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Grüne in Moers: „Wir fühlen den Aufwind“

35 Jahre Fraktion : Grüne in Moers: „Wir fühlen den Aufwind“

Vor 35 Jahren zog die Partei erstmals in den Stadtrat ein. Bis heute bestimmen ökologische Themen ihre politische Arbeit. In der Grafenstadt verstehen sich die Mitglieder als gestaltende Kraft.

Auf den Tag genau am 15. Oktober 1984, also vor 35 Jahren, zogen die Grünen in den Moerser Stadtrat ein. An ihren Kernkompetenzen und ökologischen Themen hat sich seither wenig geändert. Geblieben sind Engagement für die Friedensbewegung, gegen Atomkraft, für Natur- und Klimaschutz. „Das ist gut. Aber auch erschreckend, denn wir haben das Thema nicht in den Griff bekommen“, gibt Gudrun Tersteegen, stellvertretende Fraktionsvorsitzende, zu bedenken. „Aktuell erleben wir einen Boom mit neuen Parteimitgliedern, die sich auch in der Politik engagieren wollen. Wir haben alle Hände voll zu tun.“

Derzeit hat der Ortsverein 49 Mitglieder. „Der Weg ist identisch“, betont die Vize-Fraktionschefin. „Auch wir haben vor 35 Jahren gegen das Versagen des politischen Systems gekämpft. Das weckt Erinnerungen.“ Diesmal sei es mit Greta Thunberg die Fridays-For-Future-Bewegung, die die Aufmerksamkeit auf den mangelnden Klimaschutz lenkt und nach politischem Handeln verlangt. „Jedoch ohne sich von Politik vereinnahmen zu lassen“, so Tersteegen. „Wir müssen nicht das Rad neu erfinden, sondern können das Gefühl von politischer Heimat geben“, ergänzt Elisabeth Hanke-Beerens, eine der ersten Grüne im Rat der Stadt Moers.

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Den Grünen trauten die Skeptiker in Moers wie auf Landes- und Bundesebene vor mehr als drei Jahrzehnten nur ein kurzes Gastspiel zu. Von wegen. „Wir fühlen den Aufwind. Ich gehe davon aus, dass wir bei der Kommunalwahl 2020 auf 18 Prozent kommen. In jedem Fall knapp unter 20 Prozent“, so die Prognose von Hanke-Beerens.

„Etablierte Parteien wie SPD und CDU/CSU haben aktuell ein Glaubwürdigkeitsproblem, da sie sich zu wenig um ökologische Themen kümmern, und wenn dann nur halbherzig. Die Wähler sind kritisch. Wir Grünen haben von Anfang an den Umweltschutz in unserer DNA gehabt“, sagt Tersteegen. Und: „Grüne sind ernstzunehmende Koalitionspartner.“

Ob sich angesichts der Gesamtumstände aus den Reihen der Grünen noch ein Bürgermeisterkandidat stellt? Die Grüne setzen auf Zeit und den Rahmen, den die Kommunalwahl formal vorgibt. „Wir machen keine spontanen Aktionen. Solch ein Schritt will gut überlegt sein und braucht das Votum der Mitglieder und zugleich eine Kandidatin oder einen Kandidaten“, so Tersteegen.

Fest steht: Die Bundespolitik gibt die grüne Zielrichtung vor. Gerade beim Thema Klimaschutz wolle man in Moers weiterhin den grünen Bundespolitikern folgen, sagt Fraktionschef Christopher Schmidtke. Mit den Stimmen von Grünen, SPD und Grafschafter sei in Moers bereits der Klimanotstand ausgerufen. „Im Kommunalpolitischen gehen wir so kleine Schritte und reagieren“, erklärt Gudrun Tersteegen, Dabei verweist sie auf Themen wie alternative Energien und Ökostrom, Mobilität mit autofreie Zonen in Moers. Schmidtke ergänzt: „Es kann nicht sein, dass wir auf städtischem Gebiet nur zwei Zapfsäulen für E-Bikes haben.“

Fazit: Die Grünen sehen sich für Moers in ihrer Rolle als Mahner, Kritiker und Gestalter bestätigt. Schmidtke: „Wir sind gestaltende Kraft. Je mehr Kraft wir haben, desto mehr Macht haben wir in diesem Bereich.“ Die Forderung nach bezahlbarer Wohnraum in der Innenstadt sei beispielsweise ein solcher Bereich. Beim Ausblick auf die nächsten 35 Jahre ist sich die Fraktionsspitze einig: Die Grünen sind etabliert und könnten stärkste demokratische Kraft werden „mit dem Ziel, das rechte Spektrum immer weiter abzuschwächen.“