Moers: Haus für Jung und Alt: Diakonie stoppt Bauplan

Moers: Haus für Jung und Alt: Diakonie stoppt Bauplan

Eine Steigerung der veranschlagten Baukosten um mehr als 30 Prozent zwingt die Diakonie zur Aufgabe des Projekts in Meerbeck.

In Meerbeck haben sich die Pläne für den Bau eines Stadtteilzentrums zerschlagen. Die Grafschafter Diakonie in Moers gab gestern bekannt, dass sie nun doch kein "Haus für Jung und Alt" bauen will. Als Grund gab Diakonie-Geschäftsführer Pfarrer Dietrich Mehnert eine Steigerung der Baukosten um mehr als 30 Prozent in den vergangenen zwei Jahren an. Noch im vergangenen Jahr hatte Mehnert rund sieben Millionen Euro veranschlagt. Nach Fertigstellung der Detailplanung habe sich aber herausgestellt, dass die Kosten tatsächlich zehn Millionen Euro überschritten hätten.

So hätte das Stadtteilzentrum aussehen sollen. Foto: Reutlinger

"Das ist alles sehr traurig", lautete der erste Kommentar von Architektin Anja Reutlinger. Sie hatte die Pläne für den Bau entworfen und ist auch selbst in der evangelischen Kirchengemeinde Meerbeck aktiv, auf deren Grundstück an der Galgenbergsheide der Bau hätte errichtet werden sollen.

Die Diakonie hatte dort ein Seniorenzentrum mit stationärem und ambulantem Pflegeangebot, Altenwohnungen, eine Kindertagesstätte, eine Physiotherapie-Praxis und ein Café geplant. Ein derart komplexes Gebäude werde es nun definitiv in Meerbeck nicht geben, stellten Mehnert und sein Mit-Geschäfstführer Carsten van der Werth fest, obwohl der Bedarf für Pflegeplätze im Stadtteil nach wie vor gegeben sei. Ob es ein abgespecktes Angebot etwa nur für Wohnungen und Kindertagesstätte etwa unter Einbeziehung eines weiteren kirchlichen Grundstücks an der Johannes-Kirche geben wird, ist noch offen.

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Für die dreigruppige Kindertagesstätte beginnt damit jetzt wieder eine Zeit der Ungewissheit. Denn das rund 50 Jahre alte Gebäude, in dem die Kinder jetzt untergebracht sind, ist ein Sanierungsfall. Eine U-Drei-Betreuung, wie sie erwünscht wäre, ist dort nicht nötig.

Bislang hat die Diakonie 65 000 Euro für Planungskosten ausgegeben. Ausschlaggebend für die Explosion der veranschlagten Baukosten seien unter anderem verschärfte Anforderungen an die Energieeffizienz gewesen, die zum Einbau dreifach verglaster Fenster und die Installation einer aufwendigen Entlüftungstechnik gezwungen hätte. Zudem seien die Folgen neuer Katastrophenschutzlinien — das Zentrum hätte im Bereich des Sasol-Werks gelegen — nicht abschätzbar gewesen. Eventuell hätte man sogar einen Schutzraum bauen müssen.

(RP)