Moers: Gefährlich: Fußgänger in Huelva

Moers : Gefährlich: Fußgänger in Huelva

Jan Franzen ist zu einem Auslandssemester nach Andalusien aufgebrochen. Heute berichtet er, dass grünes Licht der Ampeln dort für Fußgänger wohl nur eine unverbindliche Empfehlung ist. Außerdem ist das Risiko in Huelva sehr groß, als Fußgänger in einen Hundehaufen zu treten.

Huelva/Neukirchen-Vluyn Ich bin in Huelva angekommen. Damit meine ich jedoch nicht meine Ankunft vor knapp drei Wochen, sondern meine Einstellung zum hiesigen Leben. Sich in Huelva wohl zu fühlen, ist jedoch auch ein einfaches Unterfangen. Die Sonne scheint so gut wie immer, die Menschen begegnen einem mit Freundlichkeit, und auch der Anschluss zu anderen Erasmus-Studenten ist schnell gefunden.

Man trifft sich in der Stadt, am Strand, abends in Bars und Kneipen oder natürlich beim einmonatigen Intensiv-Sprachkurs. Diesen besuche ich noch bis Ende des Monats täglich, um mein Spanisch weiter zu verbessern. Der Weg durch die Straßen Huelvas zur Universität bedarf, wie ich finde, wegen einiger Kuriositäten einer kurzen Beschreibung.

An die Ungeduld gewöhnt

Entschließt man sich dazu, den Weg durch die Stadt zu Fuß zurückzulegen, so fallen bald einige Besonderheiten auf. Um die Straße zu überqueren, ist erhöhte Aufmerksamkeit vonnöten. Denn auf eines sollte man sich hier nicht verlassen: die Ampelschaltung. Nach wenigen Tagen erschienen mir die verschiedenen Farben der Ampeln fast schon eher der Farbgestaltung des Stadtbildes beizutragen, als dass sie den Verkehr regelten. Fußgänger gehen nämlich eigentlich immer, wenn sie den Straßenrand erreichen und das Auto mehr als zwei Meter von ihnen entfernt ist. Hat man als Fußgänger dann mal Grün, kann es vorkommen, dass die ankommenden Autos nur ein orange blinkendes Licht zu sehen bekommen, also fahren dürfen, wenn sich eine passende Lücke zwischen den Fußgängern findet.

Ich selbst muss mir leider eingestehen, dass ich mich viel zu schnell an diese Ungeduld gewöhnt habe und bei der Farbe Rot nicht immer stehen bleibe. Hat man es dann aber sicher über die Straße geschafft und macht sich weiter auf den Weg über die Bürgersteige Huelvas, sollte man auch jetzt keinesfalls in zu große Träumereien verfallen – zumindest nicht ohne das Risiko, seine Schuhe dreckig zu machen. In regelmäßigen Abständen finden sich hier nämlich so viele Hundehaufen, dass sie den Weg durch die Stadt zu einem regelrechten Hindernisparcours machen. Bisher hatte ich jedoch Glück und konnte ihn immer bezwingen, ohne Opfer eines Hundegeschäfts zu werden. Ist es einem bei all diesen Strapazen lieber, mit dem Bus zu fahren, so ist auch dies kein Problem.

Das Busfahren ist in und um Huelva sehr beliebt. Legt man auch weitere Strecken ins Umland zurück, so wird der Bus dem Zug meistens vorgezogen. Und das zu unschlagbaren Preisen, vergleicht man sie etwa mit den deutschen. Eine Fahrt durch die ganze Stadt kostet 80 Cent, eine Strecke in das sechs Stunden entfernte Madrid gerade mal 20 Euro. Wirklich interessant sind die hiesigen Buspläne an den Haltestellen.

Neue Leute im Bus kennenlernen

Übersichtlich aufgelistet findet man jede Haltestelle der jeweiligen Linie; auf einem Stadtplan sind die Routen farblich eingezeichnet, so dass man den Weg des Busses genauesten verfolgen kann. Das einzige und nicht gerade belangloseste, was jedoch nicht zu finden ist, sind die Fahrtzeiten. So stellt man sich einfach an die Haltestelle und wartet. Mein erster Eindruck nach der anfänglichen Eingewöhnungszeit, fällt durchweg positiv aus. Es ist schön, immer wieder neue Leute aus vielen verschiedenen Ländern kennenzulernen, so dass ich auch mein Englisch ein wenig verbessern kann. Doch hoffe ich natürlich sehr, bald zudem Kontakt zu Einheimischen knüpfen zu können. Ich glaube, mit dieser Stadt und Universität die richtige Entscheidung getroffen zu haben und bin sehr gespannt auf den Unialltag, der in etwa zwei Wochen beginnen wird. Doch bis dahin werde ich mich auch morgen wieder auf den Weg zum Sprachkurs machen. Wenn denn ein Bus kommt.

(RP)
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