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Gegen die Klischees der Pflege kämpfen

Pflege – eine Serie von Rheinscher Post und St.-Clemens-Hospital Geldern : Gegen die Klischees der Pflege kämpfen

Als Pfleger zu arbeiten, bedeutet viel mehr, als Essen zu bringen und Patienten zu waschen. Doch die Branche hinkt ihrem Image hinterher. Das will Andreas Kohlschreiber mit seinem Team vom St.-Clemens-Hospital in Geldern ändern.

Pflege ist einer der erfüllendsten Berufe, die es gibt. Darin ist sich das Team des Pflegemanagements im St.-Clemens-Hospital einig. 340 Mitarbeiter umfasst der Pflegedienst des Krankenhauses, darunter rund 100 Fachkräfte mit Zusatzqualifikation. Und Heilberufe, so Pflegedirektor Andreas Kohlschreiber, seien viel abwechslungsreicher und anspruchsvoller als in der Vorstellung vieler Menschen.

„Es ist vor allem die Vielfalt, die diesen Beruf ausmacht“, sagt Martin Raab. Er arbeitet als Krankenpfleger, ist verantwortlich für die Auszubildenden am Krankenhaus und studiert berufsbegleitend Pflegemanagement‎. In der Gelderner Klinik lassen sich die Pflegemitarbeiter auf zwei Bereiche verteilen: den Pflegedienst mit 248 und den Funktionsdienst mit 92 Angestellten. Der Pflegedienst beinhaltet die Versorgung der Patienten am Krankenbett und auf den Stationen. Zum Funktionsdienst gehört die Assistenz im Operationssaal, bei der Anästhesie oder in der Notaufnahme.

Für Mario Gerdes, der seit 25 Jahren als Pfleger im St.-Clemens-Hospital arbeitet, ist es die tägliche Herausforderung, die den Pflegeberuf attraktiv macht. „Pflege bedeutet viel mehr, als Verbände wechseln und Medikamente stellen. Denn professionelle Pflege hat einen ganzheitlichen Ansatz und orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen des Patienten.“ Und nicht nur das. Auch die Angehörigenarbeit und -beratung nimmt immer mehr Raum ein, weiß Pflegetrainerin Monika Friemel.

Tatsächlich ist die Pflege eine wachsende Branche. Laut Bundesgesundheitsministerium ist die Zahl der Beschäftigten allein von 2013 bis 2015 bei ambulanten Pflegediensten und stationären Pflegeeinrichtungen mit rund 80.000 Stellen um etwa acht Prozent angestiegen. Deutschlandweit sind knapp 1,1 Millionen Personen in der Pflege beschäftigt, mehr als 85 Prozent sind Frauen. Die Zahl der nicht besetzten Stellen wird auf 25.000 bis 30.000 geschätzt.

„Der Bedarf ist hoch“, bestätigt Kohlschreiber. Zwar habe man in Geldern keine Stellen abgebaut, aber der Pflegedienst konnte aufgrund fehlender Finanzierung nicht an die gestiegenen Patientenzahlen angepasst werden. „Das ändert sich jetzt langsam.“ Anteil daran haben auch das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz und die „Aktion Pflege“. Durch die gesetzliche Reform wurden seit dem 1. Januar Personaluntergrenzen festgelegt und 13.000 neue Stellen für Pflegekräfte in stationären Einrichtungen gefördert.

Die „Aktion Pflege“ der Bundesregierung soll die Ausbildung in Pflegeberufen verbessern und attraktiver gestalten. Bis zum Jahr 2023 soll die Zahl der Pflege-Azubis um zehn Prozent steigen. Außerdem werden mehr Ausbildungs- und Weiterbildungsplätze geschaffen und die Weiterbildung von Pflegehelfern zu Pflegefachkräften wird in Zukunft vergütet.

Für den Einstieg in die Pflege empfiehlt Martin Raab vom St.-Clemens-Hospital immer ein Praktikum. „Das ist Voraussetzung für eine Ausbildung“, sagt der Verantwortliche für die Pflegeschüler. „Der Beruf ist geprägt von Nähe und Distanz, das muss man können.“ Auch Einsätze am Wochenende und Nachtschichten gehören mitunter dazu, dazu müssten Bewerber bereit sein.

Wer als Azubi in der Gelderner Klinik startet, durchläuft alle Stationen von Geburt bis Geriatrie. Hinzu kommen Einsätze in der Altenhilfe und der ambulanten Pflege. Das Gehalt sei besser, als es sich viele vorstellen: 1040 Euro verdienen die Azubis für Gesundheits- und Krankenpflege im ersten Ausbildungsjahr. 40 Pflegeschüler hat das Krankenhaus. Die Ausbildungsstellen wurden dem hohen Bedarf angepasst. Seit zwei Jahren gibt es neben dem Start im September zusätzlich einen Ausbildungsbeginn im April.

„Wie qualifiziert eine Ausbildung in der Pflege ist, beweist die Tatsache, dass unsere Schüler nach wie vor mit einem Staatsexamen abschließen. Das wird im Pflegeberufereformgesetz fortgeschrieben, das ab 2020 die Ausbildung regelt“, sagt Andreas Kohlschreiber. Und auch danach ist dem Pflegedirektor daran gelegen, seine Mitarbeiter zu fördern und weiterzubilden. „Welche Talente haben die Mitarbeiter? In welche Richtung wollen sie gehen? Welche Weiterbildung passt?“, sagt Kohlschreiber. „Das sind die Fragen, die wir uns stellen.“ Und das mit Erfolg. Die Fluktuation im St.-Clemens-Hospital ist gering. Kohlschreiber fasst es in Worte: „Wer einmal da ist, will auch bleiben.“