Klingelbeutel: Gebet to go

Klingelbeutel : Gebet to go

Gebete zum Mitnehmen gibt es neuerdings im Erzbistum Köln im sogenannten Gebetomaten. Bei genauem Nachdenken kommt man zum Schluss: Vielleicht ist die Idee gar nicht so dumm!

Karnevalsscherz" - habe ich zunächst gedacht, als uns Freunde einen Artikel aus dem Kölner Stadtanzeiger zukommen ließen: Da gibt es doch wirklich und wahrhaftig einen Gebetomaten, das ist eine umfunktionierte Passfoto-Kabine. Man setzt sich hinter den Vorhang und kann mit einem Fingertipp auf dem Bildschirm den Automaten dazu bewegen, ein Gebet zum Mitnehmen auszuspucken. Man hat die Wahl zwischen 65 Sprachen, 320 Ländern, den fünf großen Weltreligionen und -zig anderen Glaubensgemeinschaften inclusive Naturreligionen. Weltweit gibt es sechs solcher Ein-Quadratmeter-Gebetsräume. Das Erzbistum Köln hat einen davon für ein Jahr gebucht, und der steht momentan in einer Förderschule in Sankt Augustin. Wem der Gebetomat seltsam vorkommt, der beachte die Reaktionen der Jugendlichen: Sie reichen von "cool" bis "das hilft zum Glauben". Alberne Sprüche über den Gebetomaten gibt es hingegen nicht. Vielleicht ist die Idee ja auch gar nicht so dumm! Vielleicht gibt es ganz andere Zugänge zum Glauben, als wir ahnen. Und auch mehr Sehnsucht nach Gebet, als wir vermuten. Aber wo soll man das sagen? In unseren Kirchen gibt es ja nur die eine Form, die liturgische. Und zuhause bekommt man es ja nur noch selten beigebracht, geschweige denn vorgelebt. Dabei ist beten so einfach. Beten kann man überall und zu jeder Zeit: einfach Gott sagen, was ich auf dem Herzen habe. Direkt, ungefiltert und unzensiert. Ich glaube fest, Gott hört es bestimmt. Wenn der Gebetomat also ein Anstoß zum Beten ist, ist er allemal eine gute Sache. Da bekommt dann der Vers 6 aus Matthäus 6 eine ganz neue Bedeutung: "Geh in dein Kämmerlein und bete."

BARBARA WEYAND, PFARRERIN DER EV. KIRCHENGEMEINDE MEERBECK

(RP)
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