Grafschafter Diakonie: Jeder zehnte Haushalt im Kreis ist überschuldet

Grafschafter Diakonie : Jeder zehnte Haushalt ist überschuldet

Immer mehr Menschen brauchen Beratung im Umgang mit ihren Schulden, stellt die Grafschafter Diakonie fest. Scheidung, Krankheit oder Renteneintritt gehören zu den Gründen, warum Menschen die Schulden über den Kopf wachsen.

(RP) Warum geraten Menschen in diese Lage, wer wendet sich an die Schuldner- und Insolvenzberatung und wie hilft diese weiter? Diese Fragen brachte Charlotte Quik, Abgeordnete der CDU-Fraktion im Landtag, bei einem Besuch der Moerser Beratungsstelle der Grafschafter Diakonie mit. Vier Schuldnerberater berichteten aus ihrem Arbeitsalltag. Und die Politikerin erfuhr: Trennung und Scheidung, eine Erkrankung, der Verlust des Arbeitsplatzes, eine gescheiterte Selbstständigkeit oder der Übergang in die Rente gehören zu den häufigen Gründen, wegen derer Privatpersonen die Schulden über den Kopf wachsen können.

„Es kommen Menschen aus allen Gesellschaftsschichten zu uns“, sagte Schuldnerberaterin Gabriele Süßer, die sich in der Moerser Beratungsstelle um die Ratsuchenden kümmert. Und davon gibt es viele: Zehn Prozent der Haushalte im Kreis Wesel sind überschuldet. „Allein in den Jahren 2017 und 2018 haben wir 1850 Menschen mit diesem Problem begleitet“, berichtete Jürgen Voß, Geschäftsbereichsleiter Soziale Dienste. Trotz der hohen Beratungszahlen blieben noch viele Verschuldete auf der Strecke.

„Es gibt zwei Wege, auf denen Verschuldete zu uns kommen“, erläutert Caroline Hagedorn, Schuldnerberaterin im Diakoniezentrum Homberg den Hintergrund. Ein hoher Anteil der Klienten gelange über die Zuweisung von Jobcenter oder Sozialamt zu den Schuldnerberatern. Hier existieren gesetzliche Ansprüche auf Beratungsleistungen, das heißt „die Ratsuchenden bringen einen Beratungsgutschein für unsere Leistungen mit und wir können innerhalb einer Frist von maximal vier Wochen mit der Arbeit beginnen“, erklärt sie. Zusätzlich ist die Schuldnerberatung für alle anderen Ratsuchenden kostenfrei und offen zugänglich.

„Diese offene Beratungsform anzubieten, ist uns als regionalem Wohlfahrtsverband sehr wichtig und wir finanzieren sie gegenwärtig mit einem hohen Anteil aus eigenen Mitteln“, sagte Kai T. Garben, Geschäftsführer der Grafschafter Diakonie. Der Bedarf im sogenannten offenen Zugang bleibe ungebremst, was die Wartelisten der Schuldner- und Insolvenzberater verdeutlichten. Mitunter gibt es Wartezeiten von sechs Monaten. Eine Situation, die sich mittelfristig noch verschärfen werde. „Es werden zum Beispiel zunehmend mehr Menschen von Armut im Alter betroffen sein, die bei uns anklopfen werden. Als regionaler Wohlfahrtsverband ist es unsere Aufgabe, dies im Blick zu haben. Unklar ist, ob uns dies allein aus unseren Eigenmitteln gelingen kann. Nötig ist daher, einen Anspruch auf Beratung für alle Bürger gesetzlich zu verankern.“

Die Landtagsabgeordnete Charlotte Quik (2. von rechts) mit (v.l.) Jürgen Voß, Markus Jansen, Caroline Hagedorn, Anneke van der Veen, Gabriele Süßer, Tatjana Baumann und Kai. T. Garben beim Besuch der Grafschafter Diakonie. Foto: Kirchenkreis

Anneke van der Veen, Fachbereichsleiterin Gesundheit und Soziales, ergänzte: „Problematisch ist, dass Schuldnerberatung und Insolvenzberatung aus unterschiedlichen Töpfen finanziert werden. Dabei ist herauszustellen, dass insbesondere die Insolvenzberatung, die aus Landesmitteln finanziert wird, chronisch unterfinanziert ist.“