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Fusion von evangelischen Gemeinden im Moerser Süden ist gescheitert.

Nach vier Jahren Vorarbeit : Kapellener lassen Gemeindefusion platzen

Die evangelischen Gemeinden Moers, Kapellen und Schwafheim bleiben selbstständig. Das Kapellener Presbyterium hat beschlossen, die seit vier Jahren laufenden Fusionsgespräche zu beenden.

Was die größte evangelische Gemeinde in Moers sein sollte, wird zur großen Pleite: Die Fusion der Gemeinden Moers, Schwafheim und Kapellen ist gescheitert. Das Kapellener Presbyterium habe am 11. Februar beschlossen, die Fusionsgespräche zu beenden, sagte am Mittwoch Thomas Koch, Vorsitzender des Leitungsgremiums. „Es gab am Ende große Unterschiede, wie wir uns die Fusion vorstellen.“

Die Verschmelzung der drei Gemeinden sollte zum 1. Januar 2021 vollzogen werden. Seit 2016 war sie in Vorbereitung. Steuerungsgruppen wurden gebildet, externe Moderatoren eingeschaltet, unzählige Gespräche geführt. Zuletzt war eine Satzung für die neue Großgemeinde (sie hätte mehr als 12.000 Mitglieder gehabt) auf den Weg gebracht worden. Nach einer Überprüfung des Satzungsentwurfs durch das Landeskirchenamt habe sich herausgestellt, dass die „Rechtsform einer Fusion nicht passt“, sagte Koch.

Rechtliche Probleme gab es wohl, weil auf Wunsch der Kapellener Dinge festgeschrieben werden sollten, die in der Satzung nicht festgeschrieben werden durften. Es sei um das Profil der Gemeinde gegangen, erläuterte Koch: „Unser Presbyterium wollte einen eigenen Pfarrer am Ort, der für uns zuständig ist.“ Zudem sollte es Garantien hinsichtlich der pädagogischen Arbeit und der Kirchenmusik in Kapellen geben. Aber: Presbyterien seien selbstständige Gremien. So könnten die Presbyterien der jetzigen Gemeinden dem Presbyterium der neuen, fusionierten Gemeinde nichts „vorschreiben“.

Karl-Heinz Rau, stellvertretender Presbyteriumsvorsitzender aus Schwafheim, zeigte im Namen seiner Gemeinde „vollstes Verständnis“ für die Entscheidung der Kapellener. Dagegen zeigte sich Torsten Maes von der evangelischen Gemeinde Moers enttäuscht. „Die Frustration in Moers ist recht hoch“, sagte er. „Aus Sicht der Kirchengemeinde Moers waren wir auf einem guten Weg.“

Die Wünsche der Kapellener hätten zum Beispiel in einer Absichtserklärung festgehalten werden können. Allerdings hatte das Moerser Presbyterium wohl auch eine andere Auffassung darüber, wie die Pfarrer in der neuen Großgemeinde arbeiten sollten – nämlich so, dass jeder Pfarrer „überall“ präsent sein sollte. Maes: „Die Identifikation mit dem eigenen Kirchturm und dem eigenen Stadtteil ist sehr ausgeprägt, aber kann kaum noch aufrecht erhalten werden.“

Mit der Fusion wollten die Gemeinden sich den finanziellen und personellen Problemen stellen, die mit kontinuierlich schwindenden Mitgliederzahlen einhergehen – so wie es mit der Fusion von vier evangelischen Gemeinden zur Großgemeinde Rheinkamp im Moerser Norden gerade gelungen ist. „Wir wollten die Zukunft aktiv gestalten“, sagte Koch. Noch sei der „Druck“ in Kapellen nicht so stark. „Aber wir werden möglicherweise in die Situation kommen, dass der Druck stärker wird und wir nach neuen Wegen suchen müssen.“

Unter Druck steht bereits die evangelische Gemeinde in Schwafheim. „Auch wir hätten gerne einen eigenen Pfarrer“, sagte Karl-Heinz Rau. Aber Pfarrer Claus Brandis werde Schwafheim voraussichtlich Mitte des Jahres verlassen. Die Stelle dürfe nicht ausgeschrieben werden, weil die für die „Region“ (siehe Info) vorgesehenen 6,5 Pfarrstellen besetzt seien. Nun müsse eine Vertretungsregelung in der Region gesucht werden.

Thomas Koch betonte, dass die in den vergangenen Jahren erprobte „gelingende Zusammenarbeit“ der drei Gemeinden trotz der gescheiterten Fusion „in keinster Weise in Frage gestellt“ sei. Rau bestätigte: „Wir werden weiter zusammenarbeiten, daraus werden sich neue Dinge ergeben. Wir sind sehr hoffnungsvoll.“