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Moers/Duisburg: Handwerk setzt Zeichen für Integration

Moers/Duisburg : Handwerk setzt Zeichen für Integration

Eine Möglichkeit zur Integration bietet eine Zusammenarbeit von Buntem Tisch und Bildungszentrum Handwerk. Männer mit Migrationshintergrund werden dort auf einen Einstieg in den Beruf vorbereitet.

Vielfalt, Toleranz und die passende Qualifizierung das ist der Leitspruch der Fachqualifizierung im Bereich Anlagenmechanik für Sanitär,- Heizungs,- und Klimatechnik im Bildungszentrum Handwerk in Duisburg. Insgesamt 16 Männer haben an der Weiterbildungsmaßnahme teilgenommen.

Alle von ihnen haben einen Migrationshintergrund, sie kommen aus Marokko, dem Irak oder Guinea, sind älter als 25 Jahre und haben keinen anerkannten oder verwertbaren Berufsabschluss. Sie konnten aber vor ihrer Flucht nach Deutschland bereits Erfahrungen im Bereich des Bauhandwerks, der Metallverarbeitung oder der Anlagenmechanik sammeln. Doch aufgrund von fehlenden Arbeits- und Aufenthaltserlaubnissen dürfen sie keine Arbeitsstelle in Deutschland annehmen. Genau sie werden durch die Weiterqualifizierung des Förderprogramms Integration durch Weiterqualifizierung unterstützt und in Arbeit gebracht. Mit dem Abschluss der Weiterbildung qualifizieren sich die Teilnehmer als Fachhelfer für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Im Anschluss daran können sie eine Umschulung beginnen. Facharbeiter die das Handwerk dringend benötigt.

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"Wir haben hier eine äußerst engagierte Truppe. Diese Menschen sind nach Deutschland gekommen, weil sie ein besseres Leben haben wollen. Sie wollen arbeiten, und das merkt man auch. Sie sind äußerst pünktlich und engagiert, das haben wir hier selten", sagt Frank Bruxmeier, Geschäftsführer des Bildungszentrum Handwerk. "Doch die meisten von ihnen sind noch keine zwei Jahre in Deutschland, daher sind ihre Deutschkenntnisse so schlecht, dass sie auf dem Arbeitsmarkt keine Chance bekommen. Diese bieten wir ihnen hier", fügt er noch hinzu.

Einer von ihnen ist der Moerser Chabour Ahmed. Der 51-Jährige ist schon als junger Mann von Marokko nach Italien gegangen. Dort hat er 25 Jahre gelebt und gearbeitet. Seit eineinhalb Jahren lebt er nun in der Grafschaft. "Alles was ich kann, habe ich hier gelernt", sagt Ahmed, "Es wäre schön, wenn ich hier jetzt eine Umschulung beginnen könnte." Doch an dieser Stelle gibt es für den gebürtigen Marokkaner ein Problem, denn die Umschulung kostet Geld. Dies wird in den meisten Fällen von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter übernommen, doch obwohl Chabour Ahmed gute Deutschkenntnisse vorweisen kann, fehlt ihm eine Arbeitserlaubnis. Mit dem Status eines Asylbewerbers hat er nämlich keinen Anspruch auf Förderung.

Darum wünscht sich auch Hayat Ketfi vom Bunten Tisch Moers mehr Sensibilität von den Ämtern. "Diese Menschen kommen hier hin, weil sie keinen anderen Ausweg haben. Sie haben große Berührungsängste, können kaum die Sprache, und werden dann einfach allein gelassen", sagt Ketfi. Deswegen wünscht sie sich für ihre Teilnehmer nur eins, "Ich hoffe sehr, dass alle eine Arbeitsstelle finden. Und so hier in Moers leben können, wie sie es sich erträumen", fügt sie noch hinzu.

Das wünscht sich auch Chabour Ahmed. Sein sehnlichster Wunsch: Eine Arbeit finden, eine eigene Wohnung haben und das europä-ische Leben genießen. Und: "Wenn ich endlich Geld verdienen, möchte ich zu meiner Familie nach Marokko fliegen. Die habe ich seit 14 Jahren nicht mehr gesehen", sagt er. Aber nur zum Urlaub machen, denn seine Heimat ist jetzt Moers.

(dabv)