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Basketballspiel Kamp-Lintfort gegen Uerdingen: Hausverbot für rassistische Pöbeleien

Basketballspiel Kamp-Lintfort gegen Uerdingen : Hausverbot für rassistische Pöbeleien

Die Basketball-Gemeinschaft Kamp-Lintfort distanziert sich nachdrücklich von angeblichen rassistischen Schmährufen während des Niederrhein-Derbys gegen den Regionalliga-Rivalen Bayer Uerdingen.

In Basketballkreisen genießt die Glück-Auf-Halle der BG Lintfort einen fast schon legendären Ruf. Da kann es schon einmal vorkommen, dass 300 Zuschauer während eines ganz normalen Heimspiels ein Spektakel veranstalten, wie es anderswo 3000 nicht schaffen. Das gilt besonders dann, wenn es gegen den Erzrivalen aus dem benachbarten Uerdingen geht.

Die Bayer-Spieler sind in Kamp-Lintfort nicht besonders beliebt, verfügen sie im Gegensatz zu den Lintfortern über finanzielle Möglichkeiten, die es ihnen erlauben, auch spielstarke Amerikaner auflaufen zu lassen. Auch am vergangenen Samstag war die Stimmung in Kamp-Lintfort entsprechend aufgeheizt, es wurde gerufen, gegrölt und schließlich auch gepöbelt. Dabei sollen Ausdrücke gefallen sein, die John F. Bruhnke, Trainer der Gästemannschaft als "rassistisch" bezeichnet. Mehrfach seien Ausdrücke wie "blöder Neger" gerufen worden.

"Mein Spieler wurde massiv beschimpft"

Auch die Kamp-Lintforter bestätigen, dass es aus dem Lintforter Fanblock zu Pöbeleien gekommen sei. Ein Vorstandsmitglied sei deshalb eingeschritten und habe sich den Haupttäter "zur Brust" genommen. Allerdings habe keines der Vorstandsmitglieder rassistische Beschimpfungen in Richtung der Mannschaft des Gastes gehört. Falls es diese dennoch gegeben haben sollte, entschuldigt sich die BGL ausdrücklich für das Fehlverhalten des Zuschauers. Bei dem soll es sich, so Zeugen, um einen jungen Mann aus dem Umfeld der U-18-Mannschaft sein, der jedoch selbst weder BGL-Mitglied noch Fan sei.

Was Gäste-Trainer John F. Bruhnke allerdings noch mehr erbost als das Verhalten des offenbar angetrunkenen jungen Mannes in der Halle, waren Äußerungen des Rüpels nach dem Spiel auf dem Parkplatz. Da soll die Freundin eines der beiden dunkelhäutigen Spieler "Negerschlampe" genannt worden sein. Bruhnke: "Mein Spieler wurde massiv aus einer Gruppe heraus beschimpft und fühlte sich bedroht. Wir müssen darüber nachdenken, ob wir demnächst die Kamp-Lintforter Halle nicht besser nur noch geschlossen als Gruppe verlassen." Die Stimmung bei den Kamp-Lintforter Spielen sei zwar als rau bekannt. "Hier wurde aber eine Grenze überschritten."

Über den Vorfall auf dem Parkplatz will sich der Verein nicht äußern, da das Areal nicht mehr in seinem Verantwortungsbereich liege.

Das Fehlverhalten von Fans war schon mehrfach in der Vergangenheit Thema von Vorstandssitzungen. "Den jüngsten Vorfall nehmen wir sehr ernst", versichert Vereinsvorsitzender Kurt Liebke. Er will das Problem in der kommenden Woche im Vorstand erneut zur Sprache bringen. Für den Täter wird sein Fehlverhalten schon eher Folgen haben. "Wenn der Name bzw. die Namen der Beteiligten festgestellt werden, wird ein Hausverbot ausgesprochen", heißt es in einer Stellungnahme des Vereins.

Christoph Müllmann, 1. Beigeordneter aus Kamp-Lintfort, bricht eine Lanze für den Club: "Die BG Lintfort ist ein gut geführter Verein und weit davon entfernt, in irgendeiner Weise etwas mit Rassismus zu tun zu haben."

(RP)