Rheurdt: Fußball ist wichtig, doch Gott ist wichtiger

Rheurdt : Fußball ist wichtig, doch Gott ist wichtiger

Pfarrer Charles Onuh unterstützt bis Ende September Pfarrer Norbert Derrix an St. Martinus Rheurdt. Zur Fußball-WM schlagen zwei Herzen in seiner Brust.

Charles Onuh kennt die Leidenschaft der Deutschen für den Fußball. "Ich will mir die Spiele von Deutschland anschauen, und natürlich von Nigeria", erzählt der Pfarrer, der bis Ende September in der katholischen Pfarrgemeinde St. Martinus Pfarrer Norbert Derrix unterstützt. "Ich bin in beiden Ländern zu Hause - und drücke beiden Mannschaften die Daumen. Wenn Deutschland gegen Nigeria spielen sollte, wüsste ich nicht: Für wen bin ich? Wahrscheinlich würde ich mir wünschen, dass Nigeria gewinnt. Heimatland ist Heimatland. Und Nigeria soll diesmal eine gute Mannschaft haben."

Der gebürtige Nigerianer, der am 21. Juli seinen 66. Geburtstag feiert, schaut gerne Fußball. "Aber ich bin niemand, der am Tag fünf Stunden vor dem Fernseher sitzt, um alle Spiele und Analysen zu gucken", sagt der promovierte theologische Anthropologe. "Das würde mich verrückt machen. Außerdem hätte ich dann nicht mehr Zeit für die wichtigste Sache im Leben, meinen Gott, und das Gespräch mit ihm, mein Gebet."

Onuh wuchs mit zwölf Brüdern und Schwestern in Ugbaike, einem Teil der Großstadt Enugu-Ezike, auf. Sein Vater war Grundschullehrer und unterrichtete auch katholische Religion. "An der Westküste Afrikas, in Nigeria, folgen alle einer Religion", erzählt Charles Onuh, dessen zweiter Vorname Okechukwu "Schöpfung Gottes" bedeutet. "Alle glauben an einen Gott, entweder einen Gott in der Natur, einen christlichen Gott oder einen muslimischen Allah." Er hat sich für das Christentum entschieden, bei dem der Weg zu Gott, zum Leben, über Jesus Christus, sein Leiden und seinen Tod, zur Auferstehung führt. "Man kann das richtige ewige Leben nur finden, wenn man den Tod entdeckt, sich mit ihm auseinandersetzt", erläutert er auf Deutsch, das er neben seiner Stammsprache Igbo, der nigerianischen Amtssprache Englisch und Italienisch spricht.

Da in Nigeria, einem Land mit rund 190.000 Millionen Einwohnern, viele Menschen gläubig sind, sind die Gottesdienste voll. "Es kommen mehrere 1000 Gläubige", berichtet der Pfarrer der nigerianischen Gemeinde Ihe-Owerre im Bistum Nsukka, der ein halbes Sabbatjahr in Deutschland verbringt, wo er seit drei Jahrzehnten kurzzeitig immer wieder an verschiedenen Orten im Dienst war. "Die Kommunion auszuteilen, kann schon einmal eine Dreiviertelstunde dauern, weil das in Nigeria nur Priester, Diakone oder Seminaristen dürfen. Manchmal gibt es in einer Messe 20 Hochzeiten oder 30 Taufen. Die Gemeinde Ihe-Owerre hat 15.000 Gläubige. Nur zwei Priester leisten dort Dienst."

Entsprechend groß sind die Kirchengebäude, wenn es sie überhaupt gibt. Zurzeit hat die Gemeinde Ihe-Owerre noch keines, sie baut aber eines, das fast die Fläche eines Fußballfeldes einnimmt. "Es ist ein großes Projekt, das viel Geld kostet und Unterstützung benötigt", erzählt "Charlie" Onuh, wie ihn seine Freunde nennen. Davon hat er in den letzten Wochen viele hinzugewonnen, durch seine begeisternde, freundliche, verbindliche Art. "Ich lerne die deutsche Sprache immer besser", sagt er. "Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich nicht alles so deutlich ausdrücke, wie es sein sollte." Er wolle sein Bestes während seines Aufenthalts leisten.

(got)
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