den neuen Eignern des Eurotec Loop, die genau auf dieses Segment abheben“, sagt Jens Heidenreich. Auch die Universitäre Zusammenarbeit sei ein Thema, heißt es. Ein Beispiel dafür: Das IGNI-Programm – die Innovations- und Gründungsoffensive NiederRhein, die am 30. Oktober in die zweite Runde startet und die von der Wirtschaftsförderung begleitet wird.

„Ziel des EU-geförderten Projekts an der Uni Duisburg-Essen in Kooperation mit der Hochschule Rhein-Waal und der IHK ist es, innovationsfreudige Unternehmen der Region und Masterstudierende aller Fakultäten zusammenzubringen, um gemeinsam an neuen Geschäftsideen zu tüfteln“, erklärt Heidenreich. „Unternehmen aus verschiedenen Branchen lernen dabei potentielle Mitarbeiter kennen und besuchen vier begleitenden Wochenend-Workshops.“

Ob Digitalisierungsprojekte, neue Produkte, innovative Maschinen oder soziale Dienstleistungen – bei IGNI bekomme jede Idee ihre Chance zur Umsetzung, sagen die Projektkoordinatoren von der Uni Duisburg-Essen. Die abschließende Präsentation findet in Moers auf dem „Eurotec“ statt. Eines der fünf Unternehmen aus dem ersten Kurs ist zum Beispiel „Die Pflege“ unter der Leitung von Birgit Kessler. Das Moerser Unternehmen mit Sitz im Eurotec Loop profitierte von einem Projekt, in dem Studierende an der Fortentwicklung der Tourenplanung in der ambulanten Pflege gearbeitet haben. „Wir bedanken uns für großartige Impulse, kreative Denkanstöße und Sichtweisen aus neuen Perspektiven!“, sagt Mitarbeiterin Andrea Sobolewski im Namen der Geschäftsführung.

Strategie „Unsere Strategie muss es sein, dass sich solche und andere Erfolgsgeschichten rumsprechen“, sagt der Bürgermeister. „Die Welt muss wissen, dass wir eine Stadt sind, die möglich macht, was möglich ist, wenn sich junge, innovative Unternehmen hier ansiedeln möchten. Wir müssen den ,Da geht was’-Nimbus pflegen.“

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