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Gilde in Moers: Regionaltreffen der gewandeten Gästeführer

Gilde in Moers : Regionaltreffen der gewandeten Gästeführer

Das ganze Wochenende über gibt es Programm mit mehreren Führungen, denn die Gilde veranstaltet ihr jährliches Regionaltreffen Nord-West.

Zehn Uhr morgens am Samstag, ein Getute aus einem Dutzend Tierhörnern und Trompeten schallt durch die Moerser Innenstadt: Die deutsche Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren trifft sich zu einem Rundgang durch Moers. Etwa 35 mittelalterlich gekleidete Nachtwächter, Ritter, Quacksalber, Weber, Ritter und andere und knapp 20 Zuschauer lassen sich von der Moerser Stadtführerin Anne-Rose Fusenig die Innenstadt und das Schloss zeigen.

Das ganze Wochenende über gibt es Programm mit mehreren Führungen, denn die Gilde veranstaltet ihr jährliches Regionaltreffen Nord-West. Natürlich liegt einiges Organisatorisches an, es ist aber auch eine Gelegenheit, sich wiederzusehen, weiterzubilden und auszutauschen und die Geschichte einer anderen Stadt kennenzulernen. „Wir als Gildenmitglieder fühlen uns als große Familie“, sagt Fusenig. Insgesamt hat die Gilde, 2004 von elf Menschen gegründet, mittlerweile 230 Mitglieder. Sie sind allesamt gewandete Gästeführer und kommen aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden und Frankreich.

Das Gewand ist kein Kostüm – „das trägt man zu Karneval“, sagt Fusenig – und keine Verkleidung. „Wenn wir unsere Gewänder tragen, dann sind wir die Figur“, betont Schatzmeister Gerhard Mestwerdt, der als Ratsnachtwächter Heinerich durch Springe am Deister zieht. „Ich stelle den Süchtelgeist nicht dar, ich bin es“, stimmt Elvira Wittich zu. Ihre Figur ist ein Berggeist aus dem Weserbergland, wie Rübezahl zum Riesengebirge gehört. Manche Gästeführer haben zwei oder drei Gewänder mit dazugehörenden Rollen.

Fusenig führt in der traditionellen Grafschafter Tracht durch Moers. „Wir verkörpern echte Menschen zur damaligen Zeit“, sagt sie, so wird die Vergangenheit anschaulich und authentisch dargestellt. Sie erzählt bei ihrer Führung schlaglichtartig aus der Moerser Geschichte, etwa, dass im Grafenhaus, in dem heute die Löwenapotheke ist, früher Friedensverträge geschlossen wurden. An jeder Station stellen sich ein oder zwei von Fusenigs Gildenkollegen vor, erzählen kleine Anekdoten aus ihren Städten; Magister Speculatius, selbsternannter Quacksalber und Besserwisser, zeigt eine Wunderheilung mit einem Fläschchen Schnaps; Ralf Edler trägt eine düstere Moorballade vor; Herbert Huer singt „Schockschwerenot, mein Eheweib ist tot“.

Die Moerser Teilnehmer kommen auf dem Weg von Station zu Station mit den Nachtwächtern ins Gespräch, letztere nutzen die Gelegenheit, um Flyer zu verteilen und die Menschen in ihre Städte einzuladen. Die Zuschauer finden das gut: So könne man „auch über die Stadtmauer hinausschauen“ und die Geschichte anderer Orte erfahren. Das nächste Regionaltreffen findet im kommenden Jahr in Hameln statt.