Serie "Die neuen Alten": Gisela Gebhard auf den Spuren ihrer Vorfahren

Serie "Die neuen Alten" : Gisela Gebhard auf den Spuren ihrer Vorfahren

Die 92-Jährige hat ihren Stammbaum bis ins 17. Jahrhundert zurück verfolgt. Dabei findet Sie Großteile ihrer Familie in der USA wieder.

Eltern, Großeltern und Urgroßeltern - diese Namen können sich die meisten noch merken. Doch wie sieht es aus mit den Ururgroßeltern oder mit der Ururgroßnichte? Für viele hört da der Stammbaum auf. Jedoch nicht bei Gisela Gebhard. Denn die 92-jährige hat ihren Stammbaum bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts zurück verfolgt und ist auf interessante Entdeckungen gestoßen.

Angefangen hat die Stammbaumforschung der Familie Gebhard mit einer traurigen Geschichte. "Meine Eltern mussten beweisen, dass sie arischer Herkunft sind", erinnerte sich Gisela Gebhard. So musste die Familie zur Zeit des Nationalsozialismus herausfinden, ob ihre Großeltern arischer Herkunft waren. Ihr Vater fing gezwungenermaßen mit der Ahnenforschung an.

Ein altes Testament aus dem Jahre 1662 habe dabei sehr geholfen. Das Testament stammt von einem bekannten ehemaligen Brieger Bürgermeister, der aus der Familie ihres Vaters stammt. "Sein Erbe ging an die Nachkommen seines Cousins", erklärte Gisela Gebhard. Da er selber keine Kinder mehr hatte, bekamen die Frauen der Familie eine Aussteuer und die Männer einen Ausbildungszuschuss. Das Geld des vermögenden Mannes hielt sich bis zur Inflation, dann ging es verloren. Dank dieses Testaments ließ sich der Familienstammbaum der Familie ihres Vaters recht schnell zurück verfolgen.

Die weiteren Nachforschungen hat Gisela Gebhard dann übernommen. "Ich interessiere mich einfach für Schicksale", sagte die gebürtige Frankfurterin. Besonders auffällig ist die Ausreiselust der Familie nach Amerika. Bereits ihr Großvater ist für einige Jahre nach Amerika ausgewandert, kam aber zur Militärpflicht wieder zurück nach Deutschland. Doch Gisela Gebhard hat mehrere Verwandte in Kalifornien: Nach dem heftigen Erdbeben im Jahre 1905 habe sich ihr Onkel, der zur See ging, als amerikanischer Staatsbürger ausgegeben. Da die Häuser alle vollkommen zerstört waren, behauptete dieser, er käme aus "Germantown", einer kleinen Stadt in Philadelphia. Nach dem Krieg waren diese Beziehungen wichtig - oft bekam ihre Familie Pakete von ihren Verwandten aus Amerika. Bei einer Amerikareise hat sie einige ihrer amerikanischen Verwandten auch kennengelernt. "Jetzt wohnt meint Enkel beruflich in Kalifornien", sagte Gisela Gebhard. Und das ganz in der Nähe ihrer damaligen Verwandten.

In der Essküche der Familie hängt ein selbst gebastelter Familienstammbaum des Ehepaars Gebhards, der die Familienverhältnisse bis in frühe 17. Jahrhundert dokumentiert. Weiter forschen will Gisela Gebhard jedoch nicht und kann es auch nicht. "Vieles geht zurück nach Schlesien und ist zerstört", berichtete sie.

Der Artikel entstand in Kooperation der Rheinischen Post mit der Volksbank Niederrhein.

(anli)
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