1. NRW
  2. Städte
  3. Moers

Grafschaft: Endlich wieder Zeit für schöne Köpfe.

Friseure in der Grafschaft öffnen ihre Salons : Endlich wieder Zeit für schöne Köpfe

Am Montag öffnen die Friseursalons mit Schutzkonzept und unter strengen Hygiene-Auflagen. Den ersten Ansturm gab es schon bei der telefonischen Terminvergabe. Gefragt sind Geduld und Disziplin.

Selten wurde der Friseurbesuch so sehnsüchtig erwartet. „Wir freuen uns, dass es endlich wieder losgeht und wir unsere Kunden wiedersehen“, sagt Friseurmeister Roland Schwan. „Wir machen wieder schöne Köpfe.“ Der Corona-Matte geht es im Moerser Salon am Kastell an den Kragen. Der Wildwuchs hat ein Ende. Am 23. März wurden die Salons geschlossen. Konsequent, bundesweit, ohne Ausnahme für rund 80.000 Betriebe. Am Montag öffnen sie wieder. Die Fachverbände haben hohe Standards festgelegt, mit denen die strengen Hygiene-Auflagen mit Schutzkleidung, Einmalumhängen und Desinfektion zu managen sind.

Der 48-Jährige Roland Schwan hat mit seinem zwölfköpfigen Team ein System entwickelt, Vorbereitungen getroffen. Die Hälfte der Mannschaft wechselt mittags, um das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten. Über Facebook, E-Mail und Telefon läuft die Terminvergabe unter Angabe der persönlichen Daten, um Infektionswege zurückzuverfolgen. „Wir warten ab, wie es funktioniert. Die Pandemie mit dem geforderten Maßnahmepaket ist für uns eine große Herausforderung“, sagt Schwan, der mit dem neu geregelten Berufsalltag sich auch ein Stück weit Normalität erhofft. So auch Peter Sprenger auf dem Vluyner Platz in Neukirchen-Vluyn. „Wir müssen die Menschenströme steuern“, erläutert er eine der Vorgaben. Ohne Gesichtsmaske und Termin läuft nichts.

Der Friseurmeister bietet entsprechend den Auflagen Sitzplätze in anderthalb Meter Abstand zum nächsten Kunden an. Von acht Plätzen sind fünf geblieben. Der Tresenbereich hat einen Plexiglas-Schutz bekommen. Die Mitarbeiterinnen arbeiten mit Mund- und Handschutz. „Kunden werden aufgefordert, pünktlich, einzeln mit Mund-Nasenschutz einzutreten und sich die Hände zu desinfizieren“, sagt der 49-Jährige. Kindern ab dem zehnten Lebensjahr, die selbstständig den Laden betreten und einen Schutz tragen, werden die Haare geschnitten. Sprenger hat wie alle Berufskollegen aufgerüstet. Beispielsweise mit Friseurumhängen und Einmalhandschuhen. „Nach dem Kundenbesuch kommt der Umhang in die Wäsche. Schere, Kamm und Bürsten werden desinfiziert wie auch der Sitzplatz. Wir arbeiten nach höchsten Standards zur Sicherheit unserer Kunden, unseres Teams und all unserer Familien“, betont Sprenger.

Gestrichen ist der Trockenhaarschnitt bei Männern. Auch bei so genannten „Färbekundinnen“ wird das Haar gewaschen, geföhnt, bevor Farbe aufgetragen wird. Zu den weiteren Auflagen heißt es aus dem Rheurdter Salon Dickhaus: „Den Föhn darf der Kunde nicht anfassen, um sich das Haar selber zu föhnen“, sagt Seniorchef Volker Dickhaus. Seine Frau Marlies Dickhaus und Sohn Michel haben die Sitzplätze gekennzeichnet. Von fünf Damensitzplätzen bleiben drei, der Herrensalon bietet statt zwei einen Sitzplatz. „Trotz der Auflagen haben wir alle ein bisschen Entzugserscheinungen“, sagt Volker Dickhaus.

Vom Countdown spricht Friseurmeisterin Michelle Goldau (29). In ihrem Kamp-Lintforter Salon ist alles parat. „Die Terminlage explodiert. Unsere Stimmung ist gut wie auch die unserer Kundschaft. Wir scharren mit den Füßen“, sagt sie. Färben und Schneiden, so die mehrheitlichen Kundenwünsche, sind an drei Plätzen angesagt. Der Mehraufwand an Hygienemaßnahmen kostet, hinzu kommt die reduzierte Kundenzahl. Dafür wird mancher Salon auch montags geöffnet sein. Preise erhöhen sich um zwei Euro, so der Verband Deutscher Friseurunternehmer. Sonstige kosmetische Behandlungen wie Augenbrauen zupfen und Wimpern färben entfallen. „Aus hygienischen Gründen dürfen keine Bärte geschnitten werden“, sagt Peter Sprenger. Roland Schwan ergänzt: „Wir bieten aktuell keine weiteren Wohlfühl-Elemente wie etwa Getränke oder Zeitschriften.“

Friseur-Obermeister Klaus Peter Neske sieht das Regelwerk für die Wiedereröffnung der Salons klar und deutlich formuliert. Sein Appell an Kunden: „Wir brauchen Sie mit Geduld.“ Disziplin sei in der neuen Logistik gefragt.