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Moers: Geständnis als Schutz vor Selbstmord?

Moers : Geständnis als Schutz vor Selbstmord?

Vor sechs Jahren soll ein Brüderpaar eine Tankstelle an der Klever Straße in Moers überfallen haben, vor vier Jahren tauchte einer der beiden Männer bei der Polizei auf und gestand die Tat – doch daran kann er sich nicht mehr erinnern.

Vor sechs Jahren soll ein Brüderpaar eine Tankstelle an der Klever Straße in Moers überfallen haben, vor vier Jahren tauchte einer der beiden Männer bei der Polizei auf und gestand die Tat — doch daran kann er sich nicht mehr erinnern.

Und so hatte am zweiten Verhandlungstag im Prozess gegen Christopher (32) und Dennis L. (30) vor dem Landgericht Kleve der psychiatrische Gutachter das Wort. Ausführlich schilderte der Mediziner die Drogenvergangenheit von Christopher L., die mit halluzinogenen Pilzen auf dem Jazz-Festival in Moers begann und über Alkohol hin zu Amphetaminen führte, von denen er zuletzt acht Gramm pro Tag einnahm.

Warum aber ging er zur Polizei und bezichtigte sich des Überfalls? "Es könnte sein, dass er zur Polizei gegangen ist, um Schutz zu suchen", so der Gutachter. L. war depressiv, hatte Selbstmordgedanken. Möglicherweise habe er sich sogar selbst falsch belastet, vielleicht die Tat eines ehemaligen Freundes geschildert.

Eine andere Theorie sei, dass er eine Lebensbeichte habe ablegen wollen. Dazu passe, dass er sich einen Monat nach seinem Geständnis in therapeutische Behandlung begab. Auch der ehemalige Therapeut kam zu Wort, der eine Behandlung schilderte, die über zweieinhalb Jahre dauerte, mit Schwierigkeiten begann, dann aber ein geradezu lehrbuchhafter Erfolg wurde: Christopher L. nimmt heute keine Drogen mehr, lebt selbstständig und geht einer geregelten Arbeit nach. Sein Gutachter konnte nur noch eine unnatürliche Verschlossenheit und Selbstperfektionismus feststellen.

Dies wiederum könnte der Schlüssel zu einer weiteren Theorie sein: Falls Christopher L. die Tat begangen haben sollte, passt sie einfach nicht zu dem hohen Selbstbild, das er von sich hat — und wird deswegen komplett ausgeblendet. Der nächste Verhandlungstag ist am 10. Oktober. Dann wird unter anderem noch der Sachverständige zu Wort kommen, der auf Antrag der Staatsanwaltschaft ein Gutachten zur Wiedererkennbarkeit der Personen abliefern soll, die auf dem Video vom Überfall zu sehen sind.

(dau)