Moers: Geballte Ladung Wortwitz an zwei Abenden

Moers: Geballte Ladung Wortwitz an zwei Abenden

Als schwarzes Schaf und dennoch Teil einer großen Herde, so sah sich der bekannte, vor fünf Jahren verstorbene Kabarettist Hanns Dieter Hüsch stets selbst, und genau so wünschte er sich seine Nachfolger, als er 1999 mit der Chefin des Duisburger Kulturlokals "Die Säule" Martina Linn zusammen den kabarettistischen Nachwuchspreis "Das Schwarze Schaf" ins Leben rief. Damals konnte er den erstmals in diesem Jahr ermittelten Preissieger Matthias Brodowy noch persönlich auf der Bühne begrüßen, danach erlebte er bis zu seinem Tod am 6. Dezember 2005 alle weiteren Preisverleihungen nur noch vom Krankenbett aus.

Doch sein Vermächtnis lebt weiter und belegt nach dem "Deutschen Kleinkunstpreis" und dem "Prix Pantheon" heute den drittbesten Platz in der Hierarchie der deutschen Kabarettpreise, wie Martina Linn den Gästen der Vorentscheidung des "Schwarzen Schafes" am Mittwoch im komplett ausverkauften Kammermusiksaal der Moerser Musikschule zur Begrüßung erklärte.

Publikumsliebling in Moers

Nach Wesel, Krefeld und Emmerich war Moers der letzte Austragungsort des alle zwei Jahre stattfindenden kabarettistischen Wettbewerbs, zu dem sich in diesem Jahr rund 70 Bewerber gemeldet und schließlich 16 eine weiterführende Chance erhalten hatten. In zwei Gruppen zu je acht mussten sie sich in mindestens zwei der beteiligten Städte an zwei aufeinander folgenden Abenden dem Urteil einer sowohl regional als auch überregional besetzten Jury stellen. Von den acht in Moers auftretenden Künstlern präsentierten sich am Mittwoch und Donnerstag je vier im Kammermusiksaal. Ihr Auftritt bildet den Abschluss des Wettbewerbs, so dass gestern bereits die sechs Besten bekannt gegeben werden konnten, die dann am 24. April im Finale im Duisburger Theater am Marientor gegen einander antreten werden. Erst da zeigt sich, wer von ihnen das nächste "Schwarze Schaf" sein wird.

Wortwitzig waren sie alle, wie allein die vier Wettbewerbsteilnehmer am Mittwoch schon auf beeindruckende Weise zeigten. Jeder hatte 20 Minuten Zeit, dem Publikum sein Können vorzuführen, wobei nach dem Willen von Hanns Dieter Hüsch der Schwerpunkt ihres Vortrages aus politisch gesellschaftlichem Wortkabarett mit selbst verfassten Texten bestehen musste. Darüber hinaus durften alle Bewerber vorher nicht länger als fünf Jahre als Profis gearbeitet haben, denn das "Schwarze Schaf" ist ein Nachwuchspreis.

Am Mittwoch war noch alles offen, wenn auch das Publikum an diesem Abend mit dem Orchestermusiker Michael Sens schon seinen eigenen Favoriten kürte, was aber letztendlich nicht unbedingt mit der abschließenden Meinung der Jury am gestrigen Donnerstag übereinstimmen musste.

(RP)