Grafschafter Konzertchor begeistert in der Repelener Dorfkirche

Konzert in Moers : Konzertchor begeistert in der Dorfkirche

Viel Applaus gab es für das musikalische Gedenken an den Beginn des zweiten Weltkriegs mit dem Grafschafter Konzertchor in Repelen

„Stabat mater dolorosa iuxta crucem lacrimosa“ – „Es stand die Mutter voll Kummer beim Kreuz“. Das von einem Unbekannten verfasste, mittelalterliche Gedicht über die Schmerzen der Mutter Jesu beim Anblick ihres am Kreuz leidenden Sohnes ist von vielen Komponisten vertont worden. So auch von dem 1839 in Liechtenstein geborenen und 1901 in München gestorbenen Organisten und Musikpädagogen Josef Gabriel Rheinberger. Seine zweite, 1884 entstandene „kleine“ Version des mütterlichen Klageliedes in g-moll stand am Sonntag unter anderem auf dem Programm eines stimmungsvollen Konzertes des Grafschafter Konzertchores in der voll besetzten evangelischen Dorfkirche in Moers-Repelen.

Unter der Leitung von Christian Parsiegel brachten dabei 35 Sänger und Sängerinnen das betont liturgisch-kirchliche Werk Rheinbergers an diesem Tag zum Gedenken an den Beginn des Zweiten Weltkrieges vor 80 Jahren und seine unzähligen Opfer auf Seiten aller Kriegsparteien zu Gehör und leiteten es entsprechend mit einer kurzen Schweigeminute ein.

Josef Gabriel Rheinberger, damals an einer schon lange andauernden schmerzhaften Entzündung seiner rechten Hand leidend, hatte mit seiner Komposition ein Gelübde für den Fall einer Genesung seines Leidens eingelöst. Sie endete mit einer Bitte an die Heilige Jungfrau: „Wenn (unser) Leib sterben wird, mach, dass der Seele gegeben werde des Paradieses Herrlichkeit. Amen“. Ein Wunsch, der den vorherigen eindringlichen Gesang des Chores am Ende vehement abschloss.

Dem folgte anschließend ein von Ludwig Wegesin gespieltes Orgelkonzert der Sonate VI d-moll „Vater unser im Himmelreich“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Ludwig Wegesin ist seit 2014 Kantor an der Münsteraner Erlöserkirche und begleitete den Grafschafter Konzertchor außerdem nicht nur bei Rheinbergers „Stabat mater“, sondern auch bei der Messe in D-Dur von Antonin Dvorák. Das eigentlich für Soli, Chor und Orgel konzipierte Werk hatte Dvorák 1887 zur Einweihung einer von dem Architekten und Gründer der Tschechischen Akademie der Wissenschaften Josef Hlávka errichteten Kapelle im westböhmischen Luzany komponiert. In diesem Fall wurde es jedoch von Klaviermusik begleitet. Die Soli-Anteile des aus den Teilen Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus/Hosanna und Agnus Dei bestehenden Werks übernahmen die Bochumer Sopranistin Julie Marszalkowski, die im lettischen Riga geborene Mezzosopranistin Ilona Popova, der litauische Tenor Ilja Aksionov und der zurzeit in Homberg tätige Bass-Sänger Heiner Lüger. Gemeinsam mit dem Chor boten sie eine musikalisch überaus beeindruckende Darbietung, die sicherlich auch Dvorák selber gefallen hätte. Das Publikum an diesem Nachmittag war jedenfalls begeistert und honorierte das gut 90-minütige Konzert anschließend mit einem lang anhaltenden, begeisterten Applaus.

Mehr von RP ONLINE