Gleich zwei Handarbeitsläden schließen in Moers

Geschäftsaufgabe in Moers : Am Ende des Wollknäuels angelangt

Nach Jahrzehnten schließen in der Moerser City und in Meerbeck gleich zwei Wollgeschäfte. Die Betreiber gehen aus Altersgründen. Der Handarbeitstrend hält noch an.

Alteingesessen sind diese Adressen, wenn es um Wolle und das flotte Spiel der Nadeln geht. Und doch steht nun das Ende bevor: Am Donnerstag, 16. Januar, schließen Ulrike Schmidt und ihr Mann Reinhold ihren Laden Majas Maschenmode in Meerbeck.

Die Zwickauer Straße 21 war seit 1985 Anlaufstelle für diejenigen, die strickten, häkelten oder stickten. Ihre Mutter Marianne Maiß eröffnete den Laden, 2001 übernahm Ulrike Schmidt. „Ich bin eigentlich gelernte Finanzbuchhalterin. Aber auch in einem Handarbeitsfachgeschäft muss die Kasse stimmen“, sagt sie. Mit Bestürzung reagieren die Kundinnen auf die Hiobsbotschaft, dass Majas Maschenmode für immer die Pforten schließt. Manches Tränchen fließt, denn über den Wollkauf haben sich in den Jahren Beziehungen entwickelt. Das Geschäft war Kommunikationsort. „Wir haben mit 65 Jahren das Rentenalter“, erklären die Schmidts. Ganz leicht falle der Entschluss nicht, „denn für meine Frau ist der Laden Lebenselixier“, verrät ihr Mann Reinhold.

Besonders, als vor einigen Jahren ein Krankenhausaufenthalt nötig wurde, sorgte der Laden zusammen mit der Kundschaft dafür, dass die Lebensgeister zurückkehrten. Reha mal anders. „Der Laden hat mir wieder Kraft gegeben. Aber irgendwann kommt für uns auch die Zeit, in Rente zu gehen“, sagt Ulrike Schmidt schweren Herzens. „Wir haben jetzt Zeit, uns von unserer treuen Kundschaft zu verabschieden.“

Ende Februar schließt auch Gabi van de Vorle ihren Handarbeitsladen auf der Neustraße. Foto: Sabine Hannemann

Ende Februar macht auf der Neustraße Gabi van de Vorle ebenfalls aus Altersgründen ihren Laden zu, den sie 2014 von Ingrid Scholten übernahm. Damit geht eine über 50-jährige Ära an der Neustraße zu Ende. Nachfolger werden für beide Geschäfte gesucht. „Ich bin aus Liebe zum Hobby zum Wollgeschäft gekommen“, sagt Gabi van de Vorle. 2009 eröffnete sie in Alpen mit einer Kollegin ein Handarbeitsgeschäft, wechselte später nach Moers. „Ich habe von klein auf gestrickt, dann aber eine kaufmännische Ausbildung gemacht“, erzählt sie.

Das bewährte Sortiment an beiden Standorten in Moers ließ die Herzen der Kundschaft höher schlagen. Wollen der verschiedensten Qualitäten, Strickhefte, Stricknadeln in diversen Ausführungen als Spiel, Rundnadel oder als Strickseil waren erhältlich. Häkelnadeln und andere Kurzwaren machten die Fachgeschäfte aus. Hinzukamen Stickstoffe und -garne.

Gratis gab es jede Menge Erfahrung dazu, die die Kunden immer wieder gerne abfragten. „Gestrickt wurde immer, aber das Geschäft verläuft in Wellen“, sagt Gabi van de Vorle. Internet und warme Sommer machten sich bemerkbar. Mancher Trend erweise sich als Eintagsfliege. Schwer seien die 1990er Jahre gewesen, so Reinhold Schmidt. Für Aufwind sorgen nun schon seit Jahren die bunten Strumpfwollen. Schals mit unterschiedlichen Farben und Stricktechniken boomen aktuell. „Gerade jetzt erleben wir ein Revival“, freut sich Ulrike Schmidt. Die 1980er Jahre kommen modisch mit Wucht zurück und haben vor zwei Jahren das Wollland Italien erreicht. „Bei uns ist alles später oder wird in der Branche einfach verschlafen“, so Ulrike Schmidt.

Nicht nur erfahrene Strickerinnen nadeln, was das Zeug hält. „Wir erleben junge Mütter, die für ihre Kinder stricken, wenn Mama und Oma zeigen, wie es geht“, so Ulrike Schmidt. Angesagt sind ebenfalls Mützen, Schals und Topflappen. „Aber auf die richtigen Wollqualitäten kommt es an. Plastik kommt bei mir nicht über den Ladentisch“, so Ulrike Schmidt. Auch wenn das Internet heute den Einkauf bestimmt, Woll- und Stoffkauf bleibt Vertrauenssache. „Wolle muss man in der Hand haben“, so Gabi van de Vorle. Das Geheimnis ums Stricken, Stricken und Häkeln lüften sie spontan. „Handarbeit ist wie Therapie, die in Gemeinschaft guttut“, sagen die beiden. „Stricken wirkt selbst bei erschöpften Managern wahre Wunder“, ergänzt Ulrike Schmidt.