GSG stemmt sich gegen Inklusionspläne

Moers : GSG stemmt sich gegen Inklusionspläne

Die Geschwister-Scholl-Gesamtschule will keine Schwerpunktschule für Inklusion sein. Der Schulleiter fürchtet Attraktivitätsverlust.

Von Julia Hagenacker

Werden Gesamt-, Real- und Hauptschulen beim Thema Inklusion benachteiligt? Rolf Grüter ist der festen Überzeugung, dass dem so ist. „Wenn die Landesregierung an der vorgesehenen Verteilung der Zuständigkeiten festhält und die Gymnasien diesbezüglich weitgehend aus der Verantwortung entlässt, werden andere Schulformen an Attraktivität verlieren“, prognostiziert der Leiter der Geschwister-Scholl-Gesamtschule. Dann würden Gesamt-, Real- und Hauptschulen über kurz oder lang zum Auffangbecken für schulische Problemlagen – auch in Moers. „Tatsächlich“, sagt Grüter, „gibt es nämlich viel mehr Schüler mit Förderbedarf, als es auf den ersten Blick scheint.“

Fest steht: Inklusion ist und bleibt ein schulpolitisches Zentralproblem. Seit dem Schuljahr 2014/15 besteht in Nordrhein-Westfalen ein Rechtsanspruch für Eltern behinderter oder verhaltensauffälliger Kinder, diese an einer Regelschule und nicht mehr ausschließlich an Förderschulen anzumelden. Ein Drittel der rund 3000 weiterführenden Schulen in NRW hat seither Inklusionsunterricht angeboten, obwohl häufig Lehrer, Sonderpädagogen, Ausstattung oder schlicht Erfahrung fehlten. Deshalb ist die Entscheidung, die die Geschwister-Scholl-Gesamtschule jetzt getroffen hat, eine, die für viel Diskussionsstoff sorgt.

Wie berichtet, lehnt die GSG die Rolle einer Schwerpunktschule für Inklusion ab. Das hat die Schulkonferenz beschlossen, in der Schulleitung, Lehrer, Eltern- und Schüler gemeinsam beraten. Welche Schule Schwerpunktschule werden soll, hat wiederum die Stadt Moers im Zuge der Fortschreibung des Schulentwicklungsplans bestimmt – nach rein finanziellen Kriterien.

„Vom Land werden 100.000 Euro Fördergeld für die bauliche Ausstattung zur Verfügung gestellt, deshalb hat man sich seinerzeit für Schulen entschieden, an die nicht angebaut werden muss“, erklärt Stadtsprecher Klaus Janczy. Neben sieben Grundschulen sind auch das Gymnasium Rheinkamp, die Anne-Frank-Gesamtschule, die Pattberg-Realschule und die Justus-von-Liebig-Schule als Schwerpunktschulen ausgemacht. Die grundsätzlichen Probleme, sagen die Schulleiter, seien überall dieselben. Vor allem fehle es an Sonderpädagogen. Und das hat Folgen.

„Wir fühlen uns ausdrücklich den Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention zur Inklusion auch im schulischen Bereich verbunden und geben uns viel Mühe, allen Schüler gerecht zu werden“, betont Grüter. „Aber das, was an Förderung ankommt, ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Gruppen, in denen Schüler mit und ohne sonderpädagogischen Bedarf unterrichtet werden, werden immer größer. Es gibt Seiteneinsteiger, Schüler, die in der siebten Klasse vom Gymnasium wechseln und auch solche, die einfach lernschwach sind – am Ende landen sie bei uns.“

Grüter fordert deshalb unter anderem eine stärkere, verpflichtende Beratung der Eltern im Grundschulbereich. Dass das Thema jetzt auf kommunaler Ebene diskutiert wird, findet Hannegret Gucek-Rehn, Leiterin der Anne-Frank-Gesamtschule, gut. Um Hilfe rufen will sie aber nicht. „Inklusion stellt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe dar, an der alle Schulformen beteiligt werden müssen“, sagt sie. „Und für uns hat das gemeinsame Lernen seit 25 Jahren Tradition.“

Wollen Sie mehr über Inklusion wissen? Im NRW-Lexikon beantworten wir alle Fragen zum Thema.

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