Grafschafter Jecken starten in die Session

Karnevalsstart in Moers und Neukirchen-Vluyn : Grafschafter Jecken starten in die Session

Stippvisite bei der Neukirchen-Vlü-Ka-Ge, der Moerser Karnevalsgesellschaften Fedelio, beim Elfenrat und den Blau-Weissen Funken.

Auch in der Grafschaft sind die Karnevalisten am Wochenende in die schönste und verrückteste Zeit des Jahres gestartet. Unsere Redaktion war überall dort vor Ort, wo ausgelassen gefeiert wurde. Besondere Auszeichnungen und eine kleinere Panne gab es auch.

Ordensverleihung der Neukirchen-Vlü-Ka-Ge

Die Spannung war im Standquartier der Neukirchen-Vlü-Ka-Ge spürbar, als das bestgehütete Geheimnis kurz vor der offiziellen Sessionseröffnung endlich gelüftet wurde. Im Sport-und Freizeitpark Klingerhuf wurde Jugendwartin Ramona Oetzmann (45) für ihre Verdienste von Rainer Fischer, Vizepräsident Linksrheinischer Karneval im Bund Deutscher Karneval (LRK), ausgezeichnet. Sie erhielt den LRK-Orden in Silber für ihre jahrelangen Verdienste in der Karnevalsgesellschaft. Ramona Oetzmann trainiert den Nachwuchs als Jugendwartin, organisiert, kümmert sich um die Logistik, um Auftritte und das viele Drumherum. Kurzum, sie investiert Zeit und Herzblut in den Nachwuchs der Karnevalsgesellschaft. Engagement, das mit dem LRK-Orden in Silber gewürdigt wurde. Ernannt wurde bei der internen Ordensverleihung Christian Woldenga als neuer Senator. Geehrt für 33 Jahre Mitgliedschaft wurde Erwin Schmitz. 22 Jahre dabei ist Herbert Paschmann, der bereits als Prinz die Session in der Vlü-Ka-Ge anführte. „Anders als in den vergangenen Jahren haben wir die Ehrungen zusammen mit den Ordensverleihungen vorgenommen“, sagt Präsident Jörg Thiem zur Veranstaltung. Rund 140 Karnevalisten nahmen teil.

Hoppeditzerwachen bei der KG Fidelio Moers

Werner Garus lässt sich zum Hoppeditzerwachen immer etwas einfallen. „Werner“, wie er von den Narren kurz genannt wird, um dann das Wort „Beinhart“ zu ergänzen, nahm diesmal Anleihen bei der Comicfigur Werner. Wie „Werner“, der aus der Feder von Rötger Werner Feldmann, alias Brösel, stammt, war er am Samstagabend mit dem Zweirad unterwegs. Allerdings saß er nicht auf einem Motorrad der Marke Horex, sondern auf einem Minifahrrad. Anders als die Comicfigur hatte der gelernte Kraftfahrzeugmechaniker außerdem den „Seitenwagen“ nicht mit dem Zweirad verschraubt. In diesem Wagen, einem fahrbaren Kinderbett, lag die Hoppedine, alias Stefanie Polotzik, bis sie von 100 Narren lautstark aus dem Tiefschlaf gerissen wurde. Als Dank warf die 29 Jahre alte Tänzerin der Shadows ihnen Kamelle zu, die von Fidelio-Präsident Dieter Böhl in Kopfkissen und Bettdecke gefüttert worden war.

„Werner plant nicht“, zitierte Werner Garus die Comicfigur, nachdem er mit der Premieren-Hoppedine die Bühne im Haus Kampmann verlassen hatte. Doch der 66 Jahre alte Karnevalist, der drei Jahre jünger als „Brösel“ ist, plant seine Auftritte sehr wohl – als Hoppeditz, wie in den vergangenen Jahren, oder als Begleiter der Hoppedine, wie in diesem. Sonst wären Kostüme und Bettzeug nicht Gold und Schwarz gehalten gewesen, den Stadtfarben von Moers und der Karnevalsgesellschaft Fidelio von 1951. „Der klassische Hoppeditz soll politisch und satirisch sein“, erzählte der Moerser. „Zu unserem Hoppeditzerwachen sind viele Kinder da. Da passt Satire nicht, aber die lustige Art und Weise.“ Kinder gestalteten als Gardetänzerinnen auch einen großen Teil des Programms.

Als die Musik lief, konnten sie loslegen: Gardetänzerinnen bei der festlichen Galasitzung des Moerser Elfenrats. Foto: Christoph Reichwein (crei)
Die Showtanz-Jugend zeigt bei der Ordensmatinee der Blau-Weissen Funken, was sie kann.  . Foto: Ostermann, Olaf (oo)
André Schellen (v.l.), Ramona Oetzmann, Frank Schreiber und Jörg Thiem bei der Ordensverleihung der Neukirchen-Vlü-Ka-Ge. . Foto: Christoph Reichwein (crei)


Galasitzung des Elfenrats Für Karnevalisten es ist der größtmögliche anzunehmende Unfall: Die Musikanlage, die bei der Technikprobe am Nachmittag noch alle Höhen und Tiefen nimmt, kommt bei der Sitzung am Abend nicht in die Startlöcher. So geschehen am Samstagabend bei der Galasitzung des Elfenrates in der Lounge des Enni-Sportparks in Rheinkamp. Als eine CD eingeschoben war und die Gardetänzerinnen „Die Schnuckis“ loslegen wollten, wollte die Musikanlage keinen Mucks mehr von sich geben. Sitzungspräsident Klaus Likar blieb ruhig. Er begrüßte erst einmal die vielen Gäste, die gekommen waren, unter anderem Alfred I. und Mareike I., wie das Prinzenpaar des Kulturausschusses Grafschafter Karneval nach seiner Proklamation am 16. November heißen wird. Parallel dazu setzte sich Manuel Schubert in sein Auto, fuhr zur Elfenrathalle im Gewerbegebiet Genend und kam von dort mit einem Mischpult zurück. Der stellvertretende Orga-Leiter schloss es an: Es funktionierte. So konnten 120 Narren eine große Galasitzung des Elfenrates miterleben, unter anderem mit den Büttenrednern Dietmar, „Ne Kölsche Jung“ aus Köln und Jüppi aus Kleve, der Juxband „Kapel de Koelemoeters“ aus Maasbree bei Venlo oder Stimmungssänger Willi Girmes. Christian Santhoff, 40 Jahre im Verein und einstiger Präsident, erhielt bei der Galasitzung den Orden des Bundes Deutscher Karneval in Gold verliehen, Brunhilde Likar, 1968 Gründungsmitlglied der Karnevalsgesellschaft Elfenrat Moers-Eick, wurde mit dem BDK-Orden in Gold mit Brillanten ausgezeichnet, der nur sehr selten vergeben wird.

Karnevalsauftakt bei den Blau-Weissen Funken Dirk Halfmann schlüpft bei Karnevalssitzungen in zwei Rollen. Zunächst ist er Präsident der Karnevalsgesellschaft Blau-Weisse Funken und moderiert. Dann verlässt er die Bühne, um seine weiße Mütze mit blauen Elementen und seine weiße Jacke mit blauem Revers anzulegen. Er zieht sein Tanzkostüm an, um mit dem Regimentscorps aufzutreten, wie am Sonntag bei der Ordensmatinee in der Vluyner Kulturhalle. „Ein Präsident tanzt in einem Corps mit. Wo gibt es das schon?“, stellt Pressesprecher Carsten Wehrenbrecht eine rhetorische Frage. Wahrscheinlich ist Dirk Halfmann der einzige Präsident, der am Niederrhein eine solche Doppelrolle einnimmt, am Sonntag vor 400 Karnevalisten. Damit unterstreicht er, wie wichtig der KG von 2004 das Tanzen ist. 60 Tänzer hat sie bei 170 Mitgliedern in ihren Reihen. Alle Gruppen üben auf der Bühne der Kulturhalle, wo sie auch bei der Ordensmatinee einen oder zwei Auftritte haben, immer am Sonntag, der dem 11. November am nächsten liegt. „Freundlicherweise überlässt uns Pächter Michael Erb die Bühne für das Training“, bedankt sich Carsten Wehrenbrecht.