Moers: Goldmedaille für Reitdress

Moers: Goldmedaille für Reitdress

Vom 50. Bundeskongress des Maßschneiderhandwerks in Dresden brachte Gunda Lippert wieder eine Goldmedaille mit. Ausgezeichnet wurden ein schwarzer Reitfrack und eine weiße Ballonreithose.

Es ist ihre acht Gold-Medaille in Folge. Auch vom 50. Bundeskongress des Maßschneiderhandwerks am vergangenen Sonntag in Dresden brachte Gunda Lippert eine Goldmedaille mit. Und wieder einmal bewies die 41-jährige Herrenschneidermeisterin nicht nur Können, sondern auch Mut. Hatte sie vor zwei Jahren mit einer dreiteiligen Anzug-Kombination in Türkis gewonnen, so setzte Lippert in diesem Jahr auf exklusive Reitmode. Ihrem Mann Claus – Konfektionsgröße 50 – schneiderte sie einen schwarzen Reitfrack und eine weiße Ballonreithose auf den Leib. Sie selbst ging dann in weißer Reithose und rotem Reitrock auf den Laufsteg – und machte eine gute Figur dabei. Außer Urkunde und Medaille haben die Reitsachen noch einen weiteren Nutzen: Gunda und Claus Lippert reiten in ihrer Freizeit bei Familie Schmitz auf dem Gestüt Dongrathshof in Repelen.

Auf die Karte Reitmode zu setzen, ist gar nicht abwegig. Denn rund ein Drittel aller Maßanfertigungen im Hause Heinz Reeker an der Neustraße 26 gehen an Reiter. Zum Beispiel auch an die Olympiasiegerin Nicole Uphoff, deren Foto und Autogramm den Verkaufsraum zieren. Mit dem in Moers geschneiderten Reitdress gewann die Rheinbergerin bei den Olympischen Spielen in Seoul 1988 im Einzelwettbewerb und mit der deutschen Mannschaft die Goldmedaille in der Dressur.

Nach dem Abitur hat Gunda Lippert 1986 bei Heinz Reeker ihre Ausbildung zur Herrenschneiderin absolviert. Die Meisterschule in Düsseldorf schloss sie mit Auszeichnung ab. Heinz Reeker bereitete sie konsequent auf die Übernahme des Traditionshauses vor. Nach 16 Jahren Betriebszugehörigkeit wurde sie am 1. Januar 2002 die neue Inhaberin. 2010 kann der Betrieb sein 100-jähriges Bestehen feiern. In der Schneiderei im ersten Stock arbeiten heute fünf Gesellen und drei Azubis.

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Stoffe aus Italien

Das Maßatelier hat das ganze Jahr über gut zu tun. Die Kunden kommen von Hamburg bis München, Maßschneidereien gibt es immer weniger, höchstens 50 in ganz Deutschland. Individualisten, die das nötige Geld dazu übrig haben, legen Wert auf gute Passform. Meistens sind es Manager und Banker, die korrekt gekleidet sein müssen, sich aber wohlfühlen wollen. Anspruchsvolle Nähtechnik und leichtere Stoffe, mehr italienische als englische, machen es möglich. Und wenn im Adel mal wieder Bedarf nach Frack oder Cut entsteht, kann Gunda Lippert auch dabei weiterhelfen.

(RP)
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