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Moers: Geocaching macht Geschichte greifbar

Moers : Geocaching macht Geschichte greifbar

Um den Krieg und das Schicksal der Juden geht es beim Projekt "Zeitzeichen". Kirchenkreis und der Verein "Erinnern für die Zukunft" arbeiten zusammen.

Die "Operation Hurricane" brachte Tod und Vernichtung. Der Name steht für die Bombenangriffe auf Duisburg am 14. und 15. Oktober 1944. 10 000 Tonnen Bomben soll die Royal Air Force innerhalb eines Tages abgeworfen haben. Mehr als 2500 Menschen starben. Auch Homberg wurde von den Bomben getroffen. Eine Gedenkstätte an der Homberger Friedhofsallee erinnert daran. "Ganze Familien liegen da", sagt Lutz Zemke, Referent für Jugend- und Erwachsenenbildung des Kirchenkreises Moers. Er arbeitet mit an einem Projekt bei dem dieser und andere geschichtsträchtige Orte besucht und näher kennengelernt werden können. Um möglichst auch junge Leute anzusprechen, wird die "Spurensuche zu Orten der Erinnerungskultur" mit dem Freizeit-Trend Geocaching verknüpft.

"Cache" heißt so viel wie Versteck. Beim Geocaching geht es normalerweise darum, kleine, irgendwo verborgene Gegenstände anhand von Routenbeschreibungen und Positionsdaten zu finden. Ein GPS-Gerät oder ein Smartphone helfen dabei. "Unsere Caches sind QR-Codes", erläutert Paul Dettmering, der "Zeitzeichen" technisch betreut. Aufkleber mit den QR-Codes werden zum Beispiel an der erwähnten Gedenkstätte in Homberg, aber auch an anderen Orten im Kirchenkreis angebracht. Wer einen Code findet und per Smartphone scannt, bekommt Zugang zu Fotos und Informationen zum Fundort.

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Die Beschäftigung mit Geschichte im Allgemeinen und der NS-Zeit im Besonderen habe Tradition im Kirchenkreis, sagt Superintendent Ferdinand Isigkeit. "Das sind Themen, die wir bearbeiten müssen, auch mit dem kritischen Blick auf uns selbst." So starten die "Zeitzeichen" offiziell am 9. Mai, dem 70. Jahrestag des Kriegsendes. Und die Orte, um die es zunächst geht, haben mit dem Krieg oder der Geschichte der Juden zu tun. In Moers werden QR-Codes zum Beispiel am Alten Landratsamt und dem Synagogenbogen angebracht. In Kamp-Lintfort am Casino im Park, wo gegen Ende des Kriegs Churchill und Eisenhower speisten. In Bönninghardt am ehemaligen Flughafen "Brausebad". In Alpen am Haus der jüdischen Familie Misch. In Rheinberg (falls die Erlaubnis erteilt wird) am Alliierten Soldatenfriedhof. Daten zur Lage der Caches stehen auf der Internetseite www.zeit-zeichen.org. Sie wird am Wochenende, spätestens aber am Montag freigeschaltet. Wer keine Lust auf Geocaching hat, kann die Informationen zu den Orten auch am PC abrufen. "Wir wollen die guten Inhalte nicht total verstecken", sagt Dettmering.

Für die guten Inhalte ist auch der Moerser Verein "Erinnern für die Zukunft" verantwortlich, der gemeinsam mit dem Neuen Evangelischen Forum Kirchenkreis Moers Träger von "Zeitzeichen" ist. "Das Projekt ermöglicht jungen Leuten, an Dokumente zu kommen, die wir über Jahrzehnte gesammelt haben", freut sich der Vereinsvorsitzende Bernhard Schmidt. Das Evangelische Erwachsenenbildungswerk Nordrhein und die Evangelische Jugend im Rheinland übernehmen einen großen Teil der 24 000 Euro Projektkosten.

Lutz Zemke geht davon aus, dass "Zeitzeichen" in den nächsten Jahren ausgebaut wird. Schulklassen oder Jugendgruppen sind aufgerufen, selbst Orte des Erinnerns zu erschließen und an den Kirchenkreis heranzutragen. "Schüler könnten zum Beispiel Zeitzeugen zu bestimmten Orten befragen." Man könnte andere Kirchenkreise einbinden und Touren von Cache zu Cache ausarbeiten, sagt Zemke. Auch sei eine thematische Erweiterung denkbar, zum Beispiel um die Bereiche "Großindustrie und Bergbau" oder "Reformation", was gut ins Jubiläumsjahr 2017 (500 Jahre Reformation) passen würde.

(RP)